Reykjavík Islands Hauptstadt hat nicht nur sportlich viel zu bieten

Bunte Dächer am Wasserrand - und Schnee auf den Bergen am Horizont - Reykjavík ist aufgeräumt und liegt mitten in einer Landschaft wilder Schönheit.

Bunte Dächer am Wasserrand - und Schnee auf den Bergen am Horizont - Reykjavík ist aufgeräumt und liegt mitten in einer Landschaft wilder Schönheit.© chaosdiver / Fotolia.com

Bei der Fußball-EM gelang den Isländern eine Sensation. Doch nicht nur für Fans ist das Land interessant: Ob als Stopover auf dem Weg nach Amerika, Städtetrip oder Ausgangspunkt für eine Rundreise - Reykjavík ist eine Reise wert.

Die Fahrt vom Internationalen Flughafen Islands geht durch Landschaften mit dunklem Basaltgestein, auf dem sich kurzes Gras hält. Mitunter wird das eher düstere Bild von ganzen Feldern himmelblauer Lupinen durchbrochen, deren weiße Spitzen in der Sonne schimmern. Oder es klammert sich lila leuchtendes Steinbrech an einen Fels. Links von der Straße glitzert das Meer, rechts ragen hohe Berge auf. Nach knapp einer Stunde Fahrt erscheint eine Ansammlung heller Gebäude mit einigen gläsernen Hochhäusern Reykjavík.

Die Stadt im hohen Norden ist ein beliebtes Stopover-Ziel auf dem Weg in die USA und manchem mittlerweile auch einen Städtetrip über das Wochenende wert. Reykjavík – das klingt so fern. Die Stadt ist aber tatsächlich von Hamburg und Frankfurt nur drei bis vier Flugstunden entfernt. Trotzdem wähnt sich der Gast in einer anderen Welt.

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Die Luft ist frisch und klar, die Landschaft von wilder Schönheit – und die Stadt selber sehr aufgeräumt. Rot, blau und grün leuchten die Dächer der Holzhäuser am Wasserrand. Das mutet fast ein wenig karibisch an, wäre da nicht der Schnee auf den Bergen am Horizont.

Stadtführung bei einer Einheimischen

Wer nicht viel Zeit hat, sollte unbedingt eine Stadtführung buchen. Die Innenstadt ist gut zu Fuß bewältigen. Audur Ösp von „I Heart Reykjavík“ führt seit 14 Jahren Besucher durch die Stadt. „Ich bin hier geboren und kenne mich daher gut aus“, sagt sie. Professionelle Führerin ist sie nicht, aber wahrscheinlich macht das den Rundgang mit ihr besonders entspannt. „Aber bitte fragen Sie mich bloß nicht nach den botanischen Namen der Bäume hier.“

Das Stadtbild von Reykjavík erinnert ein wenig an die 60er und 70er, im positiven Sinn Es gibt keine Einkaufszentren, kaum Ketten. „Das wollen die Leute hier nicht“, erklärt Ösp. Zwei Drittel der rund 330.000 Isländer leben in der Hauptstadt – und lieben individuelle Geschäfte wie das der Designerin Gaga Skorrdal mit verrückten Hüten und Kleidung aus Wolle und Filz in der Versturgata 4. Extravagant sind auch die Klamotten bei „Spaksmannsspjarir“ in der Bankastræti 11. Weitere Kollektionen isländischer Designern finden sich im „Geysir“ in der Skólavõrdustig 16.

Die Buchläden haben oft angeschlossene Cafés oder Bistros. Bei „Mona“ in der Laugarvegur 66 gibt es Schmuck der prämierten Designerin Dyrvinna Torfadóttir. Der Schmuck aus Island ist von der Natur und Botanik des Landes oder der Zeit der Wikinger inspiriert, oft werden auch heimische Halbedelsteine verarbeitet. Besonders exquisit sind die Geschmeide der beiden Designer von „Orr“ in der Bankastræti, vor deren bunt glitzernden Schaufenstern so mancher ins Träumen kommt. Auch eine Uhrenmanufaktur gibt es in Island: All CS Watch Company. Das Unternehmen bewirbt sich augenzwinkernd als „möglicherweise kleinste Uhrenmanufaktur der Welt“.

Warum Pinguine und Eisbären keine guten Souvenirs sind

Mehrere Pelzgeschäfte isländischer Kürschner bieten wärmende Fellbekleidung, auf Island akzeptierter als in europäischen Großstädten. Kleine Antikläden und Galerien locken zum Stöbern. Bildbände einheimischer Fotografen liegen bei „12 Tonar“ in der Skólavördustigur 15 aus. Kein gutes Souvenir sind übrigens Plüsch-Pinguine – die Tiere gibt es auf der Nordhalbkugel nur im Zoo. Und auch dass Touristen Eisbären kuschelig finden, verstehen Isländer nicht. „Die werden bei uns erschossen“, sagt Ösp.

Natürlich gibt es auch Outdoor-Shops isländischer Labels wie 66 North, Cintamani oder Gangleri Outfitters, wo gleich eine gesamte Campingausrüstung gekauft oder gemietet werden kann. Und viele, viele Islandpullis. Die Wollwaren mit den Traditionsmustern werden jedoch zum großen Teil aus China importiert. Garantiert handgemacht auf Island sind sie in der Niederlassung der Handknitting Association of Iceland in der Skólavördustígur 19 oder bei Iceland Wool in der Pingholtstræti 20.

Optisch dominiert wird Reykjavík wie so viele Städte von einer mächtigen Kirche 74,5 Meter hoch ist der Turm der Hallgrímskirkja. Im schlichten Inneren der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche steht eine riesige Orgel mit 5275 Pfeifen. Die Kirche ist nach einem isländischen Dichter von Kirchenliedern, Hallgrímur Pétursson (1614-1674) benannt. Wer zwischen all dem Shoppen seinen Augen einmal wieder Weitsicht gönnen möchte, sollte die Spitze erklimmen – das geht auch per Fahrstuhl. Von dort kann man weit über die Stadt hinausblicken.

Wer gern isst, ist auf Island richtig

Das Herumlaufen macht Hunger, doch das ist kein Problem. Auf Island geht es allen gut, die gerne essen. Das beste Fleisch in Reykjavík soll es im „Grill Market Restaurant“ geben, typisch isländisches Essen reicht die „Apotek“. Aber was ist typisch isländisch?

Skyr beispielsweise, dicke Scheiben von weißem Frischkäse. Und es gibt viel Fisch. Aber auch so putzige Vögel wie Trottellummen und Papageientaucher. Natürlich steht auch Wal- und Robbenfleisch auf der Karte, das bringt so manchen Touristen auf die Palme. „Für Isländer ist das aber ganz normal – und wir werden damit auch nicht aufhören“, sagt Ösp entschlossen. Die Gewürze für die traditionellen Gerichte wachsen auf der Insel Kerbel, Kümmel, Thymian. Dazu gibt es Kohl oder Rüben, weil andere Gemüsesorten bei dem kalten Klima schlecht gedeihen.

Die angeblich beste Pizza der Stadt wird derzeit in der Hverfisgata 12 serviert – und man muss den Straßennamen nennen, weil das Restaurant keinen Namen hat. „Hat der Besitzer nicht nötig“, sagt Ösp. Hier speisen angeblich die Hipster von Reykjavík Pizza mit Meerrettich-Mayonnaise und Mixed Pickles. Wer noch Flüssigkeit zum Runterspülen braucht, kann das in der Kneipe „Mikkeller & Friends“ im Obergeschoss des Hauses machen. Sie ist bekannt für ihre Biere, 20 verschiedene werden angeboten. Besonders angesagt ist derzeit auch die „Big Lebowski Bar“ in der Laugavegur 20b. Im „American Diner“ werden Burger gereicht, die mit einem White Russian runtergespült werden können, dem legendärem Cocktail aus dem Film „The Big Lebowski“.

Katerfrühstück im ältesten Kaffeehaus der Stadt

Wer nachts zu lange gefeiert hat, lässt sich im ältesten Kaffeehaus der Stadt wieder aufpäppeln. Das 1951 gegründete „Prikiò“ in der Bankastræti 12 reicht in gemütlicher 60er-Jahre-Atmosphäre das Menü „Hangover Killer“ ein warmes Sandwich, einen Bruce-Willis-Milchshake – mit Whisky – und eine Schmerztablette. Für einen freien Kopf kann man aber auch einfach durch die von reichen Blumenrabatten gesäumten Straßen spazieren. Isländer lieben Blüten und Bäume, auch oder gerade weil letztere hier mehr als zehn Mal so langsam wachsen wie in anderen Regionen der Welt. „Und jeder zweite Isländer glaubt auch heute noch an die Existenz von Elfen“, sagt Ösp.

Die meisten Lokale und Pubs sind holzvertäfelt und eher gemütlich. Der Drang nach Wohlfühlen ist in Island groß, was sicher dem Wetter geschuldet ist. Sommer ist im Juli und August. Das restliche Jahr ist eher kühl, oft liegt Nebel über der Insel. Der Winter beginnt im September. Ziemlich lange liegen die Temperaturen um zehn Grad minus. „Vergangenes Jahr hatten wir dazu noch jeden dritten Tag bis 170 km/h starken Sturm“, erinnert sich Ösp. Da ist es gut, dass Heizen in Island nicht viel kostet – für die Energieversorgung wurden die heißen Quellen der Insel angezapft.

Auf dem Austurvöllur, dem Haupt- und ältesten Platz von Reykjavík, versammelt sich die Stadt am Abend. Hier finden Freiluftkonzerte statt, oder man trifft sich zum Picknick. An dem Hauptplatz liegen das Parlamentsgebäude und der 1796 fertiggestellte Dom der Stadt. Im Dom sprach sich 1845 die evangelisch-lutherische Kirche offiziell für die isländische Souveränität und Unabhängigkeit aus. Die Republik Island wurde aber erst 1944 ausgerufen.

Alle Farben sind erlaubt

Stadtplanung gibt es in Reykjavík erst seit 1950, so lag auch das Gefängnis bis zu diesem Jahr inmitten des Ortes. Und die Häuserzeilen sind in verschiedensten Baustilen, oft mit verwinkelten Hinterhöfen. Der 60er-Gelbklinker steht neben einem weißverputzten Farmhaus, der klassizistische Steinbau gegenüber einer bunten Holzhütte.

Jede Farbe ist erlaubt, was mitunter zu Auswüchsen führt. „Wir haben erst überlegt, das Stadtbild großflächig zu erneuern“, erzählt Ösp. „Aber dann haben die Stadtväter beschlossen, dass es zu uns passt, so wie es ist.“ Wie die überall verbreitete Street Art, die früher verboten war. Manchmal muss man genauer hingucken, um die kleinen Kunstwerke zu sehen – wie zum Beispiel bei einer kleinen grauen Maus auf einer Betontreppe.

Reykjavík bedeutet in der Sprache der Wikinger „Rauchende Bucht“ – wegen des Qualms über den heißen Quellen der Insel. Die Besiedlung Islands begann im neunten Jahrhundert. Der erste Siedler war Ingólfur Arnarson, ein norwegischer Wikinger. Er baute seine Farm genau dort, wo heute Reykjavík steht. „Wir sind mit ihm alle irgendwie verwandt“, sagt Ösp. Das liegt an der langen Isolation Islands. „Es gibt inzwischen eine Datenbank, die die Verwandtschaftsgrade auf der Insel nachvollzieht.“ Damit man nicht zu eng in die Verwandtschaft einheiratet.

Um den alten Hafen wird viel gebaut

Auch heute noch finden die Archäologen in Reykjavík immer wieder Reste der frühen Besiedlung oder auch alte Langschiffe der Wikinger. Vor allem in der Gegend rund um den alten Hafen, wo seit einigen Jahren viel gebaut und restauriert wird, weil es den Isländern rund um die Hauptstraße zu touristisch wird. Am Wasser gibt es nun ebenfalls Galerien, Designerläden und feine Restaurants. Hier steht auch der 1710 errichtete Regierungssitz, ein schlichtes, weißes Gebäude, das etwas prächtigere Kulturhaus und die Statue des Entdeckers Nordamerikas, Leif Eriksson.

Auffällig in seiner Würfelform ist das Kulturzentrum und Konzerthaus Harpa aus mehrfarbigem Glas und einer Ausstellungshalle am Meeressaum. Hier verkaufen laut Ösp „merkwürdige Leute merkwürdige Sachen wie getrockneten Fisch“. Dann doch lieber den Fang des Tages in einem der Fischrestaurants. Heute gibt es ein schönes Stück gepfefferten Kabeljau mit braunem Reis, Kürbis und Brokkoli in Rote-Bete-Saft. Reichlich Gemüse können sie auf Island offenbar doch beschaffen.

Reise-Infos:

Anreise

Mit dem Flugzeug von mehreren deutschen Flughäfen mit Air Berlin, Iceland Air, Lufthansa oder Wow Air zum internationalen Flughafen Keflavik, rund 50 Minuten von Reykjavík entfernt.

Reisezeit

Zwischen Juni und August. Island ist ein Sommerziel mit einer kurzen Hochsaison. Der Winter ist kalt und dunkel.

Geld

Ein Euro sind etwa 140 Isländische Kronen (Stand Mai 2016).

Informationen

  • Promote Iceland, Sundagardar 2, IS-104 Reykjavik
  • Tel. 003 54511 40 00
  • E-Mail info@promoteiceland.is
  • www.visiticeland.com

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