Schlechter hätte das Timing kaum sein können. In New York, Paris, London und Berlin stehen Apple-Fans vergangene Woche Schlange, es ist Marktstart des neuen iPhone - und Jim Balsillie sitzt in einer Telefonkonferenz und hält Analysten bei Laune. Der Chef des Blackberry-Herstellers Research In Motion (RIM) lobt die jüngsten Quartalszahlen, schwärmt von den Perspektiven des kanadischen Unternehmens. Doch die Ergebnisse der vergangenen Monate liegen erneut unter den Erwartungen.
Und statt der für diesen Sommer angekündigten Modelle mit einem neuen Betriebssystem kann Balsillie wieder nur Hoffnungswerte bieten. "Sie werden alle sehr erstaunt sein", tönt er dennoch. "Wir dürften für diesen Herbst noch ein paar Überraschungen im Ärmel haben."
Es ist ein vergeblicher Versuch, Zuversicht zu verbreiten. An der Wall Street ist der Glaube an die Zauberkräfte des RIM-Managements in den letzten Monaten weitgehend verflogen. Am vergangenen Freitag, dem Handelstag nach Verkündung der jüngsten Ergebnisse, brach der Kurs erneut um gut elf Prozent ein, seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 20 Prozent ihres Wertes verloren. Vor allem auf dem wichtigen US-Markt für Geschäftskunden-Handys jagen neue Wettbewerber RIM Anteile ab. Schicke mobile Kleinstcomputer mit Touchscreen, allen voran Apples iPhone, aber auch Geräte mit dem Betriebssystem Android des Internetkonzerns Google lassen die Klassiker aus der Universitätsstadt Waterloo im Südwesten von Toronto alt aussehen. Cooles Design und das breite Angebot an Softwareanwendungen, den Apps, ziehen nicht mehr nur bei privaten Nutzern, sondern immer stärker auch bei Geschäftsleuten. RIMs Bastion bröckelt, der Nimbus ist verloren.
Dabei galten die Blackberrys dank ihrer leicht zu bedienenden Tastatur und des E-Mail-Diensts, der die Nachrichten laufend an den Nutzer weiterleitete, über Jahre als "Goldstandard" in diesem Segment. So unkompliziert war damit das Empfangen und Schreiben von E-Mails, dass viele Nutzer aus den Topetagen kaum mehr die Finger und Augen von dem handtellergroßen, schwarzen Ding lassen mochten. "Crackberry" lautete wegen des Suchtfaktors bald der Spitzname.
Wer aber heute etwas hermachen will oder demonstrieren muss, dass er am Puls der Zeit ist, der zückt ein Smartphone von der Konkurrenz. Ob TUI-Vorstand Michael Frenzel oder Germanwings-Chef Thomas Winkelmann - der neue Trend ist auch in deutschen Chefetagen angekommen. "Immer mehr Manager haben den Blackberry in der rechten und das iPhone in der linken Tasche", sagt Jan Kokott, Experte für mobile Endgeräte beim IT-Dienstleister Logica, wo die deutschen Mitarbeiter inzwischen iPhones als Diensttelefone nutzen. "Doch viele Unternehmen zögern noch, weil sie Sicherheitsbedenken haben und sich in den Firmen eingeführte Funktionen nicht ohne Weiteres vom Blackberry auf das iPhone übertragen lassen", sagt Kokott.
So sind es vorerst nur einzelne Unternehmen wie Logica, der Medienkonzern Axel Springer, der amerikanische Brillenhersteller Bausch & Lomb oder die britische Bank Standard Chartered, die ihren Mitarbeitern iPhones als Dienstgerät anbieten. Denn bislang findet RIM mit der eingeführten und erprobten Technologie vor allem in den IT-Abteilungen der großen Konzerne starke Fürsprecher. "Das iPhone unterstützt die gängigen mobilen Sicherheitsmaßnahmen in Unternehmen immer noch ungenügend. Daher ist es für Systemadministratoren häufig ein rotes Tuch", sagt Mirko Gramatke vom Beratungsunternehmen Capgemini. Schließlich sind die Blackberrys voll auf den Einsatz in Unternehmen ausgerichtet: E-Mails werden verschlüsselt übertragen, der Zugriff auf firmeninterne Ressourcen und Informationen kann zentral gesteuert und die Daten auf dem Gerät können - etwa im Falle eines Verlusts - von der IT-Abteilung gelöscht werden.
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