28.05.2010

Meetings im Airport: Treffen sich zwei Topmanager

Von: Christian Kirchner, Frankfurt
In ist, wer drin ist: Die Konferenzräume im Frankfurter Airport Club sehen ein bisschen nach Bonner Bundeskanzleramt aus - und tatsächlich wurde hier mehr als einmal Wirtschaftsgeschichte geschrieben
Zoom In ist, wer drin ist: Die Konferenzräume im Frankfurter Airport Club sehen ein bisschen nach Bonner Bundeskanzleramt aus - und tatsächlich wurde hier mehr als einmal Wirtschaftsgeschichte geschrieben
© FTD
Der Frankfurter Flughafen beherbergt einen der exklusivsten Salons der deutschen Wirtschaft: Der Airport Club bietet Diskretion, viel 80er-Jahre-Charme - und ein Plätzchen für geheime Treffen aller Art.

Die entscheidende Ecke kommt erst ganz zum Schluss. Ein paar Hundert Meter weit ist der Gast schon durch das Airport Center 1 marschiert, vom Terminal oder dem Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens kommend. Hat ein bisschen den Muff der 80er-Jahre geschnüffelt, den die damals errichteten Zweckgebäude irgendwie alle verströmen. Und steht dann ganz am Ende eines Gangs vor einem Lift, der in den neunten Stock führt. Airport Club. Zutritt nur für Mitglieder und ihre Gäste.

Auf dem Papier hat diese Einrichtung nichts, was andere Klubs und Lounges nicht auch hätten: 32 Räume mit den üblichen Namen wie "Paris" und "Oslo" auf dem Türschild, Softdrinks in der Ecke, zwei Duschseparees. Businesskleidung ist erwünscht, grüßt ein Schild am vollmarmorierten Empfang. Und das mobile Internet ist aus Sicherheitsgründen verschlüsselt.

Wirtschaftsgeschichte wird im Airport geschrieben

Warum also wird ausgerechnet im Frankfurter Airport Club so oft deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben? Hier hat die Familie Schaeffler dem Continental-Management eröffnet, dass man eine Übernahme plane. Hier hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Managerelite Deutschlands auf schwere Zeiten durch die Finanzkrise eingeschworen. Hier werden regelmäßig Millionentransfers von Fußballspielern eingetütet. Und hier beginnen Karrieren, wenn sich Personalberater mit Kandidaten treffen. Über die Mitgliederliste schweigen sich die Betreiber aus, namentlich will kaum ein Mitglied über den Klub reden.

Dass der 1988 gegründete Airport Club aber läuft und 2009 sogar ausgebaut wurde - in den letzten Jahren hat er immer schwarze Zahlen geschrieben, sagt Geschäftsführer Roland Ross -, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass sich die Mitglieder für 1300 Euro Jahresbeitrag zwei Dinge kaufen, die eigentlich unbezahlbar sind - Zeit und vor allem: Diskretion. Im Quadrat laufen die Gänge des Airport Clubs durch die komplette neunte Etage rund um den Innenhof des Gebäudes; beinahe ungesehen kann der Besucher in einen der schalldichten Räume abbiegen oder wieder herauskommen. Und wer auch beim Essen lieber unter sich bleiben will, statt in den öffentlichen Restaurantbereich zu gehen, kann sich sein von Sternekoch Götz Rothacker kredenztes Mahl auch direkt in den Konferenzraum liefern lassen. Am Ende stehen die Gäste einfach auf und gehen - die Rechnung für Räume und Catering bekommen die Klubmitglieder am Monatsende per Post, was Zeit spart, aber auch die Höflichkeitsdebatten, wer denn nun zahlt.

Wer sich vor allem über Luxus definiert, kommt im Airport Club ebenfalls auf seine Kosten. Im Inneren der 3000 Quadratmeter dominieren dunkle Edelhölzer, schwarzes Leder und viel Chrom in einem Umfang, dass sich "Wall Street"-Ikone Gordon Gekko gewiss pudelwohl fühlen würde. Erst recht, wenn ihm eine der rund 30 Servicekräfte noch eine Zigarre aus dem Humidor reichen würde oder eine Flasche 2003er-Sperss vom italienischen Nobelwinzer Angelo Gaja zu 370 Euro.

Seite   1 | 2 | 

© 2010 ftd

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews