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22.12.2011

Weinbau: Weibliches Terrain

Von: Thomas Lötz
Meike (l.) und Dörte Näkel arbeiten sich hier ins väterliche Weingut Meyer-Näkel ein
Zoom Meike (l.) und Dörte Näkel arbeiten sich hier ins väterliche Weingut Meyer-Näkel ein
© Achim Multhaupt
Junge Winzerinnen erobern allmählich eine Männerdomäne. Sie wissen nicht nur ihre Weine, sondern auch sich selbst in Szene zu setzen.

Grand Cru, sitz, komm her, Grand Cru!" Désirée Eser steht im gepflasterten Hof ihres Weinguts. Das Haus nebenan ist 350 Jahre alt, der Wein rankt quer über den Hof und spendet Schatten, es ist ein warmer Tag im Rheingau. Weshalb ruft sie ihren Hund eigentlich "Grand Cru"? "'Großes Gewächs` hätten wir ihn nicht nennen können, das kann man nach zwei Gläsern Wein ja nicht mehr fehlerfrei aussprechen." Eser lacht.

"Grand Cru", also "Großes Gewächs", ist die höchste Klassifikationsstufe für Wein. Führen dürfen sie ausschließlich Weine der 200 VDPWinzer, des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter. Das Weingut August Eser zählt zu dieser Eliteklasse. Dass der Chef dieses zehn Gene rationen alten Unternehmens eine Frau ist, irritiert offenbar. Erst neulich wurde die 33- Jährige bei einer Preisverleihung als "Herr Eser" auf die Bühne gebeten.

Dabei nähern sich die Zeiten, in denen Weinanbau ein männlich dominiertes Terrain war, ihrem Ende. Zwar werden gerade einmal fünf Prozent der Betriebe von Frauen geführt, aber immer mehr junge und bestens ausgebildete Winzerinnen rücken nach. 2009 wurde erstmals eine Frau zum "Jungwinzer des Jahres" gewählt, die damals 25-jährige Franziska Schätzle. Ihr Nachfolger ist wieder eine Frau, die 26-jährige Ilonka Scheuring. An der Spitze des Deutschen Weininstituts steht, seit vier Jahren, Monika Reule. Weinkennern fallen auf Anhieb Namen von hervorragenden Weingütern ein, die von Frauen geführt werden: Carolin Spanier-Gillot etwa, Anette Closheim, Tina Pfaffmann oder Caroline Diel.

"Sie haben früh die ganze Weinbergarbeit gemacht"

Wird auch Zeit, finden die beiden Näkels, Meike und Dörte. Die Schwestern übernehmen bald das Gut ihres Vaters in Dernau an der Ahr, das Weingut Meyer-Näkel. "Frauen waren in Weingütern schon immer sehr präsent", sagt Meike Näkel. "Sie haben früh die ganze Weinbergarbeit gemacht." Neu sei einzig, dass die Frauen sich endlich als Unternehmerinnen verstehen. Und entsprechend handeln.

Dass Frauen nun das letzte Wort haben wollen, hat mit ihrer Ausbildung zu tun. 30 Prozent der Studierenden, die an der Hochschule Rhein Main in Geisenheim Weinbau belegen, sind Frauen. Im Studiengang Internationale Weinwirtschaft, in dem überwiegend betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden, sind genauso viele Männer wie Frauen eingeschrieben. Damit hat sich die Zahl der Studentinnen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

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Quelle: impulse
© 2011 impulse.de

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