Leben Jenseits von Bullshit-Bingo: Arbeiten auf Augenhöhe

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"Vertrauen, Eigenverantwortung, Selbstbestimmung, Sinn und Werte." Bla! Um was es wirklich in der Arbeitswelt der Zukunft geht, möchte ein junges Team in einem crowd-finanzierten Film zeigen - ohne Bullshit-Bingo. Unternehmerin Béa Beste hat sich mit den Filmemachern unterhalten.

In diesem Monat beschäftigt mich das Thema „Arbeitswelten“. Als Bildungsunternehmerin muss ich ja genau das extrapolieren, was in der Zukunft passiert. Denn gute Bildung ist das, was unsere Kinder auf die Zukunft vorbereitet – auch auf die Arbeitswelt von morgen. Über Twitter habe ich eine Truppe entdeckt, die einen filmischen Beitrag dazu leisten will und couragiert vorgeht: AUGENHÖHE. Diese Menschen will ich hier vorstellen. Ich habe es mir einfach gemacht und ihnen einfach ein paar Fragen gestellt:

Wer seid ihr und was habt ihr euch vorgenommen?

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Eine Frau, vier Männer, einige mit Wirtschaftswissenschaften unter den Füßen und einiger Erfahrung in großen Konzernen und agilen Start-Ups. Uns treibt alle gemeinsam das Ziel, die Arbeitswelt humaner, zeitgemäßer, transparenter und freudvoller zu machen. Das klingt jetzt ziemlich hoch gesteckt, doch die Beispiele aus AUGENHÖHE zeigen, dass genau das mit anderen Formen der Zusammenarbeit möglich und sehr erfolgreich ist.

Wir beschäftigen uns schon seit mehreren Jahren mit dem, was man heute “New Work” nennt.  Wir sind uns auf einer Veranstaltung von intrinsify.me  – der Bewegung für selbstbestimmtes und sinngetriebenes Arbeiten – begegnet, haben uns zusammengefunden und sind an dieser Idee drangeblieben.

AUGENHÖHE ist ein Film und ein Veranstaltungsformat zugleich. Wir zeigen Menschen und Unternehmen, die es schon heute anders machen, immer auf ihre ganz eigene Weise: Das Gehalt wählen, große Spielräume für eigene Entscheidungen haben, mit einer anderen Vorstellung von Hierarchie funktionieren… Die Bandbreite ist groß. Diese lebendigen Beispiele aus den verschiedensten Branchen machen Mut, den Wandel zu wagen. Dieser Impuls lässt sich in den Diskussionen nach dem Film dann gut vertiefen. Das setzt natürlich voraus, dass wir das mit Hilfe der Unterstützer im Crowdfunding kostenlos zur nicht-kommerziellen Nutzung hinbekommen.

Warum glaubt ihr, dass dieser Film nötig ist?

Wir möchten einen Paradigmenwechsel, der bereits in vollem Gange ist, durch den Film verstärken und vielen Menschen Mut machen, sich selbst auf diesen Weg zu begeben. Es gibt momentan eine noch zarte Bewegung hin zu Organisationen, in denen alle offen und wertschätzend miteinander umgehen. In denen Menschen ihre Talente einbringen und ihr Potential entfalten können. Organisationen, die dafür da sind, dass Menschen ein sinnvolles und selbstbestimmtes Leben in einer lebendigen Gemeinschaft führen können. Zu sehen, dass dies möglich ist, und sich davon inspirieren und ermutigen zu lassen, dazu lädt dieser Film über die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts ein. Deshalb entwickeln wir, zusätzlich zum Film, Veranstaltungsformate, die ZuschauerInnen des Films miteinander in Dialog bringen sowie Materialien und Methoden, die den Wandel im eigenen Unternehmen unterstützen können.

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Wer ist eure Zielgruppe?

AUGENHÖHE soll und wird viele Menschen inspirieren. Angesprochen sind nicht nur Führungskräfte und Firmeninhaber, sondern jeder, der an seinem Arbeitsplatz etwas verändern möchte. Denn es sind die vielen kleinen Schritte, die zu einer größeren Bewegung führen.

Dabei wissen wir natürlich, dass wir nicht allein sind. Es gibt viele Menschen, die sich um die Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert Gedanken machen. Gerade in den letzten Monaten wird das Thema mehr und mehr aufgegriffen – ein ermutigendes Signal!

Habt ihr bereits jetzt konkrete Beispiele, wie gutes Arbeiten auf Augenhöhe geht?

Es gibt viele konkrete kleine Beispiele, die wir nicht im Einzelnen aufführen möchten und können. Aber eines haben wir während des Projektes gemerkt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Da muss sich jede Firma, jedes Team, jede Organisation eigene Gedanken machen und dann das jeweils Passende tun. Die Menschen in AUGENHÖHE erklären uns ihren spezifischen Weg – und man sieht und hört, welche positiven Effekte dies auf die Zusammenarbeit und den Unternehmenserfolg hat.

Wie finanziert ihr das Vorhaben?

Um AUGENHÖHE zu finanzieren, haben wir uns für Crowdfunding auf Nordstarter.org (für Hamburg) und Startnext.de (überregional) entschieden. Crowdfunding entspricht sehr unserem Denken und unserer Vorstellung von Beteiligung: Viele Menschen können mit kleineren und größeren Beiträgen dafür sorgen, dass der Film in die Welt kommt – und somit die Gedanken einer anderen Art von Zusammenarbeit. Gleichzeitig wollen wir, dass möglichst viele Menschen diesen Film sehen können. Aus diesem Grund werden wir AUGENHÖHE – sobald er fertiggestellt ist – unter Creative-Commons-Lizenz für nichtkommerzielle Zwecke kostenlos zur Verfügung stellen.

Gibt es Negativ-Beispiele, die euch dazu gebracht haben, diesen Film zu drehen?

Jeder von uns hat sicherlich schon negative Beispiele in seinem Berufsleben erlebt, aber das ist nicht der Treiber gewesen. Wir möchten eben nicht anprangern, was alles schlecht ist. Üble Geschichten über Chefs und miese Unternehmenskultur kann eigentlich jeder erzählen. Stattdessen möchten wir Alternativen zeigen. Das bringt uns doch viel eher einen Schritt vorwärts. Unser Treiber ist, dass jeder Einzelne von uns die positiven Beispiele erlebt hat: das Strahlen in den Augen von Mitarbeitern, wenn Sie selber entscheiden “durften”.

Was ist das Lustigste, was ihr bislang beim Drehen erlebt habt?

Sicherlich gab es hier und da lustige Momente. Das, was uns aber ganz stark in der Erinnerung bleibt, sind die bewegenden Momente bei den Dreharbeiten. Wie das Interview mit einem Hausmeister, der sagte: “Ich komme mit einem ganz anderen Gefühl auf Arbeit, ich bin innerlich frei. Weil ich das Vertrauen der Vorgesetzten genieße.”

Was macht für euch Augenhöhe-Leadership aus?

Ach, da könnte man jetzt wieder so einen langen, theoretischen Vortrag halten. Oder wieder all die Trendworte bringen: flachere Hierarchie, Vertrauen, Eigenverantwortung, intrinsische Motivation, Selbstbestimmung, Ergebnisorientierung, Sinn und Werte. Doch genau das wollen wir nicht. Wir freuen uns jetzt schon auf die Workshops und Events, bei denen sich auch Führungskräfte nach dem Film mit der Frage beschäftigen: Was haben wir gesehen? Wie zeigt sich “Augenhöhe”? Was bedeutet das für mich persönlich? Grundsätzlich zeigt sich das in den Antworten der Frauen und Männer, die dort gemeinsam etwas schaffen. Es zeigt sich in der Zusammenarbeit. In den Gesichtern. In der Atmosphäre. Da gibt es natürlich die oben genannten Zutaten, aber kein Patentrezept, das sich einfach nachkochen lässt. Da darf, da muss jedes Unternehmen und jeder Mensch ganz eigene Antworten geben.

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Wie steht ihr zum Thema Fehlerkultur?

Wir schließen uns da der Haltung der Porträtierten an. Fehler sind wichtig, man kann sie sogar feiern. Eine Kultur, in denen Menschen Angst haben, Fehler zu machen ist unerträglich. Für die Menschen und für die Organisation – weil sich nur noch wenige was trauen. Den Mut braucht es aber oft, wenn man am Markt erfolgreich sein und bleiben möchte. Wichtig noch: Fehler reflektieren. Nicht nur feiern, sondern sich fragen: Wie kam es dazu? Was haben wir gelernt? Was machen wir nächstes Mal anders? Und das anschließend veröffentlichen – nicht, um jemanden anzuprangern, sondern um allen die Chance zu geben, aus Fehlern der Kollegen zu lernen. Auch wenn man sie ab und zu feiert – man muss nicht jeden Fehler selber machen… 😉

Was habe ich nicht gefragt, was ihr gern beantworten würdet?

Wir möchten gerne noch erzählen, wie ansteckend die Begeisterung der Menschen war, denen wir während der Dreharbeiten begegnet sind. Ihre Freude an den ungewöhnlichen Wegen, die sie geschaffen haben. Ihr Stolz auf das, was sie beitragen zum Erfolg des Unternehmens. Ihr Engagement, auch in kniffligen Situationen, wenn eben nicht immer alles Freude macht und easy ist, durchzuhalten und positiv zu bleiben. Und was es für ein großes Geschenk ist, Menschen begegnet zu sein, die den Rahmen geschaffen haben für diese Organisationen. Ohne ihren Impuls wäre unser Projekt nicht in Gang gekommen – und ohne ihre Fähigkeit, zurückzutreten und anderen Raum zu geben, wären die Geschichten dieser Unternehmen ganz andere geworden.

Kann man dabei sein?

Ja, sehr gern. Mitmachen kann jeder, der etwas an seinem Arbeitsplatz verändern und damit die Arbeitswelt positiv gestalten möchte, denn so soll und kann es funktionieren: Viele kleine Veränderungen, die angestoßen werden, stärken den Wandel insgesamt, holen ihn aus der Nische…

AUGENHÖHE wird viel verändern, wenn viele diesen Film sehen. Damit ihn viele anschauen können, möchten wir AUGENHÖHE für nicht kommerzielle Verwendung kostenlos unter creative commons Lizenz zur Verfügung stellen. Und genau deswegen brauchen wir jetzt weitere Unterstützer im Crowdfunding  (mitmachen.augenhoehe-film.de) – viele, die mit kleinen und einige, die mit größeren Beiträgen helfen und damit die Basis für einen Wandel in der Arbeitswelt stärken.

Liebes Augenhöhe-Team, vielen Dank für dieses Gespräch. Und wenn Ihr auch mal über uns als Tolla-Team etwas erfahren wollt, hier sind unsere Spielregeln!

Liebe Grüße, Béa
(die aus Uberzeugung immer in die Hocke geht, wenn sie mit Kindern redet. Wegen Augenhöhe.)

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