Leben Milliardär macht’s möglich: Wie der Red Bull-Chef seine Heimat herausputzt

Das neue Fahrerlager und die Boxenanlage des Red-Bull-Rings im Juli 2010. Am Sonntag startet dort das erste Formel 1 Rennen in Österreich seit elf Jahren.

Das neue Fahrerlager und die Boxenanlage des Red-Bull-Rings im Juli 2010. Am Sonntag startet dort das erste Formel 1 Rennen in Österreich seit elf Jahren.© Picasa-User mandi 46 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Am Sonntag startete in Österreich erstmals seit elf Jahren wieder ein Formel-1-Rennen. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat die Rückkehr des Grand Prix in sein Heimatland organisiert - und sich aus diesem Anlass spendabel gezeigt. Der Multi-Milliardär hat der Steiermark für das Ereignis gleich einen ganz neuen Anstrich verpasst.

Sie sind quietschgelb, knallorange oder himmelblau. Viele Häuser rund um Spielberg in der österreichischen Steiermark erstrahlen in neuem Glanz. So unterschiedlich die Farben sind, haben die Gebäude eines gemeinsam: ihren Gönner. Red-Bull-Krösus Dietrich Mateschitz hat seine Heimat aufpoliert. Zur Rückkehr der Formel 1 zum Großen Preis von Österreich soll sie sich von der besten Seite zeigen.

5000 Häuser wurden mit seiner Finanzhilfe frisch angestrichen, bekamen einen neuen Zaun oder neue Pflanzen. „Wir hatten ohnehin eine Renovierung der Fassade geplant, da kam die Aktion wie gerufen“, sagt die 40-jährige Ulrike Penasso. Wer rechtzeitig einen Antrag mit Foto vom Objekt und Kostenvoranschlag stellte, erhielt die Materialkosten ersetzt. Der Ansturm unter den 75.000 Bewohnern der Region war groß.

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Der Anstreicher Hans-Jürgen Seidl hat nicht nur seine Haus-Fassade aufgehübscht, sondern auch Zaun und Gartenmauer in Eigenarbeit errichtet. Die Materialkosten von 4000 Euro zahlte Mateschitz, erzählt Seidl sichtlich glücklich. Auch die aus dem Raum Celle in Niedersachsen stammende Masseurin Claudia Bölsche zeigt voller Stolz das aufgefrischte Heim in himmelblau. „Daran sollten sich andere Reiche ein Beispiel nehmen“, sagt die 44-Jährige.

Der Grand Prix als Wecksignal

Mateschitz ist rund 60 Kilometer vom heutigen Red-Bull-Ring entfernt aufgewachsen. Für die Steiermark schlägt sein Herz, daran hat er nie einen Zweifel gelassen. Der 70-Jährige gilt mit einem Vermögen von rund 6,5 Milliarden Euro als reichster Österreicher und kann sich den zweistelligen Millionenbetrag, den sein „Projekt Werkberg“ kosten dürfte, wohl leisten. Doch die Aktion soll mehr sein als ein farbliches Zwischenhoch. Der Grand Prix soll für die nicht gerade strukturstarke Region ein Wecksignal sein – auf Dauer.

„Grundsätzlich stehen bei allen Projekten, die Herr Mateschitz ins Leben ruft, unterstützt oder betreibt, Sinnhaftigkeit und Langfristigkeit im Mittelpunkt“, lässt die Red-Bull-Pressestelle schriftlich wissen. Aus Sicht der Politik ist das fast schon gelungen. „Das ist eine Mut-Injektion für die gesamte Region“, sagt der Wirtschaftsminister des Bundeslandes, Christian Buchmann (ÖVP).

Rund 400 Vollzeit-Arbeitsplätze seien durch den auf zunächst sieben Jahre angelegten Formel-1-Deal geschaffen worden. Investoren würden jetzt viel leichter Geld in die Hand nehmen, 60 Millionen Euro seien in jüngster Zeit geflossen, rechnet er vor. Am Rennwochenende allein sollen die 200.000 erwarteten Motorsportfans 34 Millionen Euro unter anderem in die Kassen von Hotels und Gaststätten spülen.

Außerdem lässt Mateschitz 500 Mountainbikes und 500 Citybikes springen, damit Formel-1-Fans abgasfrei die letzten Kilometer zur Strecke zurücklegen können. „Die bleiben später bei den Hotels und Gemeinden“, sagt der Bürgermeister von Zeltweg, Hermann Dullnig (SPÖ), zufrieden mit dem Umwelt-Plus.

Strecke stand aus Umweltgründen auf der Kippe

„Die Region ist ausgebucht“, erzählt Dullnig weiter. In seiner Gemeinde steht der Flugplatz, der 1964 den ersten Formel-1-Weltmeisterschaftslauf in Österreich erlebte. Der 4,3 Kilometer lange Red-Bull-Ring liegt in den Hügeln oberhalb des Flugplatzes. Die neue Strecke stand lange wegen Einsprüchen von Anwohnern und aus Umweltgründen auf der Kippe. Aktuell halten zehn Anwohner die Umweltverträglichkeitsprüfung für unzureichend. Ihr Anwalt hat laut ORF Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht, über die im Herbst entschieden werden soll.

Dieser Protest ist eine sehr leise Stimme. Viele Bürger scheinen die im Vergleich zu ursprünglichen Plänen nun kleinere Strecke als Segen zu sehen. Laut Umfrage glauben 92 Prozent der Österreicher, dass sich das weltweite Ansehen der Alpenrepublik durch das Rennen verbessert.

1 Kommentar
  • Udo Kummer 21. Juni 2014 08:27

    „…Niedersachsen stammende Masseurin Claudia Bölsche zeigt voller Stolz das aufgefrischte Heim in himmelblau. “Daran sollten sich andere Reiche ein Beispiel nehmen”, sagt die 44-Jährige.“
    Wie peinlich ist das denn? Der typische deutsche Neidmichel! Ndichts leisten um en eigenen Krempel in Ordnung zu bringen und dann solche flachen Äußerungen? Was sind wir für ein ärmliches Volk geworden!

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