Leben Ist da eine Henne im Ei? So soll die massenhafte Kükentötung gestoppt werden

Etwa 40 Millionen männliche Küken werden jährlich geschreddert oder vergast.

Etwa 40 Millionen männliche Küken werden jährlich geschreddert oder vergast.© kharhan/Fotolia

40 Millionen männliche Küken werden allein in Deutschland jährlich getötet, weil sie keine Eier legen. Zehn Jahre lang haben Forscher unter der Führung der Uni Leipzig nach Alternativen gesucht - und gefunden. Doch wie praxistauglich ist ihr Vorschlag?

Minihähne haben in Deutschland bisher ein sehr kurzes Leben – zumindest wenn Legehennen die Mutter sind. Als Eintagsküken werden jährlich etwa 40 Millionen Küken geschreddert oder vergast, weil sie keine Eier legen. Auf der Suche nach Alternativen setzt Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) auf ein Verfahren der Uni Leipzig. Noch im Ei soll das Geschlecht getestet werden, nur die Weibchen sollen schlüpfen. Geht es nach Schmidt, wird es 2017 flächendeckend eingesetzt. Nicht alle nehmen den Plan euphorisch auf. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie funktioniert die Kükenauswahl bisher?

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Im Moment werden die Küken in den Brütereien nach dem Schlüpfen von Hand sortiert. Hoch qualifizierte Mitarbeiter können die Geschlechter anhand von Farbe, Federn und Kloaken unterscheiden und sortieren die männlichen Tiere aus, wie der Zentralverband Deutsche Geflügelwirtschaft erklärt. Die Minihennen werden aufgezogen. Die männlichen Tiere werden laut Verband fast ausschließlich mit Kohlendioxid vergast. Zudem sei das Zerkleinern im Häcksler erlaubt.

Wie funktioniert das neue Verfahren?

Statt nach dem Schlüpfen nach 21 Tagen können die Forscher der Universität Leipzig schon nach 72 Stunden das Geschlecht im Ei bestimmen. Dazu fräst ein Laser ein Loch von etwa einem Zentimeter Durchmesser in die Kalkhülle. Für die spektroskopische Analyse müsse keine Probe entnommen werden, erklärt die Teamleiterin Prof. Maria Krautwurst-Junghanns. Stattdessen werde die molekulare Struktur im Blut sichtbar gemacht, das bei Vögeln DNA-Informationen enthält. Binnen Sekunden wirft die Technik einen Kurvenverlauf aus, der das Geschlecht verrät. Nur die Eier mit weiblichen Küken werden mit Pflastern versehen und ausgebrütet.

Wann könnte es einsetzbar sein?

Seit zehn Jahren forschen die Leipziger an den Grundlangen. Laut Bundesagrarminister Schmidt könnte ab Mai mit dem Umsetzen der Laborergebnisse in die Praxis begonnen werden. Dazu müssen Maschinen entwickelt werden, die im Großeinsatz tauglich sind. Nach einer Testphase sollen 2017 alle deutschen Brütereien das Verfahren nutzen.

Wie praxistauglich ist das Verfahren?

Die Geflügelwirtschaft begrüßt prinzipiell die Methode der Geschlechterbestimmung im Ei. Sie scheine am besten geeignet zu sein, weil sie die Tiere schone, erklärt der Zentralverband. Eine Herausforderung sei die große Öffnung in den Eiern, durch die im Brutprozess mehr Keime in das Ei gelangen könnten. Die Forscher wollen das Verfahren weiter verfeinern, sagte Wissenschaftler Gerald Steiner. Die Schlupfrate liege unter Praxisbedingungen bisher noch 10 bis 15 Prozent niedriger als ohne Geschlechtertest.

Werden die Eier teurer?

Seriöse Abschätzungen zu den Kosten der Geschlechterbestimmung im Ei gibt es laut Branchenverband noch nicht, da die Automatisierung noch in der Entwicklung ist. Rudolf Preisinger, Geschäftsführer eines führenden deutschen Geflügelzüchters, der mit den Forschern zusammenarbeitet, rechnet mit einem geringen Mehrpreis für die Eier. Er schätzt, dass auf jede Brüterei etwa Mehrkosten von einer halben Million Euro zukommen.

Werden alle Züchter in Deutschland mitmachen?

Aus Sicht von Bundesagrarminister Schmidt bleibt ihnen nichts anderes übrig. Wenn die Bestimmung im Ei angewendet werden könne, sei sie eine Alternative zur Kükentötung. Damit greife automatisch das Tierschutzgesetz.

Birgt die Idee Wettbewerbsnachteile?

Die Geflügelzüchter befürchten das. Das Töten männlicher Eintagsküken spiele bisher nur im deutschsprachigen Raum eine Rolle, erklärt Thomas Janning vom Zentralverband Deutsche Geflügelwirtschaft. „Wir fordern eine europäische Lösung, da wir befürchten, ein nationaler Alleingang würde vor allem zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland führen.“ Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft fordert laut einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ für den Ausstieg aus der Kükentötung Finanzhilfen von Bund und Ländern. Sonst könnten vor allem kleine Brütereien die Anschaffung nicht finanzieren.

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