Die zwei Leben des Daniel Shore
Man könnte Nikolai Kinskis Filmrolle auch als Trotzreaktion verstehen - auf die ewige Konfrontation mit seinem berühmten, 1991 verstorbenen Vater. Immerhin verkörpert er in Michael Drehers erstem Spielfilm eine Figur, deren paranoide Furcht vor der Vergangenheit geradezu nach biographischer Deutung schreit. So viel Mut verdient Respekt. Realität und Fantasie verschwimmen in Drehers kafkaeskem Psychothriller. Darin wird der Doktorand Daniel Shore von traumatisierenden Erinnerungen an einen tragischen Marokko-Aufenthalt heimgesucht. Dunkle Treppenfluchten und skurrile Mitbewohner bestimmen Daniels Leben im Haus der verstorbenen Großmutter. Welches Geheimnis sich dort verbirgt, suggeriert die Kamera in düster-symbolischen Bildsequenzen. Während der Plot sich in der allzu verschachtelten Struktur verliert, verleiht Kinski dem Albtraum in Daniels Kopf trotz sparsamster Mimik quälende Präsenz. Wer damit einen ganzen Film tragen kann, muss keinen Vergleich mehr scheuen.
Von Katrin Kothes
Die zwei Leben des Daniel Shore |
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Deutschland/Marokko 2009 |
Länge: 95 Min. |
Regie: Michael Dreher |
Darsteller: Nikolai Kinski, Katharina Schüttler, Morjana Alaoui, Sean Gullette, Matthias Matschke |
Bewertung: 4 von 5 Punkten |
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