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10.08.2010

Buchrezension: Ex-Manager rechnet mit Ikea ab

Von: Christian Cohrs
Buchcover: Die Wahrheit über Ikea
Zoom Buchcover: Die Wahrheit über Ikea
© Campus Verlag
Für einen ehemaligen Ikea-Manager ist der schwedische Möbelbauer alles andere als ein Vorzeigekonzern. In seinem Buch bezeichnet er Unternehmensgründer Kamprad als Kontrollfreak - und dessen Sohn und Nachfolger schlicht als unfähig.

Es klingt wie der Stoff eines packenden Wirtschaftsthrillers: ein global operierendes Unternehmen mit tadellosem Ruf treibt hinter der makellosen Fassade unethische und sogar illegale Geschäfte. Gesteuert wird dieser Weltkonzern von einem Provinzkaff aus. Von Leute, deren wichtigste Qualifikation es ist, aus demselben Ort wie der Gründer zu stammen. Dieser Patriarch lebt der Steuern wegen in der Schweiz, von wo aus er ein Netz von Spitzeln lenkt, das ihn über alle Bewegungen im Konzern auf dem Laufenden hält.

Der Autor Johan Stenebo behauptet in seinem Buch "Die Wahrheit über Ikea", dass diese Geschichte keine Fiktion ist, sondern Alltag im schwedischen Vorzeigekonzern. 20 Jahre war Stenebo Ikea-Angestellter. Er leitete Filialen in Deutschland und England, war persönlicher Assistent des Firmengründers Ingvar Kamprad und stieg auf bis zum Geschäftsführer einer Tochterfirma - bis er nach einem Streit mit Peter Kamprad, Ingvars ältestem Sohn, das Unternehmen verließ und dieses Buch schrieb. Nicht aus Rachesucht, wie Stenebo betont, sondern aus Sorge um Ikeas Zukunft.

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Diese Sorge hält ihn nicht davon ab, allerlei Interna auszuplaudern und mit Mythen aufzuräumen. Er erklärt oft kolportierte Anekdoten über Kamprad für unwahr. Etwa dass der Ikaea-Gründer daheim auf einem 30 Jahre alten Klippan-Sofa sitze, dass er Legastheniker sei, dass er mehr trinke, als ihm guttue- alles Lügen, so Stenebo, mit denen sich der Milliardär im harmoniesüchtigen Schweden als einfacher Mann von nebenan inszeniere. Tatsächlich schreibe er fehlerfrei, spreche ein exzellentes Englisch und sei alles andere als ein netter Kumpeltyp.

Anhand erlebter und zugetragener Beispiele beschreibt Stenebo seinen Ex-Chef als chauvinistischen Autokraten, dessen legendäre Sparsamkeit in Wirklichkeit nur Ausdruck seiner maßlosen Gier sei. Und als brillanten Schauspieler, dessen Fähigkeit zu kommunizieren, "das heißt zu täuschen oder zu manipulieren, wenn er ungestört reden darf", beispiellos sei.

Mehrfach betont Stenebo, nur seine eigene Wahrheit zu schildern. Er gesteht ein, keinen objektiven Blick auf den Konzern zu haben, für den er zwei Dekaden lang leidenschaftlich tätig war. So ist eines der zentralen Kapitel über die "Kamprad-Monarchie" mit gewisser Vorsicht zu lesen. Darin beschreibt der Autor eines der bestgehüteten Geheimnisse des Familienkonzerns: Die Regelung der Nachfolge.

Stenebo stellte die drei Söhne vor: Jonas, den introvertierten Designer ohne Geschäftssinn, Mathias, den narzisstischen Lebemann, der ebenfalls nicht zum Kaufmann taugt, und schließlich Peter, den der Vater, entgegen früheren Ankündigungen, als Thronfolger aufbaut. Auch Sohn Peter, der Stenebos Chef war, ist nach Ansicht des Autors unfähig, das Imperium zu führen, es fehle Peter die wichtigste Eigenschaft eines Ikea-Chefs: der Instinkt des alten, der geniale Geschäftssinn Ingvar Kamprads. Der inzwischen 84-Jährige scheint selbst in großer Sorge zu sein. "Meine drei Söhne sind Taugenichtse. Versprich mir", bat er laut Stenebo einen Vertrauten, "dass Ikea trotz ihnen überlebt."

Nach Erscheinen des Buches in Schweden mochten weder die Attackierten noch der Konzern die "Ansichten einer Privatperson" kommentieren. Widersprochen haben sie jedoch nicht.

© 2010 ftd.de

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