Palma de Mallorca Die kulinarischen Oasen der Inselhauptstadt

In den Markthallen Palmas gibt es neben spanischen und mallorquinischen Spezialitäten auch Gerichte aus der ganzen Welt.

In den Markthallen Palmas gibt es neben spanischen und mallorquinischen Spezialitäten auch Gerichte aus der ganzen Welt.© Frank Rumpf / dpa

Mallorca hat kulinarisch weit mehr zu bieten als Touristenrestaurants und All-inclusive-Buffets. Wohin Feinschmecker gehen sollten, die günstige Speisen in hoher Qualität suchen.

Auf Mallorca kennen viele Urlauber nur die All-inclusive-Buffets der Hotels und die Einheitsküche der Touristenrestaurants. Das muss nicht sein. Zwei kulinarische Oasen der Inselhauptstadt Palma bieten Abwechslung: die Markthalle an der Plaça de l’Olivar, nur wenige Schritte von der Plaça d’Espanya entfernt, wo der alte Zug nach Sóller abfährt, und ihre kleinere Schwester im ehemaligen Fischerviertel Santa Catalina. Beide bieten an Dutzenden von Imbissständen einheimische und internationale Speisen zu günstigen Preisen und von hervorragender Qualität.

Die Hallen sind keine Touristenangelegenheit. Im Gegenteil, immer noch erledigen hier vor allem die Einheimischen an sechs Tagen der Woche ihren Einkauf. Stände mit Fleisch, Wurst und Bergen an Obst und Gemüse flankieren die Gänge. Für Fisch und Meeresfrüchte gibt es im Mercat de l’Olivar eine eigene Halle. Bäckereien, Süßwarenhändler und Blumenläden sind ebenfalls vertreten – und seit einigen Jahren immer mehr Bars und Imbisstheken. Was einst als kleine Rast während des Einkaufsbummels gedacht war, hat sich zu einem umfangreichen gastronomischen Angebot entwickelt, für das Palmeser in die Halle kommen, auch wenn gar nichts auf ihrem Einkaufszettel steht.

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Tapas-Freunde fühlen sich wie im Paradies: Hier Garnelenspieße und Baby-Calamari in Öl oder frittiert, „Chipirones“ genannt, dort Ibérico-Schinken von gewaltigen Keulen, hauchdünn geschnitten, gebratene Chilischoten und Fleischbällchen in Tomatensoße.

Mallorquinische Spezialitäten und Gerichte aus aller Welt

Diese Fundamente der spanischen Snackküche werden erweitert durch mallorquinische Favoriten wie gefüllte Teigtaschen, Saubohnen mit Speck oder Brot mit Sobrasada, einer pikanten Streichwurst aus Schweinefleisch. Die Inselküche ist bodenständig und deftig, man merkt noch die bäuerliche Prägung. Falls sie an warmen Tagen zu gehaltvoll ist, kann man sich an einheimischem Käse, Oliven, Tomaten und Artischocken laben.

Über den Inselrand wird auch geblickt. Der Stand „Ostras“ im Mercat de l’Olivar ist auf Austern aus aller Welt spezialisiert, zum Tagesangebot gehören Kabeljauvariationen oder Jakobsmuscheln. An eine fernöstlich-mediterrane Symbiose kann man sich bei „Yosushi“ wagen: Sushi und Sashimi nach japanischer Art kombiniert mit leichten Weiß- und Roséweinen aus den Bodegas der Insel. Wer bisher dachte, nur Bier oder Grüntee passe zu den Rohfischhappen, wird eines Besseren belehrt. Den scharfen grünen Meerrettich sollte man aber zugunsten der Weine weglassen.

Seit 1951 gibt es den Mercat de l’Olivar als Füllhorn Palmas. Er ist die größte Markthalle der Stadt, nutzungsorientiert gebaut mit Rolltreppen und gefliesten Gängen über zwei Etagen. Der kleinere Markt von Santa Catalina existiert sogar schon seit 1905. Ihm sieht man das Alter jedoch nicht an, da seine eingeschossige Unterkunft regelmäßig renoviert und umgebaut wurde. Sie hat nicht mehr Charme als jede andere Großmarkthalle.

Das alte Fischerviertel Santa Catalina

Dafür ist die Nachbarschaft attraktiv. Santa Catalina liegt im westlichen Teil Palmas außerhalb der alten Stadtmauer, zehn Minuten zu Fuß von der Einkaufsstraße Jaume III. und dem Passeig de Mallorca entfernt. Früher wohnten hier die Fischer und Kapitäne. Das Viertel wurde nicht von Palma, sondern von Andratx aus verwaltet.

Heute sind die Jungen und Coolen in die zwei- bis dreistöckigen Häuser aus der vorletzten Jahrhundertwende gezogen. Viele Bars, Restaurants und kleine Geschäfte haben sich niedergelassen. Einige hübsche Jugendstilfassaden sind zu sehen, andere Stadthäuser erinnern mit ihren verwitterten Pastellfarben und französischen Balkonen an Kubas Hauptstadt Havanna. Auf der Anhöhe über dem Hafen stehen alte Windmühlen aus der Zeit, als die Bäcker ihr Mehl noch selbst mahlten. In den Höfen hängen die Bäume voller Mandarinen oder Zitronen.

Der Mercat Santa Catalina ist zwar kleiner als der Platzhirsch in der Innenstadt, mit mehr als 50 Ständen findet man aber alles, was man braucht. Außerdem punktet der Markt durch eine familiäre Atmosphäre. Am Ende jeden Ganges wartet eine Bar, auf halbem Weg dazwischen als Etappenhalt noch eine zweite. Kaffee, Wein oder Bier werden ausgeschenkt, am Freitag oder Samstag wird zur Feier des Wochenendes gern auch ein Glas Cava oder Sherry getrunken.

Die beliebtesten Bars des Mercat Santa Catalina

Die älteste Bar ist „Joan Frau“. Ihr Erfolgsrezept über fünf Jahrzehnte: vorzügliche Tapas für wenig Geld. In der Mittagspause steht an der Theke der Straßenbauarbeiter mit seinem Kollegen neben der schick frisierten Mallorquinerin mit Schoßhund und dem Touristenpaar aus Deutschland. Im Innern der Bar gibt es vier Tische. Wer dort sitzt, hat direkten Zugriff auf die bienenfleißigen Chefkellner Pedro, Biel und Mario.

Beliebt ist auch das „Xitón Palma“ mit Tapas zum Mitnehmen. „Món de Sushi“ ist mit einer Thekenlänge von gerade einmal 1,50 Meter der kleinste Imbissstand der Halle, aber das Angebot ist groß und vielfältig. Die „Bar des Mercat“ ist der Geheimtipp unter den Freunden von Suppen und belegten Broten, außerdem kann man sich gegen ein kleines Entgelt die eben erworbenen Fleisch- oder Fischwaren zum sofortigen Verzehr grillen lassen. Auch eine Austernbar ist mit dem „Ca S’Ostra“ verfügbar. Und sollten demnächst die Chinesen Mallorca als neue Lieblingsinsel entdecken: Vorzügliche Dim Sum, die Tapas der kantonesischen Küche, sind schon längst da, es gibt sie bei „Arume“.

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