Leben Ludwigs märchenhafte Licht-Show

Die Herrenchiemsee-Festspiele von Enoch zu Guttenberg erinnern an eine der erstaunlichsten Inszenierungen Ludwigs II. von Bayern: die Illumination von Schloss und Park Herrenchiemsee im Spätsommer 1884. Ein Spektakel für das der damalige König - wie so oft - keine Kosten scheute.

Ludwig II. von Bayern war ein durch und durch romantischer Mensch. Doch der „Märchenkönig“ war auch auf der Höhe seiner Zeit. Moderne Technik faszinierte ihn, vor allem dann, wenn er mit ihrer Hilfe seine Träume verwirklichen konnte.

Seit Dienstag erinnern die Herrenchiemsee-Festspiele 2014 (bis 27. Juli) an eine der aberwitzigsten Inszenierungen, die Ludwig je realisieren ließ: die Illumination von Schloss Herrenchiemsee im Jahre 1884, wahrscheinlich die erste „Son et Lumiere“ („Klang und Licht“-Vorführung) der Welt, wie der Historiker Michael Petzet sagt.

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Touristen kennen „Son et Lumiere“ vor allem aus Frankreich. Dort werden historische Gebäude wie die berühmten Loire-Schlösser mit nächtlichen Licht- und Klangeffekten inszeniert und zum Leben erweckt. Die Illumination von Herrenchiemsee war dem ähnlich. Abgesehen von der Tatsache, dass der menschenscheue Monarch neben den Technikern und der Dienerschaft der einzige Zeuge des Spektakels war.

Ludwig habe eines jener prächtigen, abendlichen Hoffeste vorgeschwebt, wie sie Ludwig XIV. – des Bayernkönigs großes Vorbild – im Park von Versailles inszenieren ließ, erläutert Klaus Jörg Schönmetzler, Dramaturg von Enoch zu Guttenbergs Herrenchiemsee-Festspielen.

Ein Güterzug aus Holland brachte Blumen und Rabatten

Nur diesmal nicht mit Pyrotechnik, sondern dem Modernsten, was das späte 19. Jahrhundert zu bieten hatte. Mit der ehrenvollen Aufgabe betraut wurde einer der führenden Elektrotechniker seiner Zeit, Alois Zettler, der bei Thomas Alva Edison in den USA in die Lehre gegangen war. Der hatte erst wenige Jahre zuvor die Glühbirne erfunden.

Zunächst ließ Ludwig II. (1845-1886) die Baustelle seines neuen Schlosses auf der Herreninsel im Chiemsee hinter zwölf Meter hohen Kulissen verschwinden, auf denen eine mit Bäumen durchwachsene Parklandschaft dargestellt war. Ein Güterzug aus Holland brachte Blumen und Rabatten. Dann trat Zettler auf den Plan.


Bildergalerie: Die Aufführungen 2012


Er ließ Masten und Holzgerüste aufstellen, auf denen farbige Scheinwerfer installiert wurden, und ein kilometerlanges Leitungsnetz verlegen. Hinter den Kulissen sollte ein Musik-Ensemble für den passenden Sound sorgen.

Der Cheftechniker des Münchner Hoftheaters, Karl Lautenschläger, hatte eine ausgefeilte Licht- und Klangregie entworfen. „Es konnte auf keine Möglichkeit zur Schaffung künstlerischer Wirkungen verzichtet werden“, schrieb Zettler in seinen Erinnerungen.

Dampfmaschinen für den Strombetrieb

Am schwierigsten war es, den für die Illumination nötigen Strom zu erzeugen. Dafür wurden drei Dampfmaschinen, sogenannte Lokomobile, auf die Insel geschafft. Einer der Kessel wäre fast explodiert und musste von Technikern der Chiemsee-Dampfschifffahrt repariert werden. „Hochkompliziert und nicht ungefährlich“, sagt Schönmetzler. „Die Rolling Stones hätten ihre Freude daran gehabt.“

Schließlich war es soweit. Auf acht Uhr abends war das Spektakel angesetzt, und Zettler hatte ganze Arbeit geleistet. „Alles war in schönster Ordnung. Glücklich blickte ich in die strahlende Helligkeit“, erinnerte sich der geniale Elektrotechniker. Da kam ein Lakai herbeigelaufen. Seine Majestät befehle, das Licht sofort wieder auszuschalten. Erst um Mitternacht gab der König buchstäblich grünes Licht. „Seine Majestät besichtigte alle Lichteffekte eingehend und ließ sich alle Farben mehrmals vorführen.“ Wenig später wurde Zettler, dessen Firma bis heute besteht, von dem begeisterten Monarchen zum „Hofilluminator“ ernannt.

Schönmetzler hält es für „anmaßend“, Ludwigs Gesamtkunstwerk aus Musik, Licht und Bühnenstaffage rekonstruieren zu wollen. Die Dokumentenlage sei zu lückenhaft, die genaue Gestalt und Abfolge der Effekte nicht bekannt. Deshalb reflektieren die Herrenchiemsee-Festspiele das Spektakel mit musikalischen Mitteln, Serenaden, Nachtmusiken, „Lichtmusiken“ der Aufklärung wie Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“ bis zu Mendelssohns „Sommernachtstraum“.

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