Leben Humanismus à la Rousseau: Warum französische Komödien die Kinocharts stürmen

Maman möchte ihre Ruhe haben: Auszug aus der französischen Kino-Komödie "Maman und ich".  Der Film wurde 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

Maman möchte ihre Ruhe haben: Auszug aus der französischen Kino-Komödie "Maman und ich". Der Film wurde 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.© Concorde Filmverleih

"Willkommen bei den Sch'tis", "Ziemlich beste Freunde" oder "Monsieur Claude und seine Töchter": Französische Komödien füllen nicht nur in Frankreich große Kinosäle, sondern inzwischen auch hierzulande. Die Erfolge der französischen Gute-Laune-Filme sind längst keine Einzelfälle mehr. Experten sprechen von einem Phänomen.

Seit den Megasellern „Willkommen bei den Sch’tis“ und „Ziemlich beste Freunde“ reißt der Erfolg der französischen Komödien nicht mehr ab. Die Ende Juli in die deutschen Kinos gekommene Multikulti-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“, die in Frankreich über 10 Millionen Kinobesucher anzog, startete auch in Deutschland wieder mit Vollgas durch und steht in den Top 5 der Charts. Regisseur Philippe de Chauveron treibt hier die Auseinandersetzung um das komplizierte Miteinander von Menschen verschiedenster Herkunft auf die satirische Spitze.

Französische Komödien haben seit dem grandios grimassierenden Louis de Funès als „Gendarm von Saint Tropez“ oder „Balduin, der Ferienschreck“ in Deutschland Tradition. Viele haben es an die Spitze der Kinocharts geschafft, darunter auch die Filme der unbesiegten Gallier Asterix und Obelix mit Gérard Depardieu. Überraschend ist, dass seit 2008 der Erfolgskurs der französischen Lachangriffe nahezu ununterbrochen anhält.

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„Nur für Personal“, „Der Vorname“, „Große Jungs“, „Maman und ich“, „Eine ganz ruhige Kugel“: Angesichts der immer zahlreicher werdenden Filmen mit maximaler Serotonin-Ausschüttung spricht man auch in Frankreich von einem Phänomen. Die Erfolge der französischen Gute-Laune-Filme sind keine Einzelfälle mehr, behauptet die Sprachwissenschaftlerin Pauline Escande-Gauquié.

Was im Mittelpunkt der Kassenhits steht

Eine wesentliche Rolle spiele in den Filmen der Humanismus, schreibt die Wissenschaftlerin in ihrem Buch „Le cinéma français crève l’écran“ (etwa: Das französische Kino sprengt den Rahmen). Angesichts der finanziellen und moralischen Krise und ihrer korrumpierten Akteure, die die menschliche Verwerflichkeit und Schäbigkeit zutage brächten, ließen diese Komödien an einen Humanismus à la Rousseau glauben, führt die Französin in ihrem nach den Megasellern erschienenen Werk aus. Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau glaubte, dass der Mensch in seinen Wesenszügen prinzipiell gut sei.

Solidarität und die Anerkennung des Mitmenschen in seinem Anders-Sein stehen tatsächlich im Mittelpunkt der Kassenhits der vergangenen Jahre. Themen, die die Autorin unter dem Schlüsselbegriff der „Wiederverzauberung der Welt“ zusammenfasst.

Warum französischer Humor auch bei Deutschen gut ankommt

Was genau französischer Humor ist, lässt sich schwer beschreiben. Ist er frecher, spritziger und intellektueller als der deutsche Humor, wie einige Spezialisten meinen? Prof. Hermann Bausinger, der frühere Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, erklärt sich den Erfolg der französischen Komödien durch eine Annäherung der Mentalitäten. „Die hinter einem Witz stehenden Realitäten müssen beiden Seiten vertraut sein“, sagte er in einem Interview der Zeitschrift „ParisBerlin“.

Da sich die Lebensverhältnisse in unserer technisierten Welt weithin angeglichen haben, sei die Differenz zwischen den Denk- und Verhaltensmustern nicht mehr so groß wie früher, erklärte er. Womit der Steilflug der französischen Komödien auch weiter anhalten dürfte.

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