Management 6 Pokerweisheiten für Unternehmer

Unternehmerin Vanessa Weber hat vor vier Jahren ihre Begeisterung für Poker entdeckt. In ihrem impulse-Blog erklärt sie, wie sie beim Kartenspiel für Kundengespräche trainiert und welche Tipps sie anderen Firmenchefs gibt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich will niemanden in die Spielsucht treiben! Ich bin leidenschaftliche Pokerspielerin und möchte in diesem Blogbeitrag erklären, warum mich dieses Hobby auch als Unternehmerin weitergebracht hat. Den wichtigsten Punkt deshalb zuerst: Es geht nicht darum, Haus und Hof zu verzocken – sondern darum, die analytischen Fähigkeiten zu schulen und dabei auch noch Spaß zu haben.

Der Virus hat mich vor rund vier Jahren im Kreise der Familie gepackt, als jemand einen Pokerkoffer mitbrachte. An diesem Abend dachte ich mir: „Um Gottes Willen, die Regeln lerne ich doch nie!“ In den Tagen darauf habe ich mir Turnierspiele im TV angesehen und schnell gemerkt, dass im Grunde gar nicht soviel Glück – dafür aber logische Strategie dahintersteckt. Mit etwas Zeit und Übung habe ich mittlerweile ein ganz gutes Händchen entwickelt.

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Finger weg von Cash-Games!

Ich spiele privat oder Turnierpoker – keine Cash-Games! Beim Turnierpoker zahle ich einen fixen Betrag, beispielsweise 50 Euro und erhalte dafür 10.000 Euro (unechtes) Spielgeld. Damit kann ich dann mehrere Stunden pokern, vorausgesetzt, ich fliege nicht raus. Als Siegprämie winken in der Regel Ruhm und Ehre, ein Sachpreis oder man bekommt anteilig, was im Pot liegt. Verzockt man sich, sind lediglich die 50 Euro weg.

Bei Cash-Games hingegen lädt man immer wieder reales Geld nach. Das sind die Spiele, bei denen auch schnell mal der Autoschlüssel in der Tischmitte landet. Ich kann jedem nur raten, die Finger davon zu lassen. Denn an solchen Tischen sitzen Leute, die genau wissen, wie man – vor allem Anfängern – das Geld aus der Tasche zieht.

Vom Pokertisch zum Kunden

Gut, Pokern ist meine private Leidenschaft – aber warum nutzt es mir in meinem Arbeitsalltag als Unternehmerin? Ich habe gemerkt, dass es viele Fähigkeiten trainiert, die ich auch in meiner Firma brauche, beispielsweise die Fähigkeit, andere Personen schnell einzuschätzen.

Beim Kartenspiel ist es wie überall im Leben: Es gibt Menschen, die zurückhaltend oder forsch agieren, strategisch oder unberechenbar vorgehen, bluffen oder das Herz auf der Zunge tragen. Je eher ich das durchblicke, desto besser. Schnauft mein „Gegner“ laut aus bei guten Karten? Wird er bei Nervosität leicht rot? Pokern schult das Auge, für die kleinen Auffälligkeiten.

Dieses spielerische Training kommt mir später bei Kunden oder in Verhandlungen zugute. Wenn ich eine Schwäche entdecke, kann ich dort einhaken. Am Pokertisch habe ich die Möglichkeit, genau das zu üben. Überlegen Sie sich mal, wie viele Kundengespräche ich dafür führen müsste!


Bilderstrecke: Pokerweisheiten für Unternehmer


Ein weiterer nützlicher Aspekt des Kartenspiels: Man baut sich ein Image auf – vergleichbar mit dem Thema Markenbildung. Im Alltag kann ich beispielsweise die Zurückhaltende sein, am Pokertisch aber die Herausfordernde.

Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die das Herz auf der Zunge tragen und bin leider immer noch gut lesbar – aber nicht mehr so sehr wie früher. Generell unterschätzen mich die Menschen oftmals, sowohl beim Poker, als auch anfangs im Job. Beim Kartenspiel denken sich viele: „Ach komm, das Mädel verjagen wir jetzt vom Tisch“. Gleiches gilt in der Geschäftswelt: Da wurde ich als Frau oft unterschätzt, so nach dem Motto: „Was will mir das Mädchen jetzt von Werkzeug erzählen“. Beißen sich dann die Männer die Zähne aus, ist das schon ein besonderes Erfolgserlebnis.

Zum Abschluss noch ein kleiner Exkurs zum Thema Begrifflichkeiten: Beim Pokern heißt der Mitspieler „Gegner“. Dabei muss man „Gegner“ in Anführungszeichen setzen, denn manchmal bin ich selbst mein „Gegner“, weil ich mir im Weg stehe, oder die Zeit ist der „Gegner“ weil die Deadline eines Projekts näher rückt. Das ist nichts Böses, sondern nur ein Synonym – und natürlich sollte man seinen Kunden nicht als richtigen Gegner betrachten.

Meine 7 Regeln, wie Sie Poker im Alltag nutzen können:

1. Kenne und visualisiere das Ziel
2. Kenne die Regeln
3. Realitätscheck: Stärken / Schwächen
4. Wer ist mein Gegenüber
5. Aktuelle Situation / Vorgehen planen
6. Das Finale bestreiten
7. Reflektieren

Konkretes Beispiel: Abnehmen

1. Kenne und visualisiere das Ziel: 5 Kilo in 6 Wochen
2. Kenne die Regeln: Süßes und Kaffee sind tabu
3. Realitätscheck Stärken / Schwächen: 20 Kilo in 5 Tagen sind nicht machbar
4. Wer ist mein Gegnerüber: ich selbst
5. Aktuelle Situation / Vorgehen planen: gesunder Einkauf und Menüplanung
6. Das Finale bestreiten: 4 Kilo sind geschafft, nicht aufgeben!
7. Reflektieren: Wie ist es mir in den 6 Wochen ergangen?

2 Kommentare
  • Arno Spiethoff 17. März 2015 17:28

    sehr kurzer artikel mit wenig aussagekraft

  • Michael Schölkopf 1. September 2014 14:27

    Vielen Dank für den Artikel.

    Die Analogien zwischen dem Pokerspiel und Unternehmertum ist mir ebenfalls aufgefallen. Ich hätte die 6 „Pokerweisheiten“ gerne noch spezifischer analog auf die Aufgaben für Unternehmer übertragen.

    Einige Parallelen, die ich wichtig empfinde:
    „It’s not about the number of pots you win but about the amount of money.“ – Man muss nicht jede Verhandlung um jeden Preis gewinnen.

    „Money which you contributed to the pot is not longer yours.“ – Bisherige Investments sollten nicht heutige Entscheidungen beeinflussen. (vgl. sunk cost fallacy)

    „You have to think about what your opponent thinks about you“ – Versetze dich in andere hinein; wie wirkst du auf sie?

    Es gibt allerdings auch einige markante Unterschiede:
    „Disguise your hand“ – Sich nicht in die Karten schauen lassen, entspricht nicht meiner Idee von vertrauensvoller Zusammenarbeit.
    „Don’t trust“ – Ich vertraue den Menschen, mit denen ich arbeite.

    Schöne Grüße

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