Leben „Montecristo“: Die Wirtschaftskrise als Krimi

Zürich ist der Schauplatz des neuen Krimis von Martin Suter.

Zürich ist der Schauplatz des neuen Krimis von Martin Suter.© Roger Schüeber/Flickr/CC BY 2.0

Tatort Zürich. Selbst vor Mord schrecken Banker nicht zurück, um einen gigantischen Skandal zu vertuschen. Bestsellerautor Martin Suter hat die Finanzkrise zu einem packenden Thriller verarbeitet.

„Da gibt es auch wieder ein paar Böse.“ Viel mehr hatte Martin Suter zunächst nicht verraten, als Reporter sich nach der Arbeit an seinem neuen Roman erkundigten. Nun liegt er vor und es zeigt sich: Das war durchaus eine Untertreibung. In „Montecristo“ gibt es etliche ebenso aalglatte wie skrupellose Mieslinge.

Anders wäre es vielleicht kaum gegangen. Schließlich recherchiert der Schweizer Bestsellerautor gründlich und schreibt – bei aller Fantasie – wirklichkeitsnah. Sein neuester Streich ist ein Thriller aus der Welt der Banker, Börsianer und Politiker. Und dass es da kaum „Gute“ gibt, glauben seit dem Ausbruch der Finanzkrise bekanntlich viele Menschen.

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Die Geldmetropole Zürich ist Schauplatz eines gigantischen Skandals. Er könnte die globale Wirtschaft in den Abgrund reißen. „Wir hätten es mit einer Weltwirtschaftskrise zu tun, wie sie der Planet noch nie gesehen hat“, lässt Suter den Chef der Eidgenössischen Finanzverwaltung sagen. „Arbeitslosigkeit, Nahrungskrisen, Hungersnöte, Krieg.“

Im Sumpf der Finanzbranche

Wäre da nicht eine elitäre Geheimgesellschaft, der sogar Beamte und Regierungsmitglieder angehören. Und der jedes Mittel recht ist, die Sache zu vertuschen. Mord inklusive. Hollywood käme bei einem solchen Stoff kaum ohne einen am Ende doch noch triumphierenden Gutmenschen aus. Bei Suter, dem meistgelesenen und am häufigsten verfilmten Autor der Schweiz („Der Koch“), siegt hingegen der Zynismus.

Von der Schweizerischen Nationalbank über Amerikas Fed bis hin zum Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank – alle scheinen zu wissen, dass das globale Finanzsystem nichts weiter als eine „große Seifenblase“ ist. „Und wir werden uns darin so behutsam wie möglich bewegen, denn niemand will, dass sie platzt“, so der oberste Finanzbeamte eben jener Alpenrepublik, wo Banker jahrelang keine Skrupel hatten, Schwarzgeldmilliarden aus aller Welt profitträchtig zu verwalten.

Suters Romanheld, der Video-Journalist Jonas Brand, bekommt die Chance, die größte Schweinerei in der Finanzbranche seit dem Lehman-Brother-Skandal aufzudecken. Durch einen Zufall flattern ihm zwei 100-Franken-Noten mit exakt derselben Seriennummer zu. Natürlich glaubt er, eine davon müsse eine Fälschung sein. Doch beide erweisen sich als so echt wie das einzigartige Matterhorn.

Lebensgefährliche Suche nach der Wahrheit

Und es hat viele solcher „Doppelnummern“ gegeben, Milliarden im Nennwert. Doch warum? Und was hat der angebliche Freitod eines Schweizer Investmentbankers damit zu tun? Der Mann war aus einem Zug gestürzt, in dem zufällig auch Brand mit seiner Kameraausrüstung saß.

Schon bald muss der Video-Reporter erkennen, dass die Suche nach der Wahrheit für ihn lebensgefährlich ist. So lebensgefährlich wie es ein „Bankrun“ – ein Schaltersturm von Kunden, die aus Angst um das Ersparte ihre Konten leerräumen – für jedes Geldhaus der Welt wäre.

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