Es dauert eine Weile, Martin Sonneborn auf der mit Geranien geschmückten Terrasse des Göttinger Hotels Gebhards Statements über das Thema Finanzen zu entlocken. Schließlich beginnt der Teilzeitpolitiker (Die Partei) Gespräche am liebsten mit den Worten „Ich bin hier, um die Macht zu übernehmen“ oder „Sie sind der Fotograf? Sie machen einen Superjob“. Ein nicht immer ganz ernst gemeintes Interview abseits von Parteipropaganda.
Herr Sonneborn, Sie sind korrekt angezogen, die Haare ordentlich gescheitelt. Warum sind Sie als gelernter Versicherungskaufmann nicht in der Branche geblieben?
Das war zu langweilig. Ich habe mir mit der Ausbildung elternunabhängiges Bafög erschlichen. Außerdem zahlten Banken und Versicherungen die höchsten Vergütungen.
Bei den hohen Provisionen hätten Sie sich doch eine goldene Nase verdienen können ...
Stimmt, ich habe auch sofort ein System ausgetüftelt, mit dem ich hätte reich werden können: Die Bundesrepublik Deutschland sollte den Leuten, die zur Bundeswehr gehen, die Lebensversicherungszahlungen finanzieren, wenn die Versicherung ein Jahr zuvor bestanden hat. Danach sollten diese kündigen und den Rückkaufwert einstreichen. Ich hätte die Provision kassiert - und die Versicherten den Überschuss, um den der Rückkaufwert ihre Zahlungen überstieg. Im besten Fall hätte das die Versicherung ruiniert. Das Projekt ist an mangelnder Energie gescheitert.
Solche Berater hätten der Branche gerade noch gefehlt. Was halten Sie von der aktuellen Diskussion, Finanzberatung ohne Provision, dafür gegen Honorar anzubieten?
Diese Diskussion ist mir nicht bewusst, aber ich unterstütze natürlich die Idee, dass unseriöse Leute nicht mehr als Drücker von Haustür zu Haustür ziehen, sondern für ihre Beratung Geld nehmen. Das wird viele Leute abschrecken, sich überhaupt beraten zu lassen.
Fragen Freunde Sie um Rat, wenn es um Versicherungen geht?
Nein, ich finde Versicherungen auch größtenteils überflüssig. Ich habe natürlich eine Kfz-Haftpflicht, eine Hausrat, und ich habe sogar mal über eine Fahrradversicherung nachgedacht.
Die gilt als eine der unsinnigsten ...
In Berlin werden aber unheimlich viele Fahrräder gestohlen. Aber 100 Euro für eine Versicherung sind abschreckend.
Apropos abschreckend: Hätten Sie den Sexskandal bei der Ergo-Versicherung, bei dem sich Mitarbeiter auf einer Reise mit Prostituierten vergnügten, satirisch toppen können?
Die frivolen Wasserspiele in Budapest? Das ist nicht einfach. Vor allem die Details mit den Bändchen sind schwer zu überbieten: Die Damen mit weißen Bändchen für die Chefs und die Topverkäufer. Dann gab es noch blaue Bändchen. Sie haben da ein gelbes Bändchen (zeigt aufs Armband der Interviewerin), das kann ich nicht einordnen.
Ich auch nicht. Aber warum haben Sie sich diese Geschichte lange entgehen lassen?
Wir hatten bei der ZDF-"heute-show" die Idee, die Spargelfahrt der Berliner SPD auf dem Wannsee als Fahrt der "besten Sozialdemokraten" zu verkaufen. Da war auch eine Spargelkönigin, die habe ich gefragt, wie groß denn so ein Spargel werden kann, wenn man sich gut um ihn kümmert. Sie hat geantwortet, Spargel könnten in der Nacht um sieben Zentimeter wachsen. Wir haben die Ergo-Geschichte natürlich als satirisches Material wahrgenommen.
Sie haben mal gesagt, Satire könne man nur machen, wenn man empört ist. Was empört Sie an der Finanzbranche?
Ich höre einfach wenig Gutes aus diesem Bereich. Die Griechenland-Krise wird auf dem Rücken des kleinen Mannes von der Straße - und seiner Frau - ausgetragen, anstatt die Banken in die Verantwortung zu nehmen.
Wie hätte das geschehen sollen?
Ich hätte Banken, die gut an horrenden Zinsen verdient haben, gezwungen, jetzt auch die Verluste mitzutragen. Notfalls mit Ermächtigungsgesetzen.
Steht das auch auf Ihrer Partei-Agenda?
Das steht hier oben auf meiner Agenda (tippt sich an die Stirn). Unser Parteiprogramm haben wir von den Grünen abgeschrieben und etwas humanisiert.
Quelle: capital.de
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