Natürlich ist das für ihn eine Krönung, auch wenn sich die Vita des Adrian Smith schon vorher beeindruckend las: Die Pläne für Dutzende Wolkenkratzer auf der ganzen Welt stammen aus seiner Feder, für viele hat er Preise eingeheimst, Carol Willis, die einflussreiche Chefin des Skyscraper Museum in Manhattan, nennt ihn "einen wahren Künstler".
Nun aber, mit der Einweihung des Burj Dubai am heutigen Montag, setzt sich der 65-jährige Stararchitekt Smith sein eigenes Denkmal: das höchste Gebäude der Welt. 818 Meter, 162 bewohnbare Stockwerke, offiziellen Angaben zufolge rund 3 Milliarden Euro teuer. Smith selbst sagt über das Projekt: "Wir wollen hier Wahrzeichen bauen - einfach weil wir es können." Es klingt beinah, als wäre er während der fünfjährigen Bauzeit zu einem Bestandteil der Herrscherfamilie von Dubai geworden.
Smith, der aus Chicago kommt und an der dortigen University of Illinois studierte, ist seit Jahrzehnten in der Golfregion gefragt. Als Partner des Architekturbüros Skidmore, Owings & Merrill baute er schon 1984 das United Gulf Bank Building in Bahrain. Dabei war er stets bemüht, auch in der unwirtlichen Umgebung seinem Credo treu zu bleiben: Ein neues Gebäude soll mit seinem Umfeld korrespondieren, einen Bezug zu ihm herstellen. In Bahrain ließ er sich beispielsweise von den geschwungenen Booten der Perlenfischer mit ihren bunten, als Sonnenschutz dienenden Stoffen inspirieren. Für den Turm von Dubai wiederum stand eine sechsblättrige Wüstenblume Modell.
Den nach oben immer schlanker zulaufenden Burj Dubai hat Smith mitten in den Sand gebaut. Wegen der häufigen Wüstenstürme habe er auf horizontale Streben in dem Turm verzichten müssen, damit sich der feinkörnige Sand nicht dort absetzen könne. Rund 850 Pfähle mussten bis zu 55 Meter tief in den kargen Boden getrieben werden. Fünf Jahre lang schufteten 13.000 Arbeiter aus 140 Ländern.
Bis vor wenigen Wochen war nicht einmal sicher, ob das gigantische Bauwerk am Tag des vierten Amtsjubiläums von Scheich Mohammad Bin Raschid Al Maktum - dem Chef der Herrscherfamilie - überhaupt eröffnet werden würde. Ende November hatte das finanziell angeschlagene Emirat um Zahlungsaufschub für das hoch verschuldete Staatsunternehmen Dubai World gebeten. Doch das Nachbaremirat Abu Dhabi sprang ein.
Wichtig war es dem Scheich, dass der Burj Dubai bei der Eröffnung auch tatsächlich der höchste Turm der Welt ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, setzte Smith in den Bauplan Elemente ein, die den Wolkenkratzer notfalls auf den letzten Metern noch verlängern konnten. Der Architekt, der sich inzwischen mit einem eigenen Büro in Chicago selbstständig gemacht hat, ist jedoch Realist: Der Burj Dubai sei schon jetzt mehr Vergangenheit als Zukunft. Spätestens in fünf Jahren gebe es irgendwo auf der Welt ein noch höheres Gebäude.
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