Leben Digitale Nomaden: Ich bin so frei

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Ein Büro irgendwo: Digitale Nomaden reisen und arbeiten zugleich. - wie Patrick Hundt in seinem kleinen Büro in Tallinn (Estland).

Ein Büro irgendwo: Digitale Nomaden reisen und arbeiten zugleich. - wie Patrick Hundt in seinem kleinen Büro in Tallinn (Estland).

Eine neue Generation von Selbstständigen erfüllt sich den Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten überall auf der Welt. Patrick Hundt reist seit zwei Jahren von Kontinent zu Kontinent - und kann dabei gut leben.

Patrick Hundt muss erst einmal etwas klarstellen. „Am Strand habe ich noch nie gearbeitet und auch nicht in einer Strandbar.“ Das Klischee, dass Leute wie er mit aufgeklapptem Laptop an der Copacabana sitzen, sei Quatsch. „Da könnte ich mich gar nicht konzentrieren.“ Hätte er das also geklärt.

Der 31-Jährige blickt ins Publikum – die eine oder andere Illusion wird er gerade zerstört haben. Denn das dürfte wohl genau das Bild gewesen sein, das viele der mehr als 200 Anwesenden im Kopf hatten, als sie sich Tickets für die „DNX“ kauften – der ersten Konferenz für digitale Nomaden im Berliner Betahaus. Schon drei Tage nach Verkaufsstart waren die rund 150 Euro teuren Karten restlos ausverkauft. Vor allem junge Menschen sind neugierig: Wie lässt sich der Traum des Weltenbummlers, der Reisen und Arbeiten miteinander verbindet, verwirklichen?

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Patrick Hundt

Patrick Hundt verließ seine eigene Firma, um Weltenbummler zu werden.© Susann Köhler

Einen symbolträchtigeren Ort hätten sich die Veranstalter kaum aussuchen können. Das Betahaus in der Hauptstadt gilt als das Epizen­trum der „Digitalen Bohème“, jener Gruppe Selbstständiger, die man daran erkennen soll, dass sie tagsüber in Cafés sitzen, Latte Macchiato schlürfen und auf ihre Apple-Rechner starren. Tatsächlich steckt mehr dahinter: „Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielweise, sondern Einkommens- und Lebensader.“ So beschrieben die Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo 2006 in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ jene Frauen und Männer, die jenseits der Festanstellung ihr Glück suchen und dank digitaler Technologien den Sprung in die Selbstständigkeit schaffen.

Die digitalen Nomaden setzen diese Entwicklung nun fort. Doch statt in Berliner Cafés arbeiten sie überall auf der Welt, reisen von einem Ort zum anderen, je nachdem, wo es sie eben hinzieht. „Das Internet ermöglicht es gerade Freiberuflern, ortsunabhängig tätig zu sein“, sagt Jutta Rump, Professorin am Ludwigshafener Institut für Beschäftigung und Employability. „Die Zahlen steigen: Langfristig könnten 5 bis 10 Prozent der Menschen auf diese Art und Weise ihren Lebensunterhalt verdienen.“

USA, Südafrika, Guatemala, Mexiko, Thailand, Indonesien, Mauritius – auch Patrick Hundt hat viel gesehen, seit er 2012 ein von ihm gegründete Unternehmen verließ, seine Wohnung in Leipzig auflöste und eine Weltreise begann, die bis heute andauert. Seine Ersparnisse muss der Betriebswirt dafür nicht plündern. Im Gegenteil: Hundt verdient unterwegs so viel, dass er jeden Monat etwas zurücklegen kann.

Raus in die Welt und dabei als Solo-Unternehmer sein Auskommen haben: Das eint die digitalen Nomaden, die bei der DNX als Referenten ihre Erfahrungen weitergeben. Sie haben den Sprung bereits gewagt; programmieren, designen, beraten, entwickeln oder übersetzen ortsunabhängig. Viele andere träumen davon, es ihnen gleichzutun.

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