Reisekoffer Worauf es beim Kofferkauf ankommt

Viele Koffer sehen unscheinbar aus - Stärken und Schwächen beim Material zeigen sich oft erst im Detail. Über das richtige Material entscheidet die Reiseart.

Viele Koffer sehen unscheinbar aus - Stärken und Schwächen beim Material zeigen sich oft erst im Detail. Über das richtige Material entscheidet die Reiseart.© Tobias Hase

Rollen, Reißverschlüsse, Teleskopstangen: Viele Koffer haben die gleichen Mängel. Egal ob Sie mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reisen: mit den folgenden Tipps finden Sie Ihren idealen Koffer.

Er soll praktisch, leicht und gleichzeitig robust sein, im besten Fall geht er mit durchs Leben: der Reisekoffer. Doch wirft man am Flughafen einen Blick auf die Gepäckbänder, fallen einem schnell große Unterschiede auf: Da gibt es die schicken Topmodelle, ab 500 Euro aufwärts, und die schwarzen Stoffquadrate vom Discounter. Was macht einen guten Koffer aus?

Qualität und Material

Ob die Qualität stimmt, lässt sich am besten im Geschäft feststellen. Dort kann man das Material fühlen und die Stabilität begutachten. Und das macht viel aus. Am Anfang der Kaufentscheidung steht die Frage: Hartschale aus Polycarbonat oder Weichschale aus Polyester oder Nylon? „Mittlerweile unterscheiden sich die Arten kaum in Gewicht und Preis“, weiß Benjamin Schardt von der Ratgeber-Webseite Reisekoffer-test.info und quasi-professioneller Koffer-Tester.

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Aus welchem Material der Koffer sein sollte, darüber entscheidet die bevorzugte Reiseart. Lufthansa-Flugbegleiterin Susanne D’Aloia empfiehlt für die Flugreise einen Hartschalenkoffer. „Anfangs hatte ich noch einen Koffer aus Stoff. Der war nach zweimal Fliegen kaputt.“ Denn viele Flughäfen gingen nicht sorgfältig mit den Koffern um. Und ein verschlissener Koffer auf dem Gepäckband kann schon mal die Urlaubsstimmung dämpfen.

Wer dagegen eher mit dem Auto verreist, für den bietet sich oft ein Weichschalenkoffer an. „Wenn der Koffer weicher ist, kann man mehr in den Kofferraum reindrücken“, sagt Stiftung-Warentest-Redakteur Thomas Müller. „Allerdings sehen weiche Koffer schneller unansehnlich aus. Das hat aber nichts mit der Stabilität zu tun.“

Rollen

Steht der Koffertyp fest, sollten die Rollen begutachtet werden – sie gehören zu den typischen Schwachstellen. Rollen aus Hartplastik sind für Schardt ein klares Ausschlusskriterium. „Am besten sind Rollen mit einem Aluminiumkern, der mit Weichgummi überzogen ist“, sagt der Experte. D’Aloia hat einen Koffer mit Rollen, die sich um die eigene Achse drehen. „Gerade bei langen Terminal-Läufen sind diese Koffer praktischer.“ Warentester Müller empfiehlt vier Rollen. „Sie sind einfacher zu manövrieren, besonders in engen Gängen.“ Ein altbekanntes Problem von vielen Zugreisenden. Auch wichtig: Die Rollen sollten austauschbar sein.

Teleskopstangen und Griff

Darüber hinaus muss die Teleskopstange des Griffes zur Körpergröße passen. Ist sie zu kurz, kann der Koffer beim Ziehen in die Hacken schlagen. Allerdings sind viele Stangen in der Konstruktion oft mangelhaft. Hier gilt: Aluminium ist meist stabiler als Plastik. „Ein bisschen wackeln die Stangen immer, aber sie dürfen nicht zu locker sein“, sagt Müller. Zudem sollte der Griff gut in der Hand liegen und keine scharfen Kanten haben.

In den Griffen verstecken sich die unsichtbaren Mängel. Die Stiftung Warentest fand 2012 heraus, dass gerade in den Griffen Schadstoffe wie Weichmacher oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten sind – die potenziell gesundheitsschädlich sind. Hat sich daran etwas geändert? „Obwohl die Griffe zum Teil sehr stark mit Schadstoffen belastet waren, wurden viele Koffer nicht zurückgerufen. Ob die Hersteller aktuell noch die Schadstoffe verarbeiten, kann ich nicht beurteilen“, sagt Müller. Er rät aber von Koffern mit einem penetranten Geruch ab. Das könnte ein Indiz dafür sein.

Verschluss-Systeme

Ebenfalls kritisch beim Koffer: die Reißverschlüsse. Sie lassen sich oft nicht geschmeidig öffnen und schließen. Hier kommt es vor allem auf die Nähte an. Sind diese mehrfach vernäht, lässt das auf eine hochwertigere Qualität schließen, sagt Schardt. Flugbegleiterin D’Aloia verzichtet bei ihren Koffern komplett auf Reißverschlüsse. Viel zu oft sind ihr diese schon gerissen. „Ich habe einen Koffer mit einem Leistensystem. Diese schließen genau aufeinander ab.“

Damit der Koffer sich bei der Reise nicht plötzlich öffnet, sichern viele diesen mit einem Schloss. Flugreisende, die in die USA reisen, sollten sich ein TSA-Schloss zulegen. „Das Sicherheitspersonal hat für diese Schlösser einen Generalschlüssel. Wenn man kein TSA-Schloss hat, haben sie das Recht, den Koffer aufzubrechen“, sagt Schardt. Mittlerweile gibt es auch Kofferbänder mit Schlössern, die zudem zur Stabilität beitragen.

Preis

Flugbegleiterin D’Aloia rät, beim Preis immer das Komplettpaket zu berücksichtigen. „Zusätzliche Garantien, Versicherungen oder kostenlose Reparaturen können sich lohnen.“ Natürlich gibt es auch bei Koffern deutliche Preisunterschiede. Für Gelegenheitsurlauber reicht eine solide Grundqualität. „Hier findet man Koffer zwischen 50 und 100 Euro“, nennt Schardt als Richtwert. Vielreisenden rät er zu Koffern zwischen 150 und 200 Euro. „Man merkt hier kaum noch einen Komfortunterschied zu den 600-Euro-Modellen.“

Familien sind oft gut mit einem Kofferset beraten. „Mit einem Set spart man oftmals bis zu 50 Prozent, und die Koffer sind ineinander stapelbar“, erklärt Schardt. Und wie groß sollte ein Koffer sein? Das hängt natürlich auch immer von den persönlichen Vorlieben ab. Für eine Urlaubswoche sind 70 bis 80 Liter eine großzügige Orientierung.

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