Leben Vereinigte Workaholics von Amerika

Rush Hour in Manhattan, New York: Fast die Hälfte der Amerikaner hatte 2014 laut einer Umfrage keinen einzigen Urlaubstag.

Rush Hour in Manhattan, New York: Fast die Hälfte der Amerikaner hatte 2014 laut einer Umfrage keinen einzigen Urlaubstag.© Fotolia.com - ViewApart

42 Prozent der US-Amerikaner haben laut einer neuen Studie im vergangenen Jahr keinen einzigen Tag Urlaub genommen. Das hat wenig mit übertriebenem Fleiß zu tun und viel mit ökonomischem Druck. Deutschland liegt bei den Urlaubstagen weltweit mit vorne.

Wenn Deutsche Amerikanern von ihrem letzten Sommerurlaub erzählen, schauen sie oft in ungläubige Gesichter. Zwei Wochen Mallorca? Drei Wochen Ostsee? Für die meisten Arbeitnehmer in den USA ist das unvorstellbar, so viel Urlaub wäre für sie nie drin.

Die amerikanische Reise-Nachrichtenwebsite Skift hat vor kurzem 1500 Amerikaner gefragt, wie viele Tages sie in 2014 trotzdem freigenommen haben. Das Ergebnis: 42 Prozent hatten keinen einzigen Urlaubstag. Nur 15 Prozent gaben an, dass sie mehr als 20 Urlaubstage hatten.

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Kein Anspruch auf bezahlten Urlaub

Der Grund für die vermeintliche Strebsamkeit ist womöglich auch kulturell begründet. Offensichtlich ist jedoch, dass ökonomischer Druck dazu führt, dass die Amerikaner so selten Ferien machen. Die USA sind das einzige Industrieland der Welt, in dem es weder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt noch ein Recht auf bezahlten Urlaub.

Wer ein durchschnittliches Jahresgehalt unter 25.000 Dollar nach Hause bringt, macht laut der Untersuchung sehr wahrscheinlich gar keine Ferien oder nimmt weniger als fünf Tage frei (66 Prozent). Unter den Befragten, die mehr als 150.000 Dollar verdienen, gab es hingegen keinen einzigen, der 2014 keinen Urlaub nahm.

Sogar die als so arbeitswütig geltenden Japaner haben Anrecht auf mehr Urlaub. Dort hat jeder Arbeitnehmer laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO einen gesetzlichen Anspruch auf 10 bezahlte freie Tage im Jahr. Laut einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos aus dem Jahr 2010 hat aber nur jeder Dritte Japaner diesen Urlaub auch genommen.

Deutsche haben im Schnitt 29 Urlaubstage im Jahr

In Deutschland sind gesetzlich heute de facto 20 Tage vorgeschrieben. Im Durchschnitt legen die Tarifverträge jedoch 29 Urlaubstage im Jahr fest, drei Tage davon lassen die Deutschen im Schnitt laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verfallen. Hinzukommen bezahlte Feiertage – im Bundesdurchschnitt zehn pro Jahr. Damit stehen deutsche Arbeitnehmer auch im internationalen Vergleich gut da. Der Wirtschaft scheint das nicht zu schaden, die Produktivität nimmt ohnehin mit steigenden Arbeitsstunden eher ab. Laut OECD arbeiten zum Beispiel Griechen im Schnitt 2000 Stunden im Jahr, Deutsche nur 1400 Stunden. Die Produktivität ist hierzulande aber um über 70 Prozent höher.

 

Bezahlte Urlaubs- und Feiertage in ausgewählten OECD-Ländern

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