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14.12.2011

Arbeitsmarkt: Die Mär von der fehlenden Fachkraft

Von: Carolyn Braun
Ingenieure dringend gesucht?
Zoom Ingenieure dringend gesucht?
© Getty Images = Getty Images
Fachkräftemangel scheint eher ein statistisches Problem zu sein - zumindest bei Ingenieuren. Dass manche Unternehmen trotzdem klagen, ist für Fachleute nachvollziehbar.

Karl Brenke bestreitet, dass Deutschland so langsam die qualifizierten Fachkräfte ausgehen. Der Fachkräftemangel sei eine "Fata Morgana", glaubt der Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zumindest sei es enorm schwierig, diesen Mangel wissenschaftlich zu belegen. Ihm sei das wenigstens nicht gelungen.

Brenke ist keineswegs eine Kassandra, allein und unverstanden. Auch Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager, hegt gewisse Zweifel am Fachkräftemangel. "Meines Wissens gibt es keine einzige empirisch fundierte Untersuchung, die belegt, wo wir aus welchen Gründen in welchem Maß unter Fachkräftemangel leiden." Sauer zitiert eine KfW-Studie, in der die zentralen unternehmerischen Herausforderungen abgefragt werden. Die Schwierigkeit, künftig an ausreichend qualifiziertes Personal zu kommen, nannte nur eines von 100 befragten Unternehmen.

Brenke hält es für wahrscheinlich, dass der angebliche Fachkräftemangel auf einem Denk- und Rechenfehler beruht. Meist werden die bei den Arbeitsämtern registrierten offenen Stellen - multipliziert mit einem Faktor, der abbildet, dass die Firmen nicht alle Stellen melden - mit der Zahl der Arbeitslosen abgeglichen. Zwischen beiden Zahlen klafft eine Lücke - der angebliche Fachkräftemangel.

Sorry, kein Fachkräftemangel

So funktioniere der Arbeitsmarkt nicht, hält Brenke dagegen. Er rechnet anders. Zunächst zählt er die Menge an Beschäftigten, die etwa durch Rente oder Elternzeit dem Arbeitsmarkt verloren gehen. Dazu addiert er den zusätzlichen Bedarf an Mitarbeitern, den Unternehmen in einer Wachstumsphase haben. Diese Summe vergleicht er mit dem nicht ausgeschöpften Potenzial an Arbeitskräften, also den Arbeitslosen, den Berufsanfängern, der stillen Reserve. Und stellt fest: sorry, kein Fachkräftemangel.

Dieser Befund gilt zumindest für die Ingenieure, für die er das ausgerechnet hat. Wären die Ingenieure tatsächlich ein immer knapperes Gut, sagt Brenke, hätten zudem ihre Löhne steigen müssen. Doch unter Berücksichtigung der Kaufkraft sind sie sogar gesunken.

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Quelle: impulse
© 2011 impulse.de

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