Leben Von Schlaf-Fass bis Baumhaus: Camping wird luxuriös

Schlaffässer sollen zahlungskräftige Kundschaft auf die Camping-Plätze locken.

Schlaffässer sollen zahlungskräftige Kundschaft auf die Camping-Plätze locken.© picture alliance / dpa

Camping ist angesagt - das beschert der Branche Rekorde. Um zahlungskräftigere Kunden anzulocken, rüsten Campingplätze auf und bieten Lodge und Chalet statt Zwei-Mann-Zelt.

Camping galt lange Zeit vor allem als Billigurlaub für Spontane. Doch mit Zelt, Isomatte und Gemeinschaftsduschen wollen sich viele Urlauber heute nicht mehr zufriedengeben. Deshalb investieren auch deutsche Platzbetreiber in mehr Komfort: Nicht nur Restaurants, WLAN und moderne Sanitäranlagen gehören auf immer mehr Campingplätzen zur Grundausstattung, sondern auch bequeme Unterkünfte für unterschiedlichste Ansprüche – von der romantischen Berghütte mit Geschirrspüler und Badewanne übers Design-Baumhaus bis hin zur kirgisischen Jurte. Das bringt frischen Wind in die deutsche Camping-Landschaft.

Die Gäste lassen sich solche Spezial-Quartiere einiges kosten, und heizen so den Trend zum Glamour-Camping – kurz „Glamping“ – weiter an. Um die 1000 Euro und mehr beispielsweise müssen Urlauber mancherorts für eine Erlebnis-Woche im Baumhaus berappen – dafür sind in klassischen Ferienregionen schon große Ferienhäuser mit eigenem Pool in Strandnähe zu haben.

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Doch viele gestresste Großstädter sind ohnehin weit gereist und suchen die naturnahe Erholung mit besonderem Flair. Auch steigende Haushaltseinkommen und die gute Konsumlaune lassen die „Glamping“-Nachfrage in Deutschland steigen. „Wir wissen von vielen Anbietern, dass sie in der diesjährigen Hochsaison ausgebucht sind“, sagt Roland Bamberger, Portalmanager der 2014 gestarteten Website glamping.info. Auch Hotelbetreiber sind auf den Zug aufgesprungen und bieten neben Zimmern und Suiten auch ausgefallenere Angebote wie das Wohnen im In- oder Outdoor-Tipi oder im Schäferwagen.

Camping-Urlaub liegt im Trend

Auch generell boomt der Camping-Urlaub mit dem mehr oder weniger festen Dach über dem Kopf: Knapp 28 Millionen Nächte verbrachten Reisende im vergangenen Jahr auf deutschen Campingplätzen, das waren gut 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Zusammen mit den rund 70 Millionen Nächten auf Dauerstandplätzen zählte die Campingwirtschaft fast 100 Millionen Übernachtungen. Mindestens ebenso gute Zahlen erhofft sich die Branche für das laufende Jahr, wie Sarah Lopau vom Deutschen Tourismusverband sagt. „Das Interesse am Camping wächst weiterhin.“ Auch der Handel mit Camping-Ausrüstung ist längst zum Milliarden-Geschäft geworden.

Zu den wichtigen Zielgruppen gehören junge Familien, die ihren Kindern einen unkomplizierten Urlaub mit viel frischer Luft und Bewegungsfreiheit gönnen wollen, Wanderer und Radler sowie Urlauber ab etwa 50 Jahren aufwärts, die schon mit Ferien in Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil aufgewachsen sind. Auch Jugendliche, die ihre Freizeit in der Gruppe verbringen möchten, fühlen sich auf Campingplätzen gut aufgehoben. Die Fraktion der Dauer-Camper mit festem Domizil auf dem Campingplatz dagegen wird kleiner, sagt Lopau: „Ein Generationenwechsel findet nicht statt. Wo keine Nachbelegung möglich ist, schließen touristische Stellplätze die Lücke.“ Das kann auch bedeuten: Mehr Platz für neuartige Unterkünfte, die den Betreibern zusätzliche Einnahmen versprechen.

Profitieren können davon auch Hersteller wie die Firma Scandinavic Wood Art aus dem schleswig-holsteinischen Sterup. Seit rund einem Jahr bietet die Firma neben ihrem klassischen Geschäft mit Sauna- und Grillhütten auch Schlaffässer und Camping-Pods – das sind halbovale Holzhütten mit Inneneinrichtung. Allein aus Bayern, dem Camping-Bundesland Nummer eins in Deutschland, hat der Mittelständler in den vergangenen Monaten zwei größere Aufträge hereinbekommen – darunter einer zur Einrichtung eines ganzen Schlaffass-Dorfes im Bayerischen Wald. Auch andere deutsche Plätze werden künftig nachziehen, ist Abteilungsleiter Jörg Puttins überzeugt: „Das Geschäft geht erst jetzt richtig los.“

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