Leben Wie arbeiten wir morgen?

Diskussionsrunde auf der Konferenz "Work in Progress" in Hamburg.

Diskussionsrunde auf der Konferenz "Work in Progress" in Hamburg.© Selim Sudheimer/Hamburg Kreativ Gesellschaft

Wird es in Zukunft noch Chefs und Hierarchien geben? Wie und wo wird gearbeitet? Das ist Thema der Konferenz "Work in Progress" in Hamburg. Drei Experten berichten von ihren Visionen - und was dafür schon heute verändert werden muss.

Christian Beinke hat in seinem Unternehmen schon viele Visionen von der Zukunft der Arbeit umgesetzt. Bei der Innovationsagentur Dark Horse arbeiten die 30 Mitarbeiter ohne Hierarchien zusammen, es gibt keinen Chef. Entscheidungen werden von einer kleinen Arbeitsgruppe vorbereitet und dann von der Gemeinschaft verabschiedet. „Wir vermeiden Diskussionen mit vielen Menschen, weil das meist nicht funktioniert“, sagt Beinke. Auch bei der Bezahlung geht das Unternehmen neue Wege. Am Anfang hätten alle Mitarbeiter gleich viel verdient, unabhängig von der Arbeitszeit und der Leistung. Das habe auf Dauer aber nicht funktioniert. Mittlerweile bekomme jeder ein Grundgehalt, zu dem dann je nach Projekt extra Geld komme. Der Rest fließe in die Gemeinschaft, wie Beinke die Firma nennt.

Seine Vorstellung von der Arbeitswelt ist aus den Erfahrungen bei der eigenen Unternehmensgründung entstanden. „Das System muss an das Ziel angepasst sein, das ich erreichen will“, sagt er. Bei Dark Horse habe es zuerst die Idee zur Gründung gegeben, erst danach hätten sie über die passende Struktur für die Firma nachgedacht.

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Teamarbeit ohne Hierarchien

Auch Gesche Joost erlebt tagtäglich, wie junge, kreative Menschen sich die Arbeit der Zukunft vorstellen. Im ihrem „Design Research Lab“ an der Universität der Künste in Berlin forschen Doktoranden zum Beispiel daran, wie Apps und Sensoren in Kleidung eingearbeitet werden können. Gearbeitet wird in Teams, ohne Hierarchien. Patente meldet kaum jemand für seine Forschungsergebnisse an. „Sie haben keine Lust auf die Patentanmeldung, das dauert ihnen zu lange“, sagt Joost bei der Konferenz „Work in Progress“ am Freitag in Hamburg. „Ihnen geht es darum, die Innovation schnell umzusetzen“.

Digitale Arbeit, sagt sie, werde in Zukunft der Normalfall in der Arbeitswelt sein. Jeder Arbeitsplatz werde digitale Kenntnisse voraussetzen. „Wir müssen verhindern, dass einige Menschen abgehängt oder ausgeschlossen werden von der Entwicklung“. Einfach die Schriftgröße im Internet zu verändern sei der falsche Weg.

Fachkräfte entscheiden, wie sie arbeiten wollen

Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand der Telekom und Buchautor, sieht viel Nachholbedarf in deutschen Unternehmen. In vielen anderen europäischen Ländern habe sich die Arbeitswelt weiterentwickelt. „Wir kommen aus der Welt der Maschinenraum-Logik und hängen zu stark an traditionellen Technologien“, sagt er. „Viele Unternehmen werden an die Grenzen ihres Geschäftsmodells stoßen“.

Sattelberger fordert neue Arbeitsstrukturen, mehr Vertrauensarbeitszeit, weniger Hierarchieebenen und mehr Entscheidungen, die in der Gruppe getroffen werden. „In Zukunft wird es weniger Macht für Manager und Gewerkschaften geben und mehr Macht für Individuen“. Die verschiedenen Systeme würden miteinander konkurrieren und Fachkräfte danach entscheiden, wie sie am liebsten arbeiten wollen.

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