Leben Hinter den Kulissen – Das Geschäft der Kunstberater

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach: Kunst als reines Spekulationsobjekt?

Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach: Kunst als reines Spekulationsobjekt?© dpa

Die Inhaftierung des prominenten Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach wirft ein Schlaglicht auf eine noch relativ junge Branche. Welche Rolle spielen Kunstberater auf dem Kunstmarkt?

Sie nennen sich „Kunstberater“, „Art Advisor“ oder „Art Consultant“ – mit dem Boom auf dem internationalen Kunstmarkt tauchte auch eine neue Branche auf. Der prominente Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach, der wegen Betrugsvorwürfen seit Pfingsten in Untersuchungshaft sitzt, betreibt das lukrative Geschäft bereits jahrzehntelang. Er rühmte sich sogar, den Beruf des Kunstberaters in Deutschland erfunden zu haben.

„Ich bin nach 40 Jahren an einem Punkt angekommen, wo ich das Gefühl habe: Klasse, da fühle ich mich wohl“, hatte der in der Düsseldorfer Kunstszene geschätzte studierte Sozialpädagoge noch vor zwei Jahren in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

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Kleiner Kreis in Deutschland

Während sich in den USA eine mächtige Kunstberater-Branche etabliert hat, ist der Kreis der professionellen Kunstberater in Deutschland ziemlich klein. Der 62-jährige Achenbach, der Banken, Versicherungen, Unternehmen, aber auch reiche Privatleute beim Kauf von Kunst und dem Aufbau von Sammlungen unterstützt, galt bisher als professioneller Berater mit einem guten Gespür für Wertsteigerungen.

Schließlich hatte er schon früh auf Gerhard Richter gesetzt, dessen Werke heute Höchstpreise erzielen, und Ende der 70er Jahre einen Richter für damals 30.000 Mark an die New Yorker Niederlassung der Hessischen Landesbank vermittelt. 1986 kaufte die Victoria-Versicherung zwei großformatige Bilder Richters für 290.000 Mark. Heute liegt ihr Wert im zweistelligen Millionenbereich.

Doch das Geschäft der Kunstberatung ist wenig transparent, was unter anderem auch daran liegt, dass das Berufsbild nicht geschützt ist. Die Essener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Achenbach, weil er dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht frisierte Rechnungen mit verdeckten Preisaufschlägen vorgelegt haben soll. Auch der Pharma-Unternehmer Christian Boehringer soll zu den Geschädigten gehören. „Als Berater ist Vertrauen das einzige Kapital, das man hat“, heißt es in Kunstmarktkreisen. Wenn man das aufs Spiel setze, werde das Geschäft schnell ruiniert.

Millionenfinanzierung durch Banken

Einige Galerien sehen Kunstberater als missliebige Konkurrenz, denn die Grenzen zwischen Beratung und Handel sind beim „Art Consultant“ fließend. So bekannte auch Achenbach in seiner 2013 erschienenen Autobiografie „Der Kunstanstifter – vom Sammeln und Jagen“: „Plötzlich war ich nicht mehr nur der Kunstberater Helge Achenbach, sondern ich agierte wie ein Kunsthändler.“

Offenherzig erzählt Achenbach, wie Banken seine Kunstprojekte mit Millionenbeträgen finanzierten. Er kaufte Kunst für seine Kunden, erstand aber auch bedeutende Sammlungen, die er teilweise weitervermittelte oder mit denen er ein eigenes Kunstlager aufbaute.

Während Galerien Künstler fördern und bekanntmachen, ihnen Ausstellungen in ihren Verkaufsräumen und auf Messen ermöglichen und damit auch ein Erfolgsrisiko tragen, wird die Arbeit der Kunstberater von manchen als „Rosinenpickerei“ gesehen.

Kunden „an die Hand nehmen“

Das sieht der Düsseldorfer Galerist Rupert Pfab allerdings nicht so. Kunstberater vermittelten auch in Galerien vertretene Künstler beispielsweise an Firmensammlungen. „Kunstberater erreichen Kunden, an die ich nicht herankommen würde“, sagt Pfab. „Deshalb arbeite ich gern mit ihnen zusammen.“ Auch Auktionshäuser halten Kunstberater für eine wichtige Instanz, die Kunden „an die Hand nehmen“, so Robert Ketterer vom gleichnamigen Münchner Auktionshaus.

Helge Achenbach aber ist mehr als nur ein Kunstberater. Er sieht sich als „Vernetzer“ mit engen Kontakten zu Künstlern, Sammlern, Unternehmern und Museumsdirektoren. So fädelte er eine Kooperation zwischen der Volkswagen AG und dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York ein. Die Zusammenarbeit wurde 2011 mit Top-Prominenz in Manhattan gefeiert. Madonna war ebenso da wie Jeff Koons, Courtney Love und Yoko Ono.

Nebenbei ist Achenbach auch Geschäftsführer der privaten rheinischen Sammlung „Rheingold“, die zeitgenössische Kunst kauft. Und er stattete das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien mit Werken von Düsseldorfer Künstlern aus. Als „Hans im Glück“ hatte sich Achenbach vor zwei Jahren noch bezeichnet.

Kunst als reines Spekulationsobjekt

Das Besondere bei Achenbach ist, dass er engstens mit den Akteuren der Kunstwelt verdrahtet ist und mit namhaften Künstlern wie Gerhard Richter, Günther Uecker oder Andreas Gursky freundschaftliche Beziehungen pflegt. Jenseits des Atlantiks hat sich inzwischen ein anderer Typus des Kunstberaters entwickelt, der die Methoden des Finanzmarkts auf den Kunstmarkt übertragen hat.

So porträtiert die Kunstzeitschrift „Monopol“ in ihrer neuen Ausgabe den Sammler und Berater Stefan Simchowitz in Los Angeles, der über soziale Netzwerke Abbildungen von Kunstwerken oder einfach nur Namen als Kaufempfehlungen verbreitet. Auf Kunstmessen geht er nicht. Kunst wird wie eine Aktie zur „Transaktion“ und zum reinen Spekulationsobjekt.

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