Leben Uhren als Wertanlage – von Omega bis Rolex

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Eine Uhr, wie hier die Heuer Carrera von 1963 kann eine gute Wertanlage sein.

Eine Uhr, wie hier die Heuer Carrera von 1963 kann eine gute Wertanlage sein. © Tag Heuer

Ob Vintage-Modelle oder neue limitierte Editionen – wer Uhren als Wertanlage sammeln möchte, braucht Geduld und Know-how. Wir haben Experten befragt, welche Modelle sie kaufen würden.

Auktionator, Uhrmacher oder Händler, sie alle sind sich in einem einig: Uhrensammler müssen Leidenschaft und einen langen Atem beweisen. Um sich auf dem Gebiet zurechtzufinden, sollten Liebhaber sich mit dem Thema ausführlich beschäftigen und den Markt beobachten. Vor allem, wenn sie Uhren suchen, die das Potenzial haben, im Wert zu steigen.

Die Realität ist ernüchternd: Rund 80 Prozent aller Marken-Armbanduhren eignen sich nicht als Kapitalanlage, sagen Experten. Steht die Rendite im Vordergrund, sollten Sammler sich auf gebrauchte Uhren konzentrieren, bei einer neuen Uhr stecken zwischen 30 und 60 Prozent Händlermarge im Preis. Wer bereits mit der Wertbeständigkeit einer Uhr zufrieden ist, für den können allerdings auch neue limitierte Editionen interessant sein. Ob neu oder gebraucht, generell gilt: „Die Marke muss attraktiv sein. Uhren unbekannter oder weniger gefragter Marken werden nicht im Wert steigen“, sagt Günter Eichberger, Uhrenexperte beim Wiener Auktionshaus Dorotheum.

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Zu den wertbeständigen Marken gehören seiner Meinung nach Patek Philippe, Rolex, A. Lange & Söhne, IWC, Audemars Piguet oder Vacheron Constantin. Auch sehr gefragte Modelle von Omega, Tag Heuer, Jaeger LeCoultre oder Nomos Glashütte eignen sich als Sammlerobjekte.

Gebrauchte Uhren – darauf kommt es an

Je kleiner die Auflage und je stärker die Nachfrage, desto interessanter ist die Uhr als Kapitalanlage. „Um ein Gefühl für den Markt zu entwickeln, sollte man sich eine Zeit lang auf Uhrenbörsen umschauen, mit Händlern und Uhrmachern sprechen und sich die Angebote von Auktionshäusern und Börsen im Internet ansehen“, rät der Hamburger Uhrmacher Klaus Ohle. „Selbst Ebay kann aufschlussreich sein, um zu vergleichen, welche Preise bestimmte Modelle erzielen“, sagt der Hamburger Uhrmacher Klaus Ohle.

Wer eine gebrauchte Uhr sucht, sollte auf folgende Details achten: Die Uhr muss in gutem oder sehr gutem Zustand sein, keine oder höchstens leichte Gebrauchsspuren aufweisen und regelmäßig zur Revision beim Hersteller eingeschickt worden sein. Um sich vor Fälschungen zu schützen, sollte ein Zertifikat und im Idealfall die originale Box vorhanden sein. Ein glaubwürdiger Kaufbeleg ist ebenfalls von Vorteil. Einige Händler wie etwa Chronext oder Auktionshäuser wie das Dorotheum überprüfen den Zustand, die Echtheit und Herkunft der Uhr, bevor sie diese anbieten. Wer im Onlinehandel kauft, sollte misstrauisch werden, wenn die Bilder schlecht sind.

„Heute kann man mit fast jedem Handy gestochen scharfe Fotos machen. Zeigt ein Händler unscharfe Bilder oder lässt wichtige Ansichten aus, dann will er etwas verbergen“, warnt Uhrmacher Ohle. Bei limitierten Editionen rät Ohle, auf die Stückzahl zu achten. „Manchmal heißt es ‚auf 500 oder 999 Exemplare limitiert‘ – doch das sind keine wirklichen Limitierungen, da von vielen Modellen ohnehin nicht mehr als 500 oder 1000 Exemplare gefertigt werden.“ So wird künstlich Begehrlichkeit geschaffen. „Wenn eine Uhr auf 10, 50 oder 100 Exemplare begrenzt ist, wird es interessant“, sagt Ohle.

Freude an der Uhr ist die schönste Rendite
Das wichtigste Kriterium, das betonen alle Experten, ist am Ende der eigene Geschmack. „Zuallererst muss man die Uhr schön finden, danach kann man über ihre Wertentwicklung nachdenken“, sagt Philipp Man, Gründer des Uhrenhandels Chronext. Diese Einschätzung bestätigt auch Oliver Hoffmann, Uhrenexperte vom Auktionshaus Auctionata: Anders als bei einem Auto sinke der Wert einer guten Uhr nach dem Kauf nicht. „Doch ob er steigt, kann man nie sicher wissen“, betont Hoffmann. „Dass man die Uhr jahrelang mit Freude getragen hat, ist deshalb die schönste Rendite.“

Fünf Uhren, die sich als Wertanlage eignen

1. Omega

Omega Uhr

Neue Omega Speedmaster „Moonwatch Professional“ aus Stahl, mit dem berühmten Chronografenwerk mit Handaufzug, das auf dem Mond getragen wurde. Gangreserve 48 Stunden, 4100 Euro

Klaus Ohle: „Vor einigen Jahren bekam man eine gebrauchte ‚Speedmaster‘ noch für 1000 bis 1800 Euro. Heute sind es schon rund 3000 Euro, wahrscheinlich wird die Tendenz steigend bleiben. Auch hier macht die Geschichte einen Teil der Faszination aus: 1957 kam die Speedmaster auf den Markt und wurde von der Nasa für weltraumtauglich erklärt.

Während der Apollo-11-Mission betrat Buzz Aldrin als zweiter Mensch den Mond – mit einer Speedmaster am Handgelenk. 1970 rettete die Ganggenauigkeit der Speedmaster die Apollo-13-Mission vor der Katastrophe. Für Sammler müssen es nicht Modelle aus diesen Schicksalsjahren sein. Generell gilt: Eine gebrauchte Speedmaster in gutem Zustand, aus Stahl, vorzugsweise mit Handaufzug statt Automatikwerk, wird auch in den nächsten Jahren ihren Wert erhalten oder sogar steigern. Auch ein neues Modell einer klassischen Speedmaster ist definitiv keine falsche Investition.“

2. Nomos

Bild 329

 

Bild: Chronomer „Ahoi Datum“ aus Edelstahl, 42 Stunden Gangreserve. Limitiert auf 50 Exemplare, exklusiv über watchtime.net, 3450 Euro.

Klaus Ohle, Uhrmacher aus Hamburg: „Limitierte Editionen aus der Manufaktur Nomos Glashütte haben gutes Potenzial für Sammler. Zum Beispiel die ‚Tangente Super 30‘. Eine Kollektion von 2004 aus Modellen mit Zifferblättern in 30 unterschiedlichen Farben, die je auf 100 Exemplare limitiert waren. Damals kostete eines dieser Modelle unter 600 Euro. Heute gehen diese Uhren für bis zu 2000 Euro weg. Begehrte Farbvarianten erzielen sogar 5000 Euro.

Empfehlen kann ich auch den Neukauf einer Nomos-Uhr, da die Manufaktur sich technisch toll entwickelt hat und ihre mechanischen Uhrwerke komplett selbst baut, inklusive des eigenen Schwingsystems. Den Klassiker Tangente bekommt man neu schon für unter 1500 Euro.“ Auf der Uhrenmesse Baselworld im März präsentierte Nomos das Modell „Ahoi Datum“, dessen Ganggenauigkeit die strenge Chronometerprüfung in der Sternwarte Glashütte bestand.

3. Rolex

Sotheby's Important Watches - Geneva 14 May 2014 - Rolex Explorer

Ein Modell aus dem Jahr 1966, Edelstahl, Automatikwerk, versteigert bei Sotheby’s im Mai 2014 für 7140 Euro.

Pedro Reiser, Manager des Uhren-Departments von Sotheby’s in Genf: „Rolex ist sowohl in seiner Produktentwicklung als auch in der Unternehmensstrategie sehr konsequent und beständig, das macht die Uhren sehr werthaltig. Die Tatsache, dass die Marke zur Fondation Hans Wilsdorf gehört und daher keine überraschenden Anteilsverkäufe oder Ähnliches zu erwarten sind, stellt sicher, dass die Philosophie der Marke in Zukunft bewahrt bleibt. Ein gutes Uhrenmodell für Einsteiger, die zwischen 3000 und 5000 Euro investieren können, ist die ,Rolex Explorer‘, Referenz 1016, die 1963 lanciert und bis 1989 produziert wurde. Eine schöne Uhr, die für die Erfolgsgeschichte der Manufaktur steht.“

Philipp Man, Gründer und Geschäftsführer des Online-Handels Chronext: „Sportliche Edelstahluhren von Rolex, sind immer eine gute Investition, zum Beispiel die Modelle ,Submariner‘ und ,GMT-Master‘. Als Vintage-Uhren bekommt man sie für weniger als 5000 Euro. Wer etwas mehr investieren möchte, sollte sich für eine ,Daytona‘ entscheiden. Sie ist in den letzten Jahrzehnten massiv im Wert gestiegen. Vor etwa 40 Jahren kostete die Stahlversion noch etwa 900 D-Mark. Heute muss man zwischen 8000 und 12.000 Euro investieren.“

4. IWC

IWC

„Portugieser“ Herrenarmbanduhr, gebraucht, Edelstahl, Automatikwerk, Anzeige von Datum, Sekunde und Gangreserve, im Jahr 2013 bei Dorotheum für 5500 Euro versteigert.

Günter Eichberger, Uhrenexperte des Wiener Auktionshauses Dorotheum: „Eine IWC aus den 50er-Jahren, aus Gelbgold und mit Automatikwerk, ist ein werthaltiger Klassiker, in sehr gutem bis gutem Zustand kann man sie zwischen 1000 und 2000 Euro auf dem Markt finden – eine gute Investition. Wer etwas mehr investieren möchte, sollte sich für eine gebrauchte ‚Portugieser‘ entscheiden.

Aus Stahl und mit Automatikwerk gibt es sie zwischen 3000 und 4000 Euro. Sie wird auch in den nächsten Jahren gefragt bleiben, weil ihr Design klassisch ist, keinen Trends unterliegt und einen hohen Wiedererkennungswert hat, ähnlich wie bei einem schönen Auto.“

5. Tag Heuer

Historische Heuer Monaco (1970)

Eine „Heuer Monaco“ von 1969, Automatikwerk, Edelstahl.

Klaus Ohle, Uhrmacher aus Hamburg: „Eine gebrauchte ‚Heuer Monaco‘ ist eine gute Investition. 1969, als der Chronograf lanciert wurde, war er noch kein durchschlagender Erfolg. Das Sammlerinteresse erwachte, als bekannt wurde, dass Steve McQueen den Chronografen 1971 im Rennfahrer- Film ‚Le Mans‘ trug. Dieser Mythos wird die Monaco anhaltend attraktiv machen. Was den Sammlerwert angeht, sind es nämlich oft die Geschichten, die den Zauber ausmachen. Modelle aus den 70er-Jahren sind kaum unter 5000 Euro zu finden und werden weiter im Wert steigen. Neuere Exemplare der Monaco gibt es schon zwischen 2000 bis 3000 Euro.“

Oliver Hoffmann, Uhrenexperte für das Auktionshaus Auctionata: „Das Modell ‚Carrera‘ hat eine lange Tradition und ist nach wie vor gefragt. Empfehlen kann ich Exemplare aus den Jahren 1965 bis 1975, so weit sie in gutem Zustand sind. Vor vier oder fünf Jahren gab es sie auf dem Markt für 700 bis 800 Euro. Heute sind sie, je nach Zustand und Seltenheit, zwischen 2000 und 8000 Euro wert. Der Look von damals hat die Uhr zu einem Vintage-Klassiker gemacht.“

 

impulse-Magazin Juni 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 06/15.

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