25.03.2010

Reisen ohne Gepäck: Man sieht sich im Hotel

Von: Udo Taubitz
Manche Koffer schaffen es ganz allein zum Zielort
Zoom Manche Koffer schaffen es ganz allein zum Zielort
© Getty Images
Schleppen war gestern: Wer seine Koffer separat reisen lässt, spart Zeit und schont seine Bandscheiben. Am Zielort wartet das Gepäck dann schon.

Manchmal ist es ja regelrecht unheimlich, wie komplikationslos Reisen heute funktioniert. Jedenfalls dann, wenn man sich vor Augen führt, wie unsere Urgroßväter von A nach B kamen. Keine Frage: Es ist eine gute Sache, dass man nicht mehr mit dem Vierspänner zum Meeting nach Genf zuckeln muss und dass man mit Air Berlin nur sechs Stunden nach New York braucht (statt mit dem Schiff fünf Tage). Nur eine einzige Unbequemlichkeit, so scheint es, ist dem Reisenden bis ins 21. Jahrhundert erhalten geblieben: sein Gepäck.

Denn das muss man nicht nur durch Terminals und Bahnhöfe schleppen, man wartet auch eine kleine Ewigkeit darauf am Baggage Claim. Oder anders ausgedrückt: "Gepäck ist nur lästig." So sieht das Katrin Kasper, Inhaberin einer PR-Agentur in Hamburg. "Wenn ich vor dem Flug am Check-in-Schalter Schlange stehe und nach dem Flug eine halbe Stunde warten muss, kostet mich das nicht nur Nerven, sondern auch wertvolle Arbeitszeit." Deswegen checkt sie lieber vom Büro aus online ein - und lässt ihre Samsonites vorausreisen. Starke Männer holen die Koffer ab und schleppen sie am Zielort bis ins Hotelzimmer.

Zugegeben, das klingt ein bisschen versnobt. Ist es aber nicht, sagt Marco Engel, Geschäftsführer von Sunspeed Express Logistic in Barsbüttel. "Vor allem Mittelständler auf Geschäftsreise nutzen unseren Service. Und Frauen, die zur Kur fahren." Seit einem Jahr bietet Engels Firma europaweiten Gepäckversand an. Ein Koffer reist für 25 Euro und braucht innerhalb Deutschlands einen Tag. Nach Paris dauert es einen Tag länger und kostet 45 Euro. Wer mag da noch selbst schleppen?

Tatsächlich schont der Kofferservice nicht nur Nerven und Knochen, sondern auch das Reisebudget - zumindest, wenn viel Zeug mitmuss. Wer zum Beispiel Economy mit der Lufthansa nach Paris fliegt, hat 20 Kilo Gepäck frei. Jedes Kilo extra kostet 10 Euro. Für einen 30 Kilo schweren Trolley würde man also 100 Euro Gebühr zahlen - doppelt so viel wie bei Sunspeed. Und dann stöhnt wahrscheinlich auch noch der Taxifahrer über die Last.

Schnelle Erleichterung verspricht schwerelosreisen.de, ein Service der Deutschen Gepäcklogistik, den man rund um die Uhr im Internet buchen kann. Zu den Kunden gehören "Fußballklubs, Microsoft und viele Businessreisende aus Asien", wie Geschäftsführer Alexander Zarbounis sagt. Er garantiert die Lieferung im angrenzenden Ausland bis 15 Uhr des nächsten Tages. Ein Koffer nach Prag kostet 69 Euro - von Haus zu Haus.

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