Marie Kählers Albtraum dauerte 14 Monate. Gemeinsam mit ihrem Freund suchte die 31-Jährige eine Dreizimmerwohnung in Hamburg. Kaufen oder mieten, Innenstadt oder Randbezirk - Marie Kähler wäre alles recht gewesen. Es musste nicht mal besonders günstig sein, das Paar ist mit mehr als 100.000 Euro Eigenkapital überaus solvent. Hauptsache, ein Dach über dem Kopf.
Beste Voraussetzungen, um schnell eine Wohnung zu finden. Doch die Suche wollte einfach nicht enden: "Wir waren nicht bereit, in fünf Minuten eine Kaufentscheidung über 500.000 Euro zu treffen", sagt Kähler. Und genau das muss man in der Hansestadt heute, sonst greifen andere zu. Bei jeder Besichtigung konkurrierte Kähler mit mindestens 50 Interessenten. Und die waren immer schneller. Am Ende halfen private Kontakte, eine Mietwohnung zu finden. "Für einen Immobilienkauf müssen Sie vor allem eines mitbringen: Entschlossenheit", sagt Christian Wittke von der Privatbank Berenberg.
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Im Immobilien-Kompass von Capital finden Sie aktuelle Preise und Prognosen für Kauf und Miete von Wohnimmobilien. |
Wo lauern Übertreibungen?
Diese Art der Immobilienlotterie ist kein Phänomen, das sich nur auf die Elbmetropole beschränkt. In den anderen Großstädten, aber auch in kleineren Boomtowns wie Heidelberg oder Münster spielt der Wohnungsmarkt - zumindest für deutsche Verhältnisse - ebenfalls verrückt. Vor allem die Toplagen sind dort leer gefegt, Mieten und Kaufpreise explodieren förmlich. Selbst ehemalige Schmuddelviertel wie Berlin-Kreuzberg und Hamburg-Sankt Georg werden derzeit geradezu überrannt. Erste Stimmen warnen bereits vor Preisblasen. Insbesondere im urbanen Luxussegment laufe der Markt allmählich heiß, mahnen Makler.
Hinweise darauf, wo solche Übertreibungen lauern, liefert der aktuelle Immobilienkompass des Wirtschaftsmagazins Capital. Dafür wurden in den 120 wichtigsten deutschen Städten wieder Makler und Investoren befragt und in insgesamt über 900 Stadtteilen die Preistrends untersucht. impulse präsentiert die Ergebnisse in Auszügen.
Die wichtigste Erkenntnis: Nach langen Jahren der Vernunft kennen vor allem in den Toplagen der Metropolen die Preise offenbar kein Limit nach oben. Der Grund: Anleger wollen auf Nummer sicher gehen und investieren ihr Kapital gezielt dort, wo es in der Vergangenheit am wertbeständigsten war. Nun gilt in diesen Lagen das eng begrenzte Luxussegment als anfällig für Blasen.
Besonders gut lässt sich diese Entwicklung in Hamburg beobachten. In der Hansestadt kostet eine Eigentumswohnung im Schnitt rund ein Fünftel mehr als noch vor drei Jahren. Das belegen Daten des Immobilienberaters CB Richard Ellis. Zum Vergleich: In Frankfurt oder Stuttgart lag der Preissprung im selben Zeitraum lediglich bei knapp zehn Prozent. Nur München kann da noch mithalten - mit einem Plus von 15 Prozent. An der Isar hat sich der ohnehin schon hochpreisige Immobilienmarkt in einigen Stadtteilen derart aufgeheizt, dass professionelle Investoren bereits abwinken. "Für uns ist es einfach nicht rentabel, auf diesem Niveau Wohnungen zu kaufen", sagt Ernst Holland, Vorstandschef der bayerischen Wohnungsgesellschaft GBW.
Quelle: Capital
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