Leben Wirtschafts-Nobelpreis geht an Jean Tirole

Man sieht ihm die Freude über den Nobelpreis an: Der französische Wirtschaftswissenschaftler nach Bekanntgabe der Auszeichnung durch die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm.

Man sieht ihm die Freude über den Nobelpreis an: Der französische Wirtschaftswissenschaftler nach Bekanntgabe der Auszeichnung durch die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm.© picture alliance / AP Photo

Er forscht über das "Zähmen mächtiger Firmen" - und erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: der Franzose Jean Tirole. Seine Forschungen helfen Wettbewerbsbehörden weltweit bei ihrer Arbeit.

Überraschung in Stockholm: Der französische Ökonom Jean Tirole bekommt den Nobelpreis für Wirtschaft 2014. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie am Montag bekannt. Der 61 Jahre alte Forscher wurde für seine Analysen über Marktmacht und Regulierung ausgezeichnet, erklärte die Jury.

„Der diesjährige Preis handelt vom Zähmen mächtiger Firmen“, sagte der Ständige Sekretär der Wissenschaftsakademie, Staffan Normark. Tirole habe mit seinen Forschungen gezeigt, wie Märkte mit wenigen machtvollen Unternehmen verstanden und reguliert werden könnten. Der Franzose sei „einer der größten lebenden Ökonomen“, sagte Jury-Chef Tore Ellingsen. „Ich bin sehr, sehr dankbar“, sagte Tirole in einer ersten Reaktion am Telefon während der Pressekonferenz in Stockholm. Er sei bewegt und fühle sich geehrt.

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Die Forschungen des Wirtschafts-Nobelpreisträgers helfen nach Einschätzung eines Nobel-Jurors Wettbewerbsbehörden weltweit bei ihrer Arbeit. „Ob sie über Preis-Dumping oder Exklusiv-Verträge urteilen müssen oder entscheiden müssen, ob sie eine Fusion zweier Unternehmen erlauben – in all solchen Situationen hat Tiroles Arbeit großen Einfluss“, sagte der Wirtschafts-Professor Per Strömberg am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Tiroles Botschaft sei: „Die einfachen Lösungen sind oft nicht die besten.“ Er habe theoretisch gezeigt, dass große Unternehmen in unterschiedlichen Märkte unterschiedlich reguliert werden müssten – und praktische Ansätze geliefert. Der 61-Jährige war in Stockholm für seine Analysen über Marktmacht und Regulierung ausgezeichnet worden.

Erst der dritte französische Preisträger

Nach Angaben des Nobelkomitees ist Tirole nach Maurice Allais (1988) und Gérard Debreu (1983) erst der dritte Franzose, der den begehrten Preis bekommt. Er lehrt an der Universität Toulouse. Zu Tiroles Arbeitsschwerpunkten gehören industrielle Organisation, Banken- und Finanzwesen sowie psychologische Aspekte der Wirtschaftswissenschaft. 2011 erhielt er die Ehrendoktorwürde von der Universität Mannheim.

Die Vergabe an einen Forscher, der nicht aus den USA stammt, ist beim Wirtschafts-Nobelpreis eine Seltenheit. In den letzten zehn Jahren wurden neben Tirole nur zwei Mal Ökonomen anderer Nationalitäten ausgezeichnet: 2004 der Norweger Finn E. Kydland, 2010 der Brite Christopher A. Pissarides. Beide waren allerdings gemeinsam mit US-Forschern geehrt worden. Auch 2013 war die Auszeichnung an Amerikaner gegangen: Die Jury prämierte die Börsen-Forschungen von Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller.

Preisgeld: acht Millionen schwedische Kronen

Der Wirtschaftspreis ist keiner der traditionellen Nobelpreise, die auf den letzten Willen des schwedischen Industriellen Alfred Nobel zurückgehen. Die Reichsbank stiftete ihn nachträglich 1968. Deshalb trägt die Auszeichnung nicht offiziell den Namen Nobelpreis – und wird auch nicht in derselben Woche wie die anderen Preise verkündet.

Der „Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel“ ist aber wie alle Nobelpreise mit acht Millionen schwedischen Kronen dotiert und wird am 10. Dezember – dem Todestag des Preisstifters – in Schwedens Hauptstadt Stockholm verliehen. Allein der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht.

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