Leben Pilotenstreik: Lufthansa streicht 3800 Flüge

Ein A320 der Lufthansa

Ein A320 der Lufthansa© Ingrid Friedl/Lufthansa

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa hat massive Auswirkungen: Von Mittwoch bis Freitag stellt die Airline ihren Betrieb weitgehend ein. 3800 Flüge hat das Unternehmen schon gestrichen, 425.000 Passagiere sind betroffen.

Wegen der Streikdrohung ihrer Piloten stellt die Lufthansa ihren Flugbetrieb ab Mittwoch für drei Tage weitgehend ein. Gut 3800 Flüge werden gestrichen, rund 425.000 Fluggäste seien betroffen, teilte die Airline mit. In den drei Tagen von Mittwoch bis Freitag sollen nur rund 500 Flüge auf kurzen und mittleren Strecken verkehren. Betroffen sind die Gesellschaften Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Die Airline bietet ihren Passagieren Umbuchungen auf andere Termine, die Bahn und andere Fluggesellschaften an. Die Passagiere werden zudem gebeten, sich auf der Internet-Seite zu informieren.

Aus Sicht der Lufthansa ist der Pilotenstreik nicht mehr abzuwenden. „Ich glaub‘ nicht, dass wir jetzt vor dem Streik noch eine Einigung finden werden“, sagte Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Ohnehin sei der Schaden für das Unternehmen bereits eingetreten. Ein so kompliziertes Netzwerk mit so vielen Flügen könne man nicht innerhalb eines Tages „hoch- und runterfahren“. Schädler äußerte sich zuversichtlich, dass der Flugbetrieb der Lufthansa von Samstag an wieder im vollen Umfang aufgenommen werden könne.

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In einer Urabstimmung hatten die rund 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf gestimmt. Nach Angaben der Vereinigung Cockpit soll der Arbeitskampf am 2. April um 00.00 Uhr beginnen und bis Freitagnacht (23.59 Uhr) dauern. Der Streik träfe damit die Osterferien in Niedersachsen und Bremen, die am Donnerstag beginnen. Weitere Streiks bis zum Ende der Osterferien seien nach derzeitigem Stand dann aber ausgeschlossen, hieß es. Die letzten Osterferien enden in diesem Jahr am 2. Mai in Thüringen und in Schleswig-Holstein.

Knackpunkt im Tarifstreit: die Übergangsrenten

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens bezeichnete es als schwer nachvollziehbar, dass die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit beim gegenwärtigen Verhandlungsstand zu einem dreitägigen Vollstreik aufrufe. Der Gesellschaft werde ein Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe entstehen.

Trotz mehrerer Treffen hatte es nach Angaben der Gewerkschaft keine Annäherung im Tarifkonflikt gegeben. Knackpunkt sind demnach die von der Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichen. Bei den Übergangsrenten will die Lufthansa das frühstmögliche individuelle Ausscheidealter mittelfristig von derzeit 55 Jahren auf 60 Jahre hochsetzen. Diese Grenze gilt bereits heute für Piloten der Germanwings und der Lufthansa Cargo. Zudem müssten die ausscheidenden Piloten im Schnitt künftig 61 Jahre alt sein statt bislang durchschnittlich 58 Jahre.

Weiterer Streitpunkt sind die Gehälter: Lufthansa hat den rund 5400 Piloten für den Vierjahreszeitraum 2012 bis 2015 eine Erhöhung der Bezüge um 5,2 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 2000 Euro angeboten. Die Tariferhöhung soll in zwei Stufen ab Beginn dieses Jahres greifen. Die VC hat rund 10 Prozent auf zwei Jahre verlangt.

 
Weitere Informationen zu den Auswirkungen der Streiks und was betroffene Passagiere beachten müssen, hat die Lufthansa auf ihrer Webseite zusammengestellt. Eine Übersicht über die gestrichenen Flüge finden Sie hier.

 
 

Bestverdiener im Cockpit:

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten der Republik. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, zum guten Teil selbstbezahlten Flugschule mit einem jährlichen Grundgehalt von 55.500 Euro ein.

Nahezu jedes Jahr folgt die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das dann mehr als 255.000 Euro brutto im Jahr werden. In der aufgekündigten Übergangsversorgung erhält ein Ex-Kapitän bis zur gesetzlichen Rente in der Regel bislang 124.000 Euro. Als Rentner sind dann 54.000 Euro Betriebsrente und rund 23.000 Euro gesetzliche Rente drin.

Laut Lufthansa entsprechen die Gehälter in etwa denen anderer europäischer Ex-Staatsfluglinien. Deutlich weniger verdienen die Flugzeugführer in den USA, bei Low-Cost-Carriern oder zwischengeschalteten Dienstleistern.

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