Leben Filmtipp: Mittelstand gegen Reich der Mitte

Aus Konkurrenten will Michael Bogenbauer (Christoph Bach, rechts vorne) beim Geschäftsessen Partner machen.

Aus Konkurrenten will Michael Bogenbauer (Christoph Bach, rechts vorne) beim Geschäftsessen Partner machen. © sabotage films, Wolfgang Schmidt

Die schwäbische Provinz trifft auf Shanghai, ein alter Patriarch auf fernöstliche Höflichkeit. Im Film von Hannes Stöhr muss ein Unternehmer erst am Abgrund stehen, um seine Familie neu kennenzulernen. Heute um 20.15 Uhr läuft er im Kultursender Arte.

Der Patriarch ist in seinem Sessel zusammengesackt, die rechte Hand liegt schlaff auf dem Spazierstock. Um Paul Bogenschütz herum hat sich die Familie fürs Foto zum 90. Geburtstag des Alten versammelt. „Streng dich doch mal an, Papa!“, sagt seine Tochter Marianne und legt ihre Hand auf seine Schulter. „Wir machen alle nochmal mit.“ Bogenschütz strengt sich an – und genauso angestrengt sieht sein Lächeln fürs Foto dann auch aus.

Der alte Mann sorgt sich um sein Lebenswerk. Dem Textilmaschinenhersteller Bogenschütz & Söhne, seinem Unternehmen, droht die Insolvenz. Schon vor Monaten musste sein Sohn Michael Bogenschütz – der seit einigen Jahren das Unternehmen führt – Kurzarbeit anmelden. Der junge Bogenschütz klammert sich an eine Möglichkeit, um den Betrieb zu retten: Er will mit der Konkurrenz aus China über eine Zusammenarbeit verhandeln. Davon muss er seinen Vater überzeugen, denn der will als Seniorchef sein Veto einlegen. „Die Firma Bogenschütz hat den ersten und zweiten Weltkrieg überlebt, dann überleben wir auch den Chinesen“, schimpft der Vater.

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Das Unternehmen kann nicht ohne die Familie

Sein Plan: Die Kinder sollen aufs Erbe verzichten und stattdessen mit ihrem Vermögen neue Kredite besichern. Doch Michaels Schwestern sind zwar Gesellschafterinnen, doch das Unternehmen und vor allem ihr Vater, sind ihnen fremd. Die Familie soll das Unternehmen trotzdem retten, denn der Patriarch weiß um seine Verantwortung als Unternehmer.

„Ich habe großen Respekt vor Unternehmern, für mich sind viele Helden“, sagt Hannes Stöhr. Darum hat er einen Film über ein Familienunternehmen gedreht. Seitdem die Lehmann-Pleite 2008 die Weltwirtschaft in die Krise riss, hat Stöhr häufig über Gerechtigkeit nachgedacht: „Gewinne wurden privatisiert aber Verluste sozialisiert“, sagt er. Im Mittelstand sei das anders. Unternehmer wachsen mit ihrem Unternehmen – aber sie fallen auch mit ihm.

Mit „Global Player. Wo wir sind isch vorne“ holt Regisseur Hannes Stöhr die Globalisierung in seinen Heimatort, das schwäbische Hechingen. Das Unternehmen Bogenschütz & Söhne ist fiktiv, doch seine Probleme sind real. Nicht weit weg von Hechingen liegt Aichtal, wo der chinesische Baumaschinenhersteller Sany 2012 den Pumpenhersteller Putzmeister kaufte.

Stöhr, der auch das Drehbuch selbst geschrieben hat, hat sich viele solche Fälle angeschaut und herausgearbeitet, was den Mittelstand umtreibt: Wie Paul Bogenschütz, der im Film von Walter Schultheiß gespielt wird, treten die alten Chefs aus der Wirtschaftswundergeneration ab –  und viele haben ihre Nachfolge nicht gut geregelt. Gleichzeitig machen Wettbewerber von außen Druck. In „Global Palyer“ erwischen die Chinesen den Textilmaschinenhersteller in seiner schwersten Krise.

Regisseur Hannes Stöhr an der Kamera.

Regisseur Hannes Stöhr an der Kamera.© stoehrfilm

Die Delegation aus Shanghai spricht kein Englisch. Um sich auszutauschen sind beide Seiten auf eine Übersetzerin angewiesen. Und so gehen die Verhandlungen nur stockend und voller, oft komischer, Missverständnisse voran. „Jeder kann Englisch. Aber wer kann schon Chinesisch?“, sagt Stöhr. Sein Film zeigt im Kleinen, wie sich die weltweiten Machtverhältnisse verschieben. Das Reich der Mitte setzt zum Sprung an die Spitze der Weltwirtschaft an. „China ist Chance und Risiko zugleich“, sagt der Regisseur. Sein Film ist darum mal lustig und mal tragisch. Denn nicht alle werden den Wandel überstehen.

„Global Player. Wo wir sind isch vorne“ lief im Oktober 2013 in den Kinos. Am 24. April um 20.15 Uhr zeigte ihn der Kultursender Arte.

Hier geht’s zur offiziellen Internetseite des Films.

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