Mini entwickelt sein Auto dank GPS und Bordcomputer zum perfekten Lückenfüller. Noch steht auf dem Display des Prototyps: "Ich fahre mit meinem Mini bei ... km/h durch ...". Bevor die vorgestanzte Nachricht aus dem Auto die Twitter-Gemeinschaft im Internet erreicht, sind die Platzhalter durch "50 km/h" und "Hamburg" ersetzt.
Die Botschaft ist angekommen. Nicht nur bei den Fans des Kurznachrichtendienstes Twitter, sondern bei den Autoherstellern selbst: Wer auf Unterhaltungselektronik im Auto verzichtet, bugsiert sich langfristig ins Aus. "Für uns gehört Elektronik im Auto nach CO2-Reduktion zu den Topthemen", sagt Martin Wiecker, Forschungsingenieur von Ford Europa.
Internet beeinflusst Autokauf
Auch BMW oder der Zulieferer Continental folgen dem Trend mit Hochdruck. Die Zahl der Kunden, die im Auto nicht auf ihre Smartphones verzichten wollen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wie eine interne Studie bei Ford belegt, beeinflussen Internetdienste und Applikationen sogar den Autokauf.
Jahrelang haben die Pkw-Hersteller diesen Trend verschlafen und relevante Untersuchungen ignoriert. Die Beraterfirma McKinsey fand in Befragungen heraus, dass die Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen sich mittlerweile mehr für Internet und Telefone interessiert als fürs Auto. Was liegt da näher, als den Pkw auch über die Zusatzoption Internet zu verkaufen?
Update soll einfacher werden
Laut der US-Marktforschungsfirma iSuppli wird sich der weltweite Anteil von Autos mit Onlinezugang in den nächsten sechs Jahren mehr als verzwanzigfachen - von 2,6 Millionen heute auf 62,3 Millionen im Jahr 2016.
Ein wichtiger Schritt dorthin: Technologische Standards sowie offene Softwareplattformen lösten die bislang vorherrschenden Insellösungen der Autohersteller ab. So sind beispielsweise schnellere Aktualisierungen der im Auto verwendeten Software möglich. Updates erfolgen bislang noch umständlich über Speicherkarten, die der Nutzer zwischen dem im Auto verbauten Navigationsgerät und seinem PC hin- und hertragen muss.
Der passende Anschluss zum iPod
Veraltete Hardware - wie in der Vergangenheit - versuchen die Autobauer durch intensive Zusammenarbeit mit den Anbietern von Unterhaltungselektronik auszubügeln. Nur so ist es ihnen möglich, trotz Entwicklungszyklen von etwa vier Jahren Schnittstellen anzubieten, die bei Marktreife dem Stand der Technik entsprechen. "Beim Erscheinen des iPods hatten wir bereits den passenden Anschluss im Auto", stellt eine BMW-Sprecherin fest.
Zu den Profiteuren des Booms zählen neben den Autobauern Chipproduzenten wie Intel und Nvidia auch die Softwarekonzerne Microsoft und Google. So sucht der nächste Audi A8 ab März Ziele mit Google Earth an Bord. Ford stellte bereits 2008 zusammen mit Microsoft ein gemeinsames Kommunikationssystem vor. Mit dessen Hilfe können Autofahrer etwa über Sprachsteuerung Handys mit Bluetooth-Funktion aktivieren. Die neue Version erlaubt außerdem den Zugang zum Onlinekurznachrichtendienst Twitter und zu sozialen Netzwerken wie Facebook. Die Anwahl erfolgt über Sprachsteuerung - sicher ist sicher. Für Entwicklungsexperten kommt es bei neuen Technologien auf die Bedienung an, nicht zuletzt aufgrund der Sicherheitsfrage. Ihr Motto lautet: Augen auf die Straße, Hände ans Lenkrad.
Dass die Zahl der Unfälle wegen der rollenden Kommunikationszentralen trotzdem wachsen wird, ist nicht von der Hand zu weisen. So vergleichen Unfallforscher selbst das Telefonieren mit Freisprechanlage mit dem Fahren unter geringem Alkoholeinfluss.
Katerstimmung herrschte zuletzt auch bei den Herstellern von Navigationsgeräten, die unter den Vorstößen von Google und Handymarktführer Nokia litten. Diese bieten mittlerweile kostenlose Navigationssoftware fürs Handy an. Vom Handy auf den Bildschirm eines Autos ist es nur ein kleiner Schritt. Mini geht diesen mit Apple - über das System "Mini Connected". Das System erlaubt unter anderem den direkten Empfang von Internet-Radiostationen.
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