Leben Organisatorische Herausforderung: Wie die „Bauhaustreppe“ von New York nach Stuttgart kam

Ein Ausschnitt aus Oskar Schlemmers Werk "Bauhaustreppe" (1932).

Ein Ausschnitt aus Oskar Schlemmers Werk "Bauhaustreppe" (1932).© Digital Image, The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence

Sie ist das Highlight der Oskar-Schlemmer-Schau in Stuttgart: die "Bauhaustreppe" des Künstlers aus dem MoMA in New York. Mit viel Aufwand wurde sie in die Heimat des Bauhaus-Stars geholt.

Es gibt Gemälde, ohne die eine Werkschau eines Künstlers gar nicht denkbar ist. Nicht selten investieren Museen jede Menge Kraft und ungenannte Summen, um Jahrhundertwerke für Ausstellungen ausleihen zu können. Die Staatsgalerie Stuttgart etwa kämpfte um Oskar Schlemmers „Bauhaustreppe“. Das Gemälde aus dem New Yorker Museum of Modern Art wird vom 21. November an in der Großen Landesausstellung „Oskar Schlemmer – Visionen einer neuen Welt“ zu sehen sein.

Man habe das Gemälde „eigentlich schon immer“ für eine Ausstellung in die Staatsgalerie holen wollen, berichtet Ulrike Günther, Registrarin der Staatsgalerie. Schlemmer selbst habe die „Bauhaustreppe“ für sein „vielleicht bestes Bild“ gehalten, sagt Kuratorin Ina Conzen.

Anzeige

DIE IDEE: Seit gut drei Jahren arbeitet die Staatsgalerie an der Idee für die große Schlemmer-Ausstellung. Mit dem Auslaufen der Urheberrechte 70 Jahre nach dem Tod des Bauhaus-Stars und jahrzehntelangen juristischen Scharmützeln um sein Erbe wurde der Weg frei für die erste große Werkschau in Deutschland seit fast 40 Jahren. Dass da die „Bauhaustreppe“ nicht fehlen darf, sei eigentlich keine Frage gewesen, sagt Registrarin Karin Hämmerling.

DIE ABSAGE: Die Staatsgalerie Stuttgart hat zwar einen guten Namen in der Szene, dennoch gab es vom Museum of Modern Art (MoMA) für die „Bauhaustreppe“ zunächst nur deutliche Absagen. „Keine Chance“ habe man gehabt, trotz mehrfacher Anfrage, erzählt Hämmerling. Mit Deutschland hatte das New Yorker Museum schlechte Erfahrungen gemacht: Nach einer Ausleihe nach Berlin wäre das Bild im Jahr 2000 um ein Haar nicht zurückgekehrt. Schlemmers Erben erwirkten eine einstweilige Verfügung. Als das Werk beschlagnahmt werden sollte, war es aber schon auf dem Rückweg. Die Erben zweifelten die Rechtmäßigkeit eines Verkaufs in den 30er Jahren an.

DIE PLANUNG: Vor zweieinhalb Jahren gingen die ersten Leihgesuche für die geplante Ausstellung raus, berichten die Macher. Detailliert ist da schon aufgelistet, wie sich die Staatsgalerie den Transport der Gemälde oder Skulpturen vorstellt, wie das jeweilige Meisterwerk behandelt wird, wer es auf der Reise in die Hände bekommen soll. Großer Vorteil für die Staatsgalerie: Für solche Ausleihen gibt es eine Landeshaftung. Heißt: Geht bis zur Rückgabe etwas schief, tritt das Land Baden-Württemberg ein.

DER VERTRAG: Vor zwei Monaten kam dann doch die Zusage. „Wir haben hier Luftsprünge gemacht“, so Hämmerling. „Das ist ja schon eine Sensation.“ Verträge für rund 90 Prozent der Ausstellung waren zu dieser Zeit schon fix vereinbart. Generell sei das ganze aber immer ein zähes Geschäft. „Das ist ein Trend: Die Museen leihen ungern aus“, berichtet Günther. Schließlich sei der Transport immer eine Belastung für ein Kunstwerk. Selbst, wenn es behandelt werde wie rohes Ei. Die verschiedenen Verträge, die dann nach etlichen Telefonaten für die Ausleihe, diverse Versicherungen und den Transport abgeschlossen wurden, füllen in der Staatsgalerie einen Aktenordner.

DER TRANSPORT: Eine Woche brauche er für die Organisation eines solchen Transports, sagte Reiner Rupsch, Kunstexperte der Kölner Spedition Hasenkamp. „Aber nur, wenn Geld keine Rolle spielt.“ Sonst zwei und mehr. Er suchte den „passenden Agenten“ in New York, dieser wiederum organisierte den Bau der maßgeschneiderten Klimakiste. Auch das Flugticket für den Kurier des MoMA muss organisiert werden. Solche Kuriere lassen ihre Werk beim Transport quasi nicht aus den Augen. Sie sind beim Verpacken dabei, auf den Flughäfen, beim Auspacken und Aufhängen. Bei Kunstwerken wie der „Bauhaustreppe“ fahren sie sogar im Lastwagen mit vom Flughafen zum Zielmuseum. Hasenkamp überwacht seine Wagen mit GPS.

DIE KOSTEN: Was das Ganze kostet, bleibt im Nebel. Summen wolle man nicht nennen, heißt es bei der Staatsgalerie. Nur soviel: Der Gesamtetat der Oskar-Schlemmer-Schau liegt bei 1,2 Millionen Euro, das Land steuert nach eigenen Angaben 775.000 Euro bei.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.