Leben Filmfestival Locarno: Viel Beifall für deutsches Kino

Aufnahmen von der Piazza Grande gremita in Locarco während des Filmfestivals 2014.

Aufnahmen von der Piazza Grande gremita in Locarco während des Filmfestivals 2014.© von Pardofestival [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

In der ersten Halbzeit des 67. Internationalen Filmfestivals Locarno gab es viel Beifall für Deutschland. Vor allem Schauspielstar Florian David Fitz wurde von den Fans gefeiert. Den bisher stärken Eindruck machte auf dem Festival allerdings ein anderer Film.

Selbst wenn’s regnet, machen allnächtlich Tausende Kinofans aus aller Welt die Piazza Grande in Locarno zum gegenwärtigen Zentrum der Weltfilmkunst. Hier, unterm Sternenzelt, bekamen in der ersten Halbzeit des bis zum kommenden Samstag laufenden 67. Internationalen Filmfestivals Locarno insbesondere deutsche Filme und internationale Gemeinschaftsproduktionen mit finanzieller deutscher Beteiligung starken Zuspruch.

Am roten Teppich zeigte sich zudem die Zugkraft von Florian David Fitz. Die Fans jubelten ihm zu. Er verkörpert die Hauptrolle in „Hin und Weg“ von Regisseur Christian Zübert, einer erstaunlich unterhaltsamen Tragikomödie zum Thema aktive Sterbehilfe. Florian David Fitz führt souverän ein prominentes Darstellerensemble an, zu dem auch Hannelore Elsner und Jürgen Vogel gehören. Ihnen gelingt es, bar jeder Sentimentalität und doch herzerwärmend, von der Flüchtigkeit des Glücks zu erzählen.

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Die beiden mit kräftiger Beteiligung deutscher Geldgeber gedrehten internationalen Gemeinschaftsproduktionen „A Blast“ und „Dos Disparos“, die für Deutschland im Internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden konkurrieren, sind erst in der zweiten Festivalhalbzeit zu sehen. Ob es deutsche Leoparden-Chancen gibt, bleibt also noch abzuwarten.

Viele Filme werfen gesellschaftskritische Fragen auf

Den bisher stärksten Eindruck im Wettbewerb hinterließ der fünfeinhalbstündige philippinische Spielfilm „From what is before“ („Von dem, was war“) von Regisseur, Autor, Produzent und Kameramann Lav Diaz. Das epische Drama zeigt die Auswirkungen politischer Gewalt auf den Alltag zur Zeit der 1972 etablierten Diktatur von Ferdinand Marcos. Dabei wird erschreckend deutlich, wie leicht Menschen versklavt werden können. Die Botschaft ist klar. Bertolt Brecht hat sie in seinem berühmten Anti-Nazi-Stück „Arturo Ui“ so formuliert: „Der Schoß ist fruchtbar noch.“

Nachhaltigen Eindruck hinterließ auch der russische Wettbewerbsbeitrag „Durak“ („Der Narr“). Autor und Regisseur Yury Bykow erzählt in seinem Kammerspiel mit Krimispannung vom Kampf eines Handwerkers gegen Korruption und Bürokratie: Ein städtisches Mietshaus droht einzustürzen und damit Hunderten den Tod zu bringen. Doch die Mächtigen des Ortes verweigern jede Hilfe, damit ihre verbrecherischen Machenschaften nicht ans Tageslicht kommen. Die Kritik an der aktuellen politischen Realität in Russland ist unübersehbar.

Das diesjährige Festivalangebot fällt insgesamt durch eine starke Politisierung auf. Viele Filmemacher in aller Welt fühlen sich offenbar von den Krisen der Gegenwart dazu angeregt, mit ihrer Kunst gesellschaftskritische Fragen zu stellen. Das Publikum nimmt dies mit Beifall auf. Am Samstagabend (16. August) wird sich zeigen, ob sich die Jury mit der Vergabe des Goldenen Leoparden und der anderen Preise den Zuschauern anschließt.

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