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11.08.2011

Ausbildung: Leere Stellen statt Lehrstellen

Von: Wiebke Harms
Ausbilden für die Zukunft
Zoom Ausbilden für die Zukunft
© Getty Images
Jedes vierte Unternehmen sucht vergeblich nach Lehrlingen. Dagegen hilft nur eines: sich den Nachwuchs frühzeitig selbst heranzuziehen. Viele Mittelständler bringen Azubis bereits auf den Stand, den diese für die Karriere im eigenen Haus brauchen.

Thomas Weckerlein gibt sich schon mit kleinen Erfolgen ­zufrieden. Denn wenn er in Schulklassen erzählt, wie man auch mit einer Ausbildung zum Verkäufer richtig Karriere bei seinem Arbeit­geber Wöhrl machen kann, hören ihm nur die wenigsten richtig zu. Weckerlein ist der Personalchef des Nürnberger Mittelständlers und Ernüchterung gewohnt: "Wenn von 50 oder 100 Zuhörern auch nur einer dabei ist, der zu uns passt, dann hat es sich für mich gelohnt", erklärt er den Sinn seiner Ochsentour durch die Klassenzimmer.

Weckerlein betreibt Ausbildungsmarketing. Aber er wirbt nicht um Hochqualifizierte, er wirbt für sein Unternehmen als Lehrbetrieb. Gute Lehrlinge sind Mangelware; das ist nicht nur im Handel ein Problem, sondern in allen Branchen. Auch bei dem Maschinenbauer Trumpf etwa bewerben sich immer weniger Jugendliche auf Lehrstellen für Industriemechaniker oder Mechatroniker. Noch sei das kein allzu großes Problem, aber Ausbildungsleiter Andreas Schneider erkennt "eine Tendenz, die uns Sorgen bereitet".

Weniger junge Leute, Neuerungen im Bildungssystem

Nöte, die einer Umfrage des Industrie- und Handelskammertags zufolge bereits ein Viertel aller deutschen Betriebe kennt: Besonders in Ostdeutschland kämpfen die Unternehmen mit dem Azubimangel, jedes dritte suchte dort 2010 vergeblich nach Nachwuchs.

Das hat zum einen demografische Gründe: Jedes Jahr verlassen weniger Jugendliche die Schulen. 2005 waren es 940.000, im vergangenen Jahr nur noch 850.000. Dieses Frühjahr haben in Niedersachsen und Bayern zwar gleich zwei Jahrgänge ihr Abitur gemacht. Das nützt den Unternehmen jedoch wenig, da die meisten der Schulabgänger studieren wollen. Weil die Wehrpflicht wegfällt, können die Betriebe allerdings zumindest auf ein paar Bewerber mehr hoffen.

Zu wenig Wissen bei den Bewerbern

Das Problem wird verstärkt, weil die Bewerber oft nicht die Erwartungen der Unternehmen erfüllen. So ist Weckerlein zwar mit der Menge an Kandidaten zufrieden, aber die Qualität ihrer Bewerbungen findet er schlecht. "Man spricht gern von einer Zwei-Klassen-Medizin. Aber ich glaube, wir haben inzwischen auch eine Zwei-Klassen-Schulbildung", sagt er. Die rund 350.000 Abiturienten dieses Jahres werden großteils studieren, Praktika machen, ins Ausland gehen und so viele Qualifikationen erwerben. Ihnen gegenüber stehen schätzungsweise 45.000 Jugendliche, die in diesem Jahr die Hauptschule ohne Abschluss verlassen haben.

Rund die Hälfte der Betriebe klagt, dass selbst die Bewerber mit Schulabschluss nicht rechnen oder nur mangelhafte Schreibkenntnisse vorweisen können. Weckerlein etwa muss immer wieder mitansehen, wie Bewerber an einfachen Rechenaufgaben scheitern. "Wenn an einem Kleiderständer steht, dass es 30 Prozent Rabatt auf die Artikel gibt, haben viele Probleme, das auszurechnen", sagt der Personalleiter.

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Quelle: ftd.de
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