Motorradfahren So starten Sie sicher in die neue Motorrad-Saison

Was gibt es Schöneres als am Ende einer Motorrad-Tour den Sonnenuntergang zu beobachten?

Was gibt es Schöneres als am Ende einer Motorrad-Tour den Sonnenuntergang zu beobachten?© trojana1712 / photocase.de

Bei den ersten Sonnenstrahlen aufs Motorrad springen und Gas geben - das ist vor allem eins: sehr gefährlich. Mit ein paar Übungen vor der ersten Fahrt fällt der Start in die neue Saison leichter.

Nach einer halben Stunde schmerzt der Rücken, die Handgelenke werden langsam taub, und der Kopf brummt. Motorradfahren ist Sport. Wer sich vor dem Saisonstart nicht vorbereitet, wird schon nach wenigen Kilometern spüren, dass er untrainiert ist. Deshalb raten Experten vor der ersten Fahrt zu gezieltem Training. Ganz gleich, ob es mit schleifendem Knie über die Rennstrecke geht oder sonntags im Schleichtempo zum nächsten Ausflugslokal: Motorradfahren will geübt sein.

Denn dabei reagiert der Körper wie beim Hochleistungssport: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen. Am Helm zerrt der Wind, drückt auf Nacken und Schulter, die linke Hand greift ständig am Kupplungshebel, die rechte dreht sich mit dem Gasgriff. „Wer nicht im Herbst und Winter Sport in seinen Alltag integriert hat, wird bei der ersten Fahrt schnell überfordert“, sagt Diana Sprung vom ADAC. Nach der monatelangen Pause sei es sinnvoll, es am Anfang der Saison langsamer angehen zu lassen. „Der alljährliche Start in die Motorradsaison ist, wenn auch verkürzt, mit den ersten Fahranfängen vergleichbar.“ Sie rät: Etwas Zeit nehmen, um wieder zu lernen. Wer vor der ersten Tour seinen Körper trainiert, habe es deutlich leichter und fahre sicher.

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Der ADAC rät zum ausgewogenem Cardio-Training wie im Fitnessstudio oder beim Joggen. Auch Nacken, Schulter, Hüfte und Oberschenkel sollten durch Krafttraining gestärkt werden. Empfehlenswert: ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, zum Beispiel ein Zirkeltraining. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger trainieren automatisch die fürs Biken wichtige Muskulatur. Und nicht nur die, sondern auch den wichtigen Gleichgewichtssinn. Spezielles Unterarmtraining und Handtraining kräftigt die nötigen Muskeln und Bewegungsabläufe fürs Kuppeln, Bremsen und Gasgeben.

„Das ist wie beim Sport“

Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) empfiehlt ein Sicherheitstraining, egal ob für Anfänger oder routinierte Fahrer. Das sei nicht nur nützlich, um wieder in den Fahrfluss zu kommen, sondern auch, um dazuzulernen und das Können zu verbessern.

Ähnlich sieht das Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Bei vier Monaten Pause ist es wie bei anderen Sportarten: Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort alle Bewegungsabläufe drin hat und wieder topfit ist.“ Der DVR, ACE, ADAC, Dekra und andere Clubs bieten Kurse vom Basis- bis hin zum Perfektionstraining an. Hilfreich zum Start in die Saison seien aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz. „Im Endeffekt profitieren alle Verkehrsteilnehmer davon“, sagt Bente.

Biker, die im Winter hauptsächlich im Auto saßen, müssen wieder daran denken, dass sie auf dem Zweirad keine Knautschzone haben. Deshalb rät Bente zu einem früheren Bremsen: „Lieber fünf Meter zu früh bremsen als ein Meter zu spät.“ Auch Autofahrer gewöhnen sich erst wieder langsam an die Zweiradfahrer, ihre Beschleunigungskraft und ihre schmale Silhouette. Dagegen helfen zumindest optisch auffällige und kontrastreiche Bekleidung mit Leuchtstreifen.

Tipps für die erste Tour

Während den ersten Touren sollten es die Fahrer nicht übertreiben: Bei kurzen und weniger anspruchsvollen Strecken kommt der Biker leichter ins flüssige Fahren. „Ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich, das über den Winter verblasste Gefühl dafür wieder aufzufrischen“, sagt Kuschefski. Nach rund einer Stunde Fahrt halten zehnminütige Pausen mit ein paar Gymnastikübungen die Gelenke geschmeidig und fördern gleichzeitig die Konzentration. Bei Touren an kühlen Frühlingstagen schützen Thermounterwäsche, dicke Socken und Innenhandschuhe vor Kälte – und Konzentrationsverlust. Denn Kälte und Wind zehren an der Kondition. Für die Koordinationsfähigkeit beim Motorradfahren seien deshalb warme Gliedmaßen wichtig.

Wurde die Schutzausrüstung nicht am Ende der vergangenen Saison gereinigt, sollte das spätestens jetzt geschehen. Bei den meisten Motorradkombis lässt sich das Futter herausnehmen. Die Oberfläche wird mit mildem und speziellem Shampoo gewaschen, rät Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Das Innenfutter in der Waschmaschine. Anschließend wird die Kombi imprägniert – das schützt vor Regen und Kälte. Lederkombis lassen sich mit Lederseife reinigen und freuen sich anschließend über Lederfett. Außerdem sollten Handschuhe und Stiefel gründlich kontrolliert werden und eine frische Schutzschicht bekommen.

Ganz wichtig: der Helm. Das Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Mit geeignetem Fett wird die Visier-Mechanik wieder leichtgängig. Wenn ein Helm bei einem Unfall getragen wurde, sollte er – unabhängig von dem äußeren Zustand – unbedingt ersetzt werden. Auch wenn Motorradhelme kein Verfallsdatum haben: Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren. Sicher ist sicher. Nicht nur am Anfang der Saison.

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