23.07.2009

Der Hund des US-Präsidenten: In Dog We Trust

Von: Anja Rützel (Hamburg)
First Dog: Bo
Zoom First Dog: Bo
© AP
Als First Dog ist Bo mehr als ein normales Haustier: Der Portugiesische Wasserhund ist Teil des großen Symbolsystems der amerikanischen Präsidentenfamilie. Seit 100 Tagen ist Bo nun im Amt - eine Bilanz.

Schnuffi" ist nicht besonders visionär, "Purzel" taugt nicht als politisches Statement. Ein Hund aber, dem seine Züchter gleich nach der Geburt den Namen "New Hope" geben, ist zweifellos zu Größerem bestimmt als nur dazu, Pantoffeln zu zerkauen und Gehwege zu verunreinigen: Ein junger portugiesischer Wasserhund dieses Namens brachte es immerhin zum mächtigsten Hund der Welt.

Seit 100 Tagen versieht Bo, der Hund von Barack Obama, nun sein Amt als First Dog der USA. Die Präsidentenfamilie änderte seinen bedeutungsschweren Namen in eine weniger prätentiöse Alternative. Doch auf Bo lastet trotzdem viel Verantwortung: Er ist nicht einfach irgendein Hund, sondern der Hund von Barack Obama - und damit Teil des präsidialen Symbolsystems.

Gemäß Harry Trumans Doktrin "Wenn du in Washington einen Freund haben willst, schaff dir einen Hund an" teilten zwar viele US-Präsidenten das Weiße Haus mit einem Hund. Obama holte sich aber anders als mancher seiner Vorgänger keine Rasse ins Haus, die mit einem bestimmten Image vorbelastet ist. Keinen wehrhaften Schäferhund und keinen verspielten Pudel, auch keinen als Wadenbeißer gefürchteten Terrier wie sein Vorgänger George W. Bush, sondern einen weitgehend unbekannten Wasserhund. Ein echter Neubeginn! Change mit Schlappohren! Dass Bo in Wahrheit wegen der Tierhaarallergien der Obama-Töchter ausgewählt wurde - Wasserhunde verlieren wenig Haare -, stört da nicht weiter.

Schon Bos Frisur ist symbolträchtig: Sie strahlt volksnahe Bescheidenheit aus. Statt der für seine Rasse traditionellen Löwenschur, die ein geschorenes Hinterteil vorsieht, trägt Bo eine unkomplizierte und weniger geckenhafte Allerweltsfrisur. Die einzige kleine Extravaganz: seine ondulierte Schwanzquaste.

Bo hilft Obamas Image

Bo sorgt dafür, dass Obama nicht nur als allzeit souveräner Präsident wahrgenommen wird, sondern auch als zuweilen alberner, ganz und gar unstaatsmännischer Bällchenwerfer, der beim Rangeln mit seinem Junghund auf der Erde herumkriecht. Und wenn Obama sich von Bo an der Leine über den Rasen zerren lässt, wird ihm das als sympathische Bodenständigkeit ausgelegt.

 

"Er mag der Führer der freien Welt sein", schrieb die "New York Times", "aber er muss trotzdem mit dem Hund Gassi gehen." Es gibt psychologische Theorien, nach denen sich Präsidenten darum so gern Hunde halten, weil sich in ihrem Verhältnis zum Tier auch ihre Beziehung zum Volk spiegelt. Und weil Wähler sich unbewusst an die Stelle des Hundes denken. Wenn dem so ist, kann es einem Präsidenten nicht schaden, gelegentlich auch mal seinem Hund hinterherzurennen, statt ihn streng zu sich zu beordern.

"Er ist ein Star, und er hat Starqualitäten", sagte Barack Obama, als er sein Haustier vor gut drei Monaten der Presse vorstellte. Bos einzige Fauxpas bislang: Er zerbiss einem Kamerateam das Mikrofon, hielt die Familie Obama nachts öfter mal mit seinem Gebell wach und brauchte etwas, um stubenrein zu werden. Trotzdem macht eine erste Bilanz nach 100 Tagen klar: Der kleine Hund macht nicht viel - aber was er macht, macht er verdammt richtig.

© 2009 ftd

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