Leben Mitfahren erwünscht

Das Auto als Statussymbol könnte bald der Vergangenheit angehören. Die Shared Mobility revolutioniert das Transportwesen.

Das Auto als Statussymbol könnte bald der Vergangenheit angehören. Die Shared Mobility revolutioniert das Transportwesen.© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Eigenes Auto? Nein, danke! Neben Carsharing werden Mitfahrportale stetig beliebter. Es ist vor allem die Digitalisierung, die den neuen Geschäftsmodellen auf die Sprünge helfen soll. Der Wandel in der Mobilitätsbranche hat gerade erst begonnen. Gerade Berufspendler können von der Vernetzung profitieren.

Geteilte Autos, Mitfahrgelegenheiten, Taxi-Apps oder Fernbusse: Das Internet und vor allem mobile Zugänge über Smartphones verändern die Mobilität und werden nach Einschätzung von Experten nicht zuletzt die Autobranche vor ganz neue Herausforderungen stellen. Für Dienstleister wird es komplizierter, für den Kunden vermutlich einfacher. Das war vor Jahren noch anders: Wer nicht selbst fahren wollte, nahm den Bus oder die Bahn oder ein Taxi.

Doch Mobilität war eine Dienstleistung, die abseits vom eigenen Auto häufig weder besonders flexibel, noch überall verfügbar und nicht selten teuer war. Alternativen zur individuellen Mobilität hatten über Jahre einen schweren Stand im Autoland Deutschland. Das eigene Auto war über lange Zeit ein wichtiges Statussymbol. Doch die Zeiten ändern sich. Der ADAC etwa hat bereits seit einem halben Jahrzehnt einen Mitfahrclub im Angebot – und baut diesen Service nun um.

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Nachdem der bisherige Kooperationspartner des Clubs Gebühren für die Vermittlung von Fahrten nahm, setzt der ADAC nun auf einen neuen Partner, um das Angebot wieder komplett kostenfrei zu gestalten, sagt ADAC-Touring-Geschäftsführer Siegfried Gehlert. Der Seitenbetreiber verdient sein Geld mit Werbung, der ADAC bekommt nichts. „Im Gegenteil, wir investieren da Geld“, sagte Gehlert. Nutzen können den Club auch Nicht-Mitglieder. Den Fahrpreis bekommt direkt der Fahrer.

Digitalisierung revolutioniert das Transportwesen

Auch deswegen waren Mitfahrzentralen lange Zeit eher etwas für klamme Studenten. Auch das Carsharing fristete ein Nischendasein in der Öko-Ecke. Das alles gilt nur noch bedingt. Die Digitalisierung, das Internet und vor allem mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets revolutionieren auch das Transportwesen. „Da verändert sich eine Menge und es wird sich noch eine Menge verändern“, sagt Gehlert. Der Grund ist simpel: Die Technik vereinfacht die Organisation.

„Die Shared Mobility wird sich in Zukunft schnell weiterentwickeln, weil Informations-, Buchungs- und Bezahlprozesse über das Netz noch schneller und einfacher werden“, heißt es in einer Studie von Roland Berger über die geteilte Mobilitität, die Shared Mobility. Die Unternehmensberatung geht davon aus, dass der Markt der Anbieter von Carsharing oder Mitfahrdiensten pro Jahr um bis zu 35 Prozent wachsen wird.

Während viele Dienste sich auf dem platten Land schwertun werden, dürfte sich der Verkehr in den oftmals bereits überlasteten Großstädten gründlich verändern. „Der Mobilitätssektor gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen dieser neuen Art von Ökonomie“, sagt Roland-Berger-Partner Tobias Schönberg in der Studie.

Berufspendler profitieren von der „Shared Mobility“

Das liegt auch an einem Wertewandel. „Zum Einen entsteht eine neue Konsumkultur: Immer mehr Verbraucher wollen ein Produkt oft nicht mehr besitzen, sondern nur noch nutzen und mit anderen teilen“, heißt es in der Untersuchung. Ein Trend, auf den auch Autohersteller reagieren: So bieten etwa BMW, Daimler oder VW inzwischen eigene Carsharing-Modelle an – Tendenz steigend.

Der Markt allein für das Carsharing werde bis 2020 auf einen weltweiten Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro anwachsen, rechnet Roland Berger vor. Das werde viele neue Anbieter locken. Ein ähnliches Wachstum erwarten sich die Berater auch für Mitfahrdienste, darunter auch Taxi-Rivalen wie Uber, aber auch für den Fahrradverleih oder geteilte Parkplätze.

Richtig spannend werde es, wenn es gelingt, alle Verkehrsträger zu vernetzen, sagt auch ADAC-Mann Gehlert. Und dabei geht es längst nicht nur um lange Strecken. „Es gibt noch immer viele Berufspendler, die alleine mit ihrem Auto in die Großstadt fahren“, sagte Gehlert. Zwar gibt es Modellprojekte, um Fahrgemeinschaften zu bilden. Doch richtig Schub könnte die zunehmende Vernetzung bringen.

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