Hätte Microsoft Windows Phone 7 bereits vor einem Jahr auf den Markt gebracht, dann wäre das Wachstum des Handy-Betriebssystems von Google sicherlich nicht so rasant verlaufen. Handyhersteller wie Motorola und Sony Ericsson hätten eine echte Alternative zu Android gehabt, der weltgrößte Softwarekonzern hätte im mobilen Internet wohl Marktanteile gewonnen statt verloren. Aber die Vielzahl verwendeter Konjunktive in den ersten beiden Sätzen verdeutlichen das Kernproblem: Microsoft kommt zu spät.
Schade eigentlich - denn Windows Phone 7 hebt sich wohltuend von mit kleinen Icons überfrachteten iPhones und Android-Geräten ab. Die gut fingernagelgroßen Kacheln strahlen Interaktivität aus: Auf dem Kontaktefeld blinken Fotos und das Facebook-Symbol auf. Übersichtlich werden die Anzahl neu eingegangener SMS oder E-Mails und Updates im Online-Store Windows Marketplace angezeigt.
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Zudem hat Microsoft eine elegante Lösung gefunden, zugleich die Wiedererkennbarkeit der Benutzeroberfläche zu gewährleisten und gleichzeitig die von Konsumenten gewünschte Personalisierung zu garantieren: Nutzer können nicht nur die Kacheln hin- und herschieben und fast beliebig austauschen. Handyhersteller und Mobilfunkprovider haben zudem die Möglichkeit, die Konsumenten aus der Windows- in ihre Welt zu überführen.
Vodafone beispielsweise hat auf dem ersten Windows-Phone-7-Gerät von LG eine Kachel auf der Startseite hinterlegt, die zum Internetportal Vodafone 360 führt. Über den so genannten HTC Hub gelangt der Nutzer von Windows-Geräten des taiwanischen Smartphone-Spezialisten an Elemente der Benutzeroberfläche Sense, die ihm gegebenenfalls von Android-Geräten bekannt ist.
Windows Phone 7 arbeitet mit angeschnittenen Schriften und Bildern. Damit verstößt ausgerechnet der angepasste und konservative Microsoft-Konzern gegen von Betrachtern erwartete Konventionen und hebt sich gerade mit diesem radikalen und - ja - coolen Designkonzept von der Masse ab.
Der weltgrößte Softwarekonzern kann zudem seine Stärke ausspielen und bietet eine optimale Verknüpfung mit Office-Anwendungen. Zugleich ermöglichen die Geräte Zugang zum Spielkonsolen-Netzwerk Xbox live sowie zur Musik- und Videoplattform Zune, die bislang nur in den USA verfügbar war. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Selbst wenn das Smartphone im Stand-by-Modus mit abgedunkeltem Bildschirm operiert, genügt ein Tastendruck, um die Kamera zu aktivieren.
Microsoft hat mit Windows Phone 7 einen großen Wurf gelandet. Nur leider mindestens ein Jahr zu spät. Mobilfunkprovider haben auf eine Alternative zu Apple und Android gewartet. Die Konsumenten nicht.
Von Björn Maatz
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