Filmstarts der Woche In drei neuen Filmen um die Welt

Dokumentarfilmer Michael Moore reist nach Europa, um Lösungen für die Probleme seines geliebten Heimatlandes Amerika zu finden.

Dokumentarfilmer Michael Moore reist nach Europa, um Lösungen für die Probleme seines geliebten Heimatlandes Amerika zu finden.© picture alliance / Falcom Media/dpa

Kinobesucher kommen diese Woche also ganz schön rum: In Europa sucht Michael Moore Lösungen für die Probleme Amerikas, zwei Todkranke reisen nach Afrika und in den USA decken Journalisten einen Missbrauchsskandal auf.

„Where To Invade Next“: Michael Moore geht auf Reisen

Was ist los mit Amerika? Michael Moore, derzeit wohl berühmtester Dokumentarfilmer der Welt, liebt sein Land – und er will, dass es besser wird. Und so hat Michael Moore seine Sachen gepackt und ist für seinen neuesten Film als Ideensammler auf Reisen gegangen, um zu sehen, welche Errungenschaften in anderen Ländern – vorzugsweise in Europa – vielleicht viele der Probleme Amerikas lösen könnten.

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Moore erfährt ganz Erstaunliches auf seinem Europa-Trip (mit einem Abstecher nach Tunesien) – was von ihm in weiten Strecken ganz vergnüglich und geradezu heiter aufbereitet worden ist. Die Themen aber sind ernst und gewichtig: Es geht um das Schulsystem, Arbeitermitbestimmung, Gefängnisse, Drogenpolitik, Ernährung, Gleichberechtigung oder Bildung.

Große Augen macht Moore, als er in das finnische Schulsystem hineinschnuppert. In dem skandinavischen Land müssen die Kinder tatsächlich keine Hausaufgaben machen. Und das funktioniert: Die finnischen Schüler gehören zu den besten in der Welt.

In Italien ist er dem Geheimnis des Glücks auf der Spur, in Frankreich geht es um das Essen und in Slowenien um die Universitäten. Auch Deutschland stattet Michael Moore einen Besuch ab und ist von dem Umgang des Landes mit seiner Nazi-Vergangenheit beeindruckt, was ihn – mit einem Verweis auf die Sklaverei – zum Umgang mit der eigenen Geschichte führt.

Zug um Zug legt Moore so die Defizite Amerikas offen, aber er ist dabei nicht mehr so wütend. Die Wut, die vielfach Motor seiner früheren Filme („Bowling For Columbine“, „Fahrenheit 9/11“) war, ist in „Where To Invade Next“ einem „verrückten Optimismus“, wie es der Filmemacher ausdrückt, gewichen. Weniger zynisch und weniger polemisch ist es dennoch ein typischer Moore-Film geworden, in dem vor allem die immer wieder eingestreuten Sequenzen von Polizei-Willkür in den USA für schockhafte Momente sorgen.

  • Where To Invade Next, USA 2015, 110 Min.
  • FSK ab 0
  • Von und mit Michael Moore

Fitz und Schweighöfer auf der Suche nach dem „geilsten Tag“

Zugegeben, ganz neu klingt die Geschichte nicht: Zwei junge, todkranke Männer wollen noch richtig was erleben, bevor es endgültig vorbei ist mit ihnen – und lernen auf einer abenteuerlichen, teils absurden Reise vor allem sich selbst kennen.

Der Film erzählt die Geschichte von Benno (Florian David Fitz) und Andi (Matthias Schweighöfer), die zufällig im gleichen Hospiz-Zimmer landen. Bei Benno haben die Ärzte einen fiesen Gehirntumor festgestellt, bei Andi eine Lungenkrankheit. Abgesehen von der tödlichen Krankheit verbindet die beiden allerdings nicht viel.

Benno ist ein kleinkrimineller Lebenskünstler, Andi ein blasser Pianist und ängstlicher Hypochonder, der nur noch wenige Tage zu leben und trotzdem permanent Angst vor einer Erkältung oder Sonnenbrand hat. Dennoch beschließen die beiden, sich zusammen zu tun und einen der letzten verbliebenen Tage zum geilsten Tag ihres Lebens zu machen.

Sie kaufen auf Pump, verkaufen die Ware an zwielichtige Kumpels von Benno – und machen sich mit ihrer Beute auf nach Afrika. All das halten sie in ihrem Blog fest.

„Der geilste Tag“ ist eine Gemeinschaftsarbeit von Fitz (Drehbuchautor, Regisseur, Co-Produzent, Hauptdarsteller) und Schweighöfer (Produzent, Hauptdarsteller) – und man merkt dem Film an, dass die beiden Spaß dabei hatten, ihn zu machen. Auch wenn die Grundkonstellation nicht neu ist, lebt die Geschichte um Benno und Andi von schöner Situationskomik, witzigen Dialogen und viel Herz.

  • Der geilste Tag, Deutschland 2016, 110 Min.
  • FSK o.A.
  • Regie: Florian David Fitz
  • Darsteller: Florian David Fitz, Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara

 

„Spotlight“: Formidabler Thriller um Missbrauch

Mit sechs Nominierungen gehört „Spotlight“ mit zu den Favoriten bei den diesjährigen Oscars. Kurz vor der Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt (am 28. Februar) kommt das packende Drama rund um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche von Boston und die Enthüllungen eines Reporterteams der Zeitung „The Boston Globe“ nun auch in die deutschen Kinos.

Inszeniert von US-Regisseur Tom McCarthy („Station Agent“) ist der Thriller, der auf wahren Ereignissen basiert, mit Darstellern wie Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Liev Schreiber und Michel Keaton stark besetzt.

Im Jahr 2003 erhielt das renommierte, 1872 gegründete Traditions-Blatt „The Boston Globe“ den Pulitzer-Preis für eine Reihe von Artikeln, in denen ein Missbrauchsskandal unerhörten Ausmaßes innerhalb der katholischen Kirche Bostons aufgedeckt wurde. Atemlos und sehr stringent erzählt uns Regisseur und Drehbuchautor McCarthy in „Spotlight“ nun, wie es zu den Enthüllungen kommen konnte.

Im Mittelpunkt steht dabei das Investigativ-Team der Zeitung, angeführt von Walter „Robby“ Robinson (Michael Keaton). Angestoßen aber werden die Ermittlungen vor allem durch den neuen Chefredakteur Marty Baron, dem Liev Schreiber im Film eine leise und zugleich geheimnisvolle Präsenz verleiht. Schnell jedoch muss Baron, der neu ist in dieser stolzen Stadt, erfahren, dass man sich in Boston, Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts, nicht mal eben so mit der übermächtigen Institution der katholischen Kirche anlegt. Überall stößt sein eifriges Reporter-Team auf Widerstände und verschlossene Münder.

„Spotlight“ ist ein eher konventionell inszenierter Thriller, der stark an einen der legendärsten Journalisten-Filme überhaupt erinnert, der vor 40 Jahren in die Kinos kam: „Die Unbestechlichen“ mit Robert Redford und Dustin Hoffman zur Watergate-Affäre. Und doch fesselt einen „Spotlight“ von der ersten Minute an und entwickelt einen unglaublichen Sog. Immer fiebert man mit und bisweilen fühlt man sich gar ein wenig, als wäre man selbst Teil des Recherche-Teams des „Boston Globe“.

  • Spotlight, USA/Kanada 2015, 128 Min.
  • FSK o.A.
  • Regie: Tom McCarthy
  • Darsteller: Liev Schreiber, Mark Ruffalo, Michael Keaton

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