Leben Hausverbot für den Datenschutz

In öffentlichen Verkehrsmittel wird man oft unfreiwilliger Mithörer oder -leser.

In öffentlichen Verkehrsmittel wird man oft unfreiwilliger Mithörer oder -leser.© ldprod - Fotolia.com

In Zeiten von NSA und Big Brother wird der Ruf nach dem Schutz der persönlichen Daten immer lauter. Mails werden verschlüsselt, Passwörter immer komplizierter. Und doch gehen viele mit ihren eigenen oder den Daten Dritter in manchen Situationen äußerst sorglos um. Zum Beispiel in den öffentlichen Verkehrsmitteln, hat impulse-Chefassistentin Anna Bicker beobachtet.

Irgendwie war mir ja der junge Mann aus der zweiten Bewerbung am sympathischsten und auch die Vita las sich nicht schlecht. Er hat trotzdem eine Absage bekommen. Kandidat Nummer 3 dagegen wurde ein Terminvorschlag für ein Vorstellungsgespräch geschickt, möglichst noch diese Woche. Ob Freitagnachmittag ok wäre? „Na“, denke ich bei mir. „Bestimmt nicht. Der hat doch ne feste Stelle und arbeitet sicherlich um die Zeit.“

Mitteilen konnte ich das Frau Müller (Name geändert), auf deren Laptop die Bewerbungsunterlagen zu sehen war, natürlich nicht. Auch wenn sie neben mir saß. Es gehört sich nämlich nicht auf fremde Computer zu schauen. Das hätte ich ja auch gerne den anderen zehn S-Bahn-Fahrern gesagt, die genau wie ich den Bildschirm im Blickfeld hatten und an dem „Schrecklicher-Unfall-Syndrom“ litten – man kann einfach nicht weg schauen. Noch mehr juckte es mich aber, der Frau neben mir zu sagen, dass man die Öffentlichen Verkehrsmittel nicht als Büro nutzen sollte.

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Doch jeden Tag treffe ich auf Menschen, die das nicht wissen oder es verdrängen. Ich sah schon Umsatzzahlen von Unternehmen, Kontoauszüge, Gehaltsabrechnungen und sogar sehr private Fotos auf Laptop, Tablet, Smartphone oder als Papierausdruck. Aus (einseitig) angehörten Telefongesprächen erfuhr ich Handy- und Kontonummern oder wurde detailliert über die Krankheit von einem Arbeitskollegen meines Sitznachbarn informiert.

Vernichtende Blicke von nebenan

Löst sich dann doch mal ein digitaler Power-User aus seinem Bildschirm-Tunnelblick, schaut er seine mehr oder weniger unfreiwilligen Beobachter vernichtend an, bevor er die Position seines Displays leicht ändert und sie in das Blickfeld einer anderen Fahrgastgruppe schiebt.

Vielleicht genießen Sie ja beim nächsten Mal die Fahrt und lassen einfach Ihre Gedanken schweifen. Das entspannt.

PS: Was aus der Bewerbung von Kandidat 2 wurde weiß ich nicht – ich musste aussteigen.

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