Leben Korruption, Bauverzögerungen, Überteuerung: Italien vor Expo-Beginn im Stress

Im Mai soll die Expo in Mailand beginnen - bis dahin ist noch einiges zu tun. Im Bild: die Baustelle des italienischen Pavillons.

Im Mai soll die Expo in Mailand beginnen - bis dahin ist noch einiges zu tun. Im Bild: die Baustelle des italienischen Pavillons.© picture alliance / dpa

Italien will sich zur Expo in Mailand von seiner besten Seite zeigen. Die Ausstellung soll dem Land einen Imagewechsel bringen. Doch Kritiker prangern vielerlei Missstände an.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi versprühte vergangene Woche großen Optimismus, als er die Megabaustelle in Mailand besuchte. Hier am Stadtrand soll in etwa sechs Wochen die Weltausstellung Expo eröffnen. 20 Millionen Besucher werden von Mai bis Oktober erwartet. Doch bisher klafft dort eine Riesenbaustelle. Auch Renzi musste einräumen, dass das Ganze wohl „auf den letzten Drücker“ fertig werde. Expo-Geschäftsführer Giuseppe Sala betonte derweil diese Woche: „Ich bin absolut sicher, dass bis auf ganz wenige Pavillons alles für die Eröffnung bereit sein wird.“

Solcherlei Bekundungen sind notwendig, denn die Expo steht in keinem allzu guten Licht. Vergangenes Jahr wurden mehrere Manager wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen. Unter anderem ging es um illegale Auftragsvergabe für die Weltausstellung. Eine spezielle Aufsicht wurde geschaffen, um gegen Bestechung und Korruption vorzugehen. Diese Woche rückten bei Großermittlungen der Staatsanwaltschaft in Florenz aber auch wieder Expo-Manager ins Visier der Behörden.

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Italien sehnt sich nach einem besseren Image

„Das sind alte Vorwürfe. Generell ist die Situation seit letztem Jahr viel besser geworden. Aber Korruption kann man natürlich nie vollkommen ausschließen“, sagte Virginio Carnevali, Präsident der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Italien. Zu den Problemen kamen Bauverzögerungen und Klagen über eine chaotische Organisation und Verschwendung öffentlicher Gelder. Schließlich muss Mailand erst einmal ordentlich für die Verbesserung der Infrastruktur zahlen, bevor die Früchte geerntet werden können.

Alles in allem kein optimaler Start für ein Projekt, das Italien von seiner besten Seite zeigen soll. Das krisengeschüttelte Land erhofft sich nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung: einerseits von den Besuchern, die in die Stadt strömen werden, andererseits von den Investitionen, die für die Expo gemacht werden. Italien sehnt auch ein besseres Image herbei. Das Leitthema „Feeding the Planet, Energy for Life“ (Deutsch: Den Planeten ernähren, Energie für das Leben) ist dabei geschickt gewählt: Welches Land, wenn nicht Italien, steht für gutes Essen und eine gesunde Ernährung?

Fast 150 Nationen stellen ihre Ideen vor, wie die Welt in Zukunft ernährt werden soll, ohne die Umwelt zu zerstören. Der deutsche Pavillon ist dabei einer der größten auf dem Gelände. Fast 50 Millionen Euro lässt sich das die Bundesregierung kosten. Unter dem Motto „Fields of Ideas“ (Felder der Ideen) will sich Deutschland von seiner besten Seite zeigen und neue Ansätze zu nachhaltiger Ernährung vorstellen.

„Die größte Baustelle Europas“

Von den Negativschlagzeilen zur Expo geben sich die deutschen Organisatoren unbeeindruckt. Zwar habe es wegen der Witterung Probleme beim Aufbau gegeben, „mitunter hatte man schon Zweifel, ob das gut geht“, sagte der Generalkommissar des deutschen Pavillons des Bundeswirtschaftsministeriums, Dietmar Schmitz. „Aber mittlerweile sieht es sehr, sehr gut aus.“ Bei Großprojekten dieser Art seien Probleme normal. Das Gelände sei schließlich „die größte Baustelle Europas“.

Zwar muss die Expo nun erstmal am 1. Mai eröffnen. Aber die Fragen drehen sich schon um das Danach. Was wird aus dem Gelände neben der Messe nach der Schau? Andere Expo-Städte, darunter auch Hannover, haben das Problem nicht gelöst. Viele Gebäude gammeln dort seit der Ausstellung im Jahr 2000 vor sich hin. Auch in Mailand gibt es offenbar noch keinen Masterplan. „Es ist ein großes schwarzes Loch, niemand weiß, was mit dem Areal danach geschieht“, sagte der Mailänder Stadtentwicklungs-Professor und Expo-Kritiker Marco Ponti.

Für den deutschen Pavillon gibt es zumindest schon einen Plan: Er wird vollständig abgebaut. Das Mobiliar könnte der Deutschen Schule gestiftet, die Rampe zu der Anlage zu Holzschnitzeln verarbeitet werden, so die Organisatoren.

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