Anfang der Woche schloss sich Microsoft der Front von Google-Gegnern bei Fairsearch.org an, die die Übernahme des Softwarespezialisten ITA durch den Suchkonzern verhindern wollen. Sie befürchten, dass Google den Onlinereisemarkt in den USA dominieren und manipulieren könne. Google bestreitet das selbstverständlich. Zu Fairsearch gehörten bislang Reiseportale wie Expedia oder Tripadvisor. Microsoft bindet die Software in seine Suchmaschine Bing ein.
Auf dem Suchmaschinenmarkt findet sich Microsoft mit einem weltweiten Marktanteil von gut drei Prozent in einer ganz neuen Situation. "Im Softwaregeschäft musste Microsoft aufpassen, nicht unter Verdacht zu geraten, ihre Wettbewerbsposition auszunutzen. Im Suchmaschinengeschäft sind die Karten dagegen ganz anders verteilt", sagt Frank Niemann von der IT-Beratung Pierre Audoin Consultants (PAC).
Der Softwarekonzern aus Redmond hält aber gleichzeitig den EU-Rekord bei Bußgeldern für Wettbewerbsbehinderung. Knapp 1,7 Mrd. Euro musste Microsoft seit 2004 zahlen. "Aus diesen Erfahrungen hat Microsoft gelernt", sagt ein Brüsseler Kartellrechtler, der einst selbst Beschwerden von Wettbewerbern gegen Microsoft unterstützte. "Microsoft hat jetzt beste Kontakte in Brüssel und weiß, wie man die Wettbewerbsaufsicht mit Beschwerden füttern und für eigene Zwecke nutzen kann."
Im Kampf gegen den Rivalen Google interveniert Microsoft nun teils direkt, teils indirekt bei den Wettbewerbsbehörden. Microsofts Einkaufsportal Ciao from Bing legte Anfang des Jahres bei der EU-Kommission Beschwerde über Bedingungen von Googles Werbedienst Adsense ein. Gleichzeitig unterstützt Microsoft als Gründer und Sponsor Organisationen wie die Initiative für einen wettbewerbsfähigen Onlinemarkt (Icomp). Die Gruppe lädt in Brüssel zu Veranstaltungen mit EU-Parlamentariern und Datenschützern, die über Googles Umgang mit Nutzerinformationen klagen.
Mitglied bei Icomp ist auch das britische Preisvergleichsportal Foundem, das die kürzlich eröffneten EU-Kartellermittlungen gegen Google mit seiner Beschwerde mit ins Rollen brachte. Foundem-Gründerin Shivaun Raff beklagt, dass Google die Suchanfragen auf konzerneigene Dienste lenkt und Foundem in den Suchergebnissen herabstuft. Raff bestreitet, dass Icomp ihre Beschwerde bei der EU-Kommission finanziert. Praktischen Beistand jedoch bekommt sie reichlich: "Icomp wird die Untersuchung unterstützen und (...) Einblicke bei Mitbewerbern, Kunden und Partnern gewähren", schrieb Icomp-Chefjustiziar David Wood nach der Eröffnung des EU-Verfahrens in einem Blogeintrag.
Microsoft zählt neben Oracle, Ebay und Intel auch zu den Hauptgeldgebern der Association for Competitive Technology (ACT), die sich für Softwarepatente einsetzt. ACT-Präsident Jonathan Zuck meldete sich ebenfalls zum EU-Verfahren gegen Google zu Wort: "Es gibt immer mehr kleine Wettbewerber, denen klar wird, dass ihr Ranking bei der Suche manipuliert wird - besonders in Nischen wie der lokalen Suche, in denen Google nur mit Mühe konkurrieren kann."
Google zeigt sich indes gelassen. Microsofts Entscheidung, sich gegen die ITA-Übernahme zu stellen sei nicht überraschend, sagte ein Sprecher. "Microsoft ist unser größter Wettbewerber und bringt Regulierer gegen jede unserer Übernahme auf."
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