Leben Opel verlässt Bochum: Ein schwerer Schlag für die Region

Das Opel-Werk in Bochum: Am 12. Dezember ist für die meisten Mitarbeiter dort Schluss.

Das Opel-Werk in Bochum: Am 12. Dezember ist für die meisten Mitarbeiter dort Schluss. © picture alliance / blickwinkel

Mit dem Opel-Werk in Bochum schließt eine der großen Autofabriken Deutschlands. Für die Region ist das ein schwerer Schlag, der noch Jahre nachwirken wird. Rund 2700 Menschen landen mit mäßigen Aussichten in einer Transfergesellschaft. Dabei war das Werk einst ein Vorzeigeprojekt im Ruhrgebiet.

20.000 Menschen haben einst in Bochum Opel-Fahrzeuge montiert. Kadett und Manta, Astra und später der Familienwagen Zafira. Kommenden Freitag (5.12.) stellt das Werk nach 52 Jahren die Serienfertigung ein – ohne öffentliche Abschiedsveranstaltung außerhalb des Werks, aber mit viel Emotion drinnen. „Viele haben noch keinen neuen Job. Das drückt, das kannst Du in Scheiben schneiden“, sagt ein Mitarbeiter.

Für eine interne Jubilarveranstaltung für altgediente Mitarbeiter (6.12.) mit rund 1000 Teilnehmern laufen die Vorbereitungen und eine letzte Betriebsversammlung im Werk (8.12.) ist geplant. Am 12.12. geben die meisten Opelaner dann Werkskleidung und Ausweis ab, berichtet der Betriebsrat.

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Die Bochumer Opelaner sind im Schnitt 50 Jahre alt und über 20 Jahre am Band oder im Betrieb. Ihre Vermittlungschancen auf einem Ruhr-Arbeitsmarkt mit ohnehin überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit sehen Fachleute trotz guter Ausbildung und zweijähriger Transfergesellschaft mit großer Skepsis. „Da ist viel Hilflosigkeit, es gibt keine Ersatzbeschäftigung“, sagt Betriebsratschef Rainer Einenkel.

Einst Vorzeigeprojekt an der Ruhr

700 Arbeitsplätze bleiben – garantiert zunächst bis 2020 – in Bochum im zentralen Ersatzteillager des Opelkonzerns. Das Lager läuft aber nicht mehr unter dem Opel-Logo, sondern wird vom Opel-Partnerunternehmen Neovia betrieben. Rund 2700 Menschen landen in der Transfergesellschaft.

Mit der Werksschließung endet ein einstiges Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr. Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Es beschäftigte nach der Eröffnung 1962 aus dem Stand rund 10.000 Menschen – viele davon arbeitslos gewordene Kumpel.

Mit erfolgreichen Automodellen wie Kadett und Manta wuchs die Mitarbeiterzahl schnell auf rund 20 000. Qualitätsmängel, Fehler in der Modellpolitik und die immer schärfere Konkurrenz ließen seit den 90er Jahren aber den Opel-Marktanteil in Deutschland und damit die Bochumer Beschäftigtenzahlen zusammenschmelzen.

Überlebenskampf seit 2004

Spätestens seit 2004, als Opel die Motorenproduktion in Bochum beendete, begann in dem Ruhrgebietswerk der Überlebenskampf. Die Mitarbeiterzahl lag damals wieder bei den rund 10.000 vom Beginn und schrumpfte weiter. 2009 entging Opel nur um ein Haar der Insolvenz. Damals ahnten wohl viele, dass das Bochumer Werk keine Zukunft mehr haben würde.

„Opel musste wegen der Überkapazitäten auch nach der Schließung von Antwerpen 2010 noch ein Werk in Europa herausnehmen“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Das ebenfalls bedrohte britische Werk Ellesmere Port habe dann geschickter verhandelt als Bochum – die Entscheidung fiel gegen das Ruhrgebiet. Ein Sanierungstarifvertrag sollte die Schließung der Bochumer Produktion mit – aus heutiger Sicht – relativ großzügigen Angeboten abfedern, aber die Bochumer Beschäftigten trauten ihrer Konzernführung nicht. Sie lehnten den Vertrag als einziges deutsches Werk im Frühjahr 2013 mit großer Mehrheit ab.

Die Werksschließung konnten sie damit nicht verhindern. Rund 550 Millionen Euro zahlt der Autokonzern nach Gewerkschaftsangaben nun für die Jobbörse und Abfindungen in Bochum. Im Schnitt bekommt jeder Mitarbeiter nach Gewerkschaftsberechnung rund 125.000 Euro, die aber versteuert werden müssen.

Paketzentrum statt Autoproduktion

Wenn die Autoproduktion endet, soll das riesige Werksgelände in innenstadtnaher Lage nicht zur Industrieruine werden wie so viele andere Anlagen an der Ruhr. Die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft „Perspektive 2022“, an der die Stadt und Opel beteiligt sind, will rund 70 Hektar Werksgelände aufbereiten und neuen Investoren anbieten. Dafür seien zunächst acht Jahre und 50 Millionen Euro Entwicklungskosten einkalkuliert, sagt „Perspektive“-Geschäftsführer Rolf Heyer.

Vieles wird abgerissen. Die Arbeitsplätze der Zukunft entstünden danach nicht mehr in einem großen, sondern in einer bunten Palette von 50, 70 oder 100 kleineren Unternehmen, sagt Heyer. Geworben werde vor allem um Gewerbebetriebe mit Metallbezug, aber auch IT-Firmen seien denkbar. Die Post hat bereits angekündigt, 2016 ein Paketzentrum mit bis zu 600 Tarifarbeitsplätzen zu errichten.

Ein Zeugnis der einst blühenden Autofabrik könnte dauerhaft stehenbleiben: Das tausendfach fotografierte Bochumer Opel-Verwaltungsgebäude am Werk I mit dem gewaltigen Opel-Schriftzug auf dem Dach ist vor kurzem vom zuständigen Landschaftsverband vorläufig unter Denkmalschutz gestellt worden.

Geschichte des Opel-Werks in Bochum:

1962: Das Werk entsteht in nur zwei Jahren auf einem ehemaligen Zechengelände. Das erste Auto rollt vom Band, ein Kadett A, und im Werk arbeiten rund 10 000 Beschäftigte, viele kommen aus dem Bergbau.

1967: Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band gehen.

1979: Mehr als 20 000 Menschen arbeiten im Bochumer Opel-Werk. Verschiedene Modelle aus der Serie Kadett werden bis 1991 produziert.

1991: Der Astra wird in die Produktionslinie aufgenommen, bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira -der erste Familienvan auf dem deutschen Automarkt.

2004: Opel stellt in Bochum die Motorenproduktion ein und beschäftigt an diesem Standort noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2012: In Bochum feiert Opel Jubiläum. Das Werk besteht seit 50 Jahren. Rund 13,5 Millionen Autos wurden gebaut. Das Werk beschäftigt noch rund 3700 Menschen.

2013: IG Metall und Opel-Management einigen sich auf einen Tarifvertrag zum Ende der Bochumer Autoproduktion im Jahr 2016. Die Bochumer Belegschaft lehnt aber mehrheitlich ab.

2013: Der Opel-Aufsichtsrat beschließt im April, die Fahrzeugproduktion in Bochum schon Ende 2014 einzustellen.

2014: Das Opel-Werk wird im Dezember geschlossen.

1 Kommentar
  • Name Krell,Heinz-Ulrich 26. November 2014 14:15

    Opel Bericht
    Für einen Bochumer Bürger geht ein Stück Autogeschichte zu Ende.Ich war selbst Anfang der
    70iger Jahre Kadett und Mantafahrer mit voller Überzeugung. Es ist traurig für das Bochumer Opelwerk und für die ganze Region, aber es war auch ein Sterben mit Ansage.

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