Leben Woher kommen eigentlich Frühlingsgefühle?

Verliebtes Paar im Frühling: Mit mehr Glückshormonen im Blut haben wir bessere Laune.

Verliebtes Paar im Frühling: Mit mehr Glückshormonen im Blut haben wir bessere Laune.© drubig-photo - Fotolia.com

Endlich Sonnenstrahlen in Deutschland: Nach dem Winter tut ein warmer Frühlingstag so richtig gut. Doch woher kommt die gute Laune eigentlich? Drei Wissenschaftler erklären das Phänomen.

Sonnenbrille auf die Nase, Fenster auf und während der Mittagspause in der Sonne: Bei vielen Menschen herrscht Hochstimmung, weil sich der Frühling endlich zeigt. Drei Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen erklären, was es mit den Frühlingsgefühlen auf sich hat.

DER PSYCHOLOGE:
Besonders bei einem frühen Frühling und bei gutem Wetter steigt die Stimmung. Der Mensch sei darauf programmiert, bei Dunkelheit zu ruhen. Bei Licht sei er hingegen auf Aktivität und Hochgefühl gepolt, sagt Peter Walschburger, emeritierter Professor für Biopsychologie an der Freien Universität Berlin. „Auf Licht reagieren wir ganz massiv.“ Das bewusste Erleben und das Verhalten der Menschen änderten sich durch einen schönen Frühlingstag radikal.

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Dabei komme es zu positiven Rückkopplungseffekten: „Sie sehen plötzlich viele Menschen draußen. Dadurch gehen sie selber leichter raus.“ Auch Düfte und Vogelgezwitscher beeinflussen. „Deswegen ist der Frühling eine unglaubliche Aufbruchzeit“, sagt er. Im Winter sei die Lebensweise hingegen gedämpft: „Wir schlafen länger und werden etwas dicker.“

DER ENDOKRINOLOGE:
Sonnenstrahlen ändern unseren Hormonhaushalt. Einen besonders starken Einfluss auf unsere Laune haben das Schlafhormon Melatonin und das Glückshormon Serotonin, sagt Helmut Schatz, Sprecher der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Lehre von Hormonen und Stoffwechsel). Wenn es früher hell wird und die Sonne stärker scheint, falle mehr Licht aufs Auge. Dadurch bekomme die sogenannte Zirbeldrüse – auch drittes Auge genannt – im Gehirn den Befehl, die Melatoninproduktion herunterzufahren. „Also sind wir munterer“, sagt der Experte.

Gleichzeitig steige bei Sonnenlicht die Serotoninbildung im Körper. Die
Folge: Mit mehr Glückshormonen im Blut haben wir bessere Laune. Auch die Wärme habe Einfluss auf die Stimmung.

DER MEDIZIN-METEOROLOGE:
Der Mensch ist wetterfühlig – schon immer. „Das liegt in den Genen, das ist archaisch“, sagt der Medizinmeteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Das Wetter beeinflusse uns, obwohl unser Wohlergehen im Gegensatz zu früher nicht mehr vom Wetter abhänge. „Der Körper weiß nicht wirklich, dass wir inzwischen alle Klimaanlagen und tolle Heizungen haben.“

Neben den akuten Sonnenstrahlen spiele im Frühling auch der jahreszeitliche Rhythmus eine Rolle. „Viele Leute sind unterwegs“, sagt er. Die Menschen gehen Eis essen oder in den Biergarten. Der Körper fahre durch bestimmte Lichtreize wieder hoch und konzentriere sich beispielsweise auf die Nahrungsaufnahme und auf die Sexualität. Prinzipiell sei es ein gutes Zeichen, wenn der Körper auf einen Frühlingstag mit guter Laune reagiere: „Dann funktioniert auch alles soweit ganz gut.“

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