Wandern im Westerwald Oh, Du schöner Westerwald!

Der Weltendepfad ist ein steiler Weg, für den Trittsicherheit nötig ist.

Der Weltendepfad ist ein steiler Weg, für den Trittsicherheit nötig ist.© dpa

Seit dem Mittelalter wandern Pilger im Westerwald von der Abtei Marienstatt zum ehemaligen Kloster Marienthal. Doch was hat der Marienwanderweg zu bieten?

Hoch über dem Nistertal weht der Wind durch knorrige Buchen. „Oh, Du schöner Westerwald! Auf Deinen Höhen pfeift der Wind so kalt …“ – einer der Wanderer stimmt gleich das bekannte Volkslied an. Doch an diesem Frühlingstag treffen diese Zeilen nicht zu. Die Wandergruppe ist unterwegs auf dem Marienwanderweg, der hier bei Marienstatt die gleiche Wegführung wie der Westerwaldsteig hat.

Der Marienweg führt auf etwas mehr als 20 Kilometern von Kloster zu Kloster durch die Landschaft der Kroppacher Schweiz, von der Abtei Marienstatt bei Hachenburg bis zum ehemaligen Franziskanerkloster Marienthal. Mal geht es auf einem breiten Weg durch den Forst, dann wieder verläuft nur ein handtuchschmaler Pfad über eine Wiese. Die Route führt durch lichten Mischwald, zu düsteren Fichtenstücken, vorüber an sattgrünen Kuhweiden, Pferdekoppeln und Gehegen mit Damwild.

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Rucksackverpflegung ist angesagt

Rastplätze wie am Aussichtspunkt Hohe Ley oder am Zusammenfluss von Kleiner und Großer Nister, dem Deutschen Eck des Westerwaldes, laden unterwegs zu Pausen ein. „Rucksackverpflegung ist angesagt: Brote, Obst und Getränk“, sagt Hans-Dieter Schmidt, Wanderführer und Wegpate des Westerwaldsteigs. Bis auf das hübsche Café am Wilhelmsteg bei Heuzert gibt es direkt am Weg keine Einkehrmöglichkeiten. „Außer Natur ist bei uns nichts los“, meint Schmidt.

Das stimmt so nicht. Helle Aufregung herrschte im November 1997 am Marienwanderweg nahe des Dorfes Limbach: Der Einstiegsschacht zum lange vergessenen Dachschieferbergwerk Assberg wurde wieder entdeckt. „16 Jahre lang hatte man danach geforscht“, erzählt Schmidt. Der 1548 erstmals erwähnte Schacht Assberg gilt als größte und älteste Schiefergrube der Region. Auch die Dächer des Klosters Marienstatt wurden mit dem Assberg-Schiefer gedeckt.

Von der Marienroute gehen die Wanderer nur ein paar Schritte hinüber zum Schieferschacht, der im Sommer 2000 für Besucher geöffnet wurde. Drei steile Treppen führen unter Tage, wo sich in 20 Metern Tiefe ein überdimensionaler kapellenartiger Hohlraum öffnet. Schwaches Licht streift über die Felswände, Wasser tropft herab, kühl ist es hier unten: gleichbleibend nur sieben Grad.

40 Kilometer an einem Tag

Der Marienwanderweg erinnert an die Tradition der Wallfahrt, bei der seit dem 16. Jahrhundert am Festtag Christi Himmelfahrt Jahr für Jahr fromme Menschen aus dem Westerwald von Marienstatt nach Marienthal pilgern: Gemeinsam betend, singend, meditierend und schweigend legen sie die Strecke zurück. Familien, alte und junge Leute, mehr als 150 wohl, machen sich in der Frühe auf den Weg. Manch einer wandert die Strecke von Kloster zu Kloster auch noch zurück – insgesamt fast 40 Kilometer Fußmarsch an einem Tag.

„Schon als Kind bin ich die Wallfahrt mitgegangen. Das war eine Strapaze und gleichzeitig ein beeindruckendes Erlebnis“, erinnert sich Zisterzienserpater Dominikus in der Abtei Marienstatt. Über die Dörfer Kroppach und Eichelhardt geht es für die Pilger auf breiten Wegen und stillen Landstraßen über die Rackenser Höhe hinunter durch den Fichtenforst bis nach Marienthal.

Der Marienweg gehört zu dem mehr als 100 Kilometer langen, ausgeschilderten Wanderwegnetz der Kroppacher Schweiz. Die Landschaft wird von Einheimischen auch Schmuckstück des Westerwaldes genannt. Bei Wanderern besonders beliebt ist die zwölf Kilometer lange Rundtour, die von Marienthal aus zunächst über den Westerwaldsteig führt und in den Weltende-Pfad bei Alhausen mündet. Die winzige Ortschaft im Tal der Nister hat nur 20 Einwohner und scheint in ihrer Abgeschiedenheit tatsächlich am Ende der Welt zu liegen.

Auch für Abenteurer ist etwas dabei

Vom Sonnenberg führt der Weg den Waldhang steil hinab ins Tal. Plötzlich tauchen klobige Stufen auf, Stahlseile sichern die Wanderer an den Durchstiegen zwischen den Felsen. „Die Wanderung auf dem Weltende-Pfad ist kein Sonntagsspazierweg“, sagt Barbara Sterr, die zahlreiche Wanderstrecken im Westerwald betreut. „Hohe Wanderstiefel, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich. Der Trail ist zwar nur etwas über einen Kilometer lang, doch er hat alpinen Charakter“, sagt sie. Für weniger Geübte gibt es eine Umleitung.

Hachenburg hat verwinkelte Gassen mit vielen Fachwerkbauten. Auf dem Alten Markt steht das Denkmal des goldenen Löwen, der mit gefletschten Zähnen und gespaltetem Schwanz das Wappen der Grafen von Sayn bewacht. Die Adligen waren lange die Herrscher in Hachenburg.

Sie ließen im frühen Mittelalter eine mächtige Burg oberhalb der Altstadt errichten. Im 18. Jahrhundert wurden die wehrhaften Bauten zu einem feudalen Barockschloss. Für Besucher bleibt es jedoch beim neugierigen Blick durch das schmiedeeiserne Eingangstor. Das Innere ist gesperrt. Dort büffelt der Nachwuchs der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, und der Deutschen Bundesbank, die hier seit 1980 ihre eigene Hochschule hat. Da ist ein Wanderwochenende in der Region natürlich weitaus verlockender.

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