Leben Von Bus bis Brummi: Die Lust aufs Campen

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Axel Gier führt eine Autowerkstatt mit zehn Mitarbeitern. Sein Wohnmobil hat fast 1 Million Euro gekostet und ist der Hingucker auf dem Camping-Platz Mosel-Islands

Axel Gier führt eine Autowerkstatt mit zehn Mitarbeitern. Sein Wohnmobil hat fast 1 Million Euro gekostet und ist der Hingucker auf dem Camping-Platz Mosel-Islands© Matthias Jung

Wohnmobile bieten längst mehr als Stockbetten, Essen aus Dosen und kalte Duschen. Unternehmer erzählen von ihrer Leidenschaft fürs Campen.

Draußen regnet es Bindfäden, vereinzelt hasten Urlauber übers nasse Gras zum Toilettenhäuschen oder stapeln Campingstühle unter dem Vorzelt ihres Wohnwagens. Axel Gier macht das alles nichts aus. „Vielen fällt bei dem Wetter die Decke auf den Kopf, mich entspannt es“, sagt er. Während andere kartenspielend unter klammen Zeltwänden sitzen, hat Gier reichlich Platz. Sein Wohnmobil ist ein Luxushäuschen auf Rädern, über elf Meter lang und vier Meter hoch. Der Hingucker auf Mosel-Islands, einem Campingplatz nahe Koblenz. Hier steht der Wohnlaster fast den ganzen Sommer über. „Andere kaufen sich ein Ferienhaus, wir haben ein Wohnmobil.“

Tausende Deutsche machen Urlaub im Wohnmobil. Fast 5000 Neuzulassungen gab es im April 2014, gut 15 Prozent mehr als 2013. Die Käufer wollen unter Leuten sein und trotzdem ihre Privatsphäre. Sie genießen das Draußengefühl, möchten aber nicht auf fließend Wasser verzichten. Auch viele Unternehmer wissen diese Kontraste zu schätzen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

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Gier und seine Frau fuhren anfangs Wohnwagen, Ende der 90er stiegen sie auf ein gebrauchtes Reisemobil um. Der Unternehmer betreibt eine Autowerkstatt in Aachen mit zehn Mitarbeitern. Das Geschäft läuft gut. Den Luxus-Truck kaufte das Paar im vergangenen Herbst. Von außen sieht er aus wie eine Mischung aus VIP-Bus und Lastwagen, innen verbirgt sich ein 30-Quadratmeter-Apartment mit Fußbodenheizung, Spülmaschine und Soundanlage. Fast 1 Million Euro kostete der Wohnlaster.

Bei Reperaturen wird selbst Hand angelegt

Vom ersten Verkaufsgespräch bis zur Übergabe dauerte es drei Jahre, auch wegen der vielen Sonderwünsche. Giers Frau Manuela wollte ein Bett, das nicht an der Wand, sondern frei im Raum steht. Die Türklingel mit angeschlossener Videoüberwachung war seine Idee. „Wenn jemand klingelt, auf den wir gerade keine Lust haben, stellen wir uns tot.“ Für den Notfall lässt der 51-Jährige sein Handy zwar an, aber auf seine Mitarbeiter sei Verlass: „Dass ich vorzeitig wegen der Arbeit wegmusste, kam noch nie vor.“

Zusammen mit seiner Frau hat er es sich auf der Ledercouch gemütlich gemacht, auf seinem T-Shirt prangt die Udo-Lindenberg-Zeile „Ich mach mein Ding“. Das tat Gier auch vor 15 Jahren, als er das Unternehmen seines Vaters übernahm. Reparaturbetrieb und ein angeschlossener Abschleppdienst. „Damals ging es bei uns zu wie im Taubenschlag.“ Zu viel Stress für zu wenig Gewinn, sagt Gier. Zeit zum Reisen blieb nicht.

Obwohl sein Vater anfangs dagegen war, verkaufte er den Abschleppservice. Jetzt läuft das Geschäft geordneter nach festen Zeiten, Freiraum für Urlaub bleibt auch. Aber nur die Füße hochlegen – das sei nichts für ihn, erklärt Gier. „Der Übergang zwischen Arbeit und Urlaub ist sonst zu hart.“ Nach einer stressigen Woche könne er nicht nahtlos zum Nichtstun übergehen. Kleinere Reparaturen am Wohnmobil macht er deshalb selbst, zum Beispiel wenn die Wasserpumpe ausfällt.

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