Bevor es ernst wird, sorgt der frühere Bertelsmann-Chef vor dem Oberlandesgericht München erst einmal - ungewollt - für Heiterkeit. Wie jeder Zeuge wird der Rheinländer nach seinem Alter in vollendeten Jahren gefragt. 53, antwortet er. Muss sich aber korrigieren, er sei 1953 geboren, also 54 Jahre alt. Huch? Hat er sich da nicht verrechnet? Dem Publikum fällt der Lapsus auf - und Middelhoff korrigiert sich: "58 Jahre."
Nachdem das geklärt ist, geht es um die Umstände der Kirch-Pleite im Jahr 2002. Middelhoff soll Licht ins Dunkel bringen. Hat der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer mit öffentlichen Äußerungen die Pleite Kirchs verursacht?
Einsilbigkeit des Bankers
Middelhoff schildert die Details eines hochkarätigen Gesprächs mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Bei der Unterredung zwischen Schröder und Wirtschaftsvertretern habe sich der Banker nicht abfällig über Kirch geäußert. Im Gegenteil. Breuer sei so "zugeknöpft" gewesen, dass die Unterredung ergebnislos geblieben sei. Grund für die Einsilbigkeit des Bankers sei die Tatsache gewesen, dass das Geldinstitut mit Kirch Geschäfte machte.
Kirch sieht das völlig anders und überzieht Breuer und die Bank seit Jahren mit Prozessen. Der Banker habe den Zusammenbruch seines Unternehmens mit öffentlichen Aussagen über den Zustand der Firma verschuldet, lautet der Vorwurf. Kirch will 3,3 Mrd. Euro Schadenersatz.
Dreh- und Angelpunkt des Streits sind Äußerungen Breuers in einem Interview mit Bloomberg TV im Jahr 2002. Darin hatte er gesagt, "nach allem, was man lesen und hören kann", sei der "Finanzsektor nicht bereit", Kirch weitere Kredite zu gewähren oder Eigenkapital bereitzustellen. In den folgenden Monaten meldeten die Unternehmen der Kirch-Gruppe Insolvenz an. Es war Deutschlands größte Firmenpleite seit dem Zweiten Weltkrieg.
Breuer bedauert seine Aussagen heute und bezeichnet sie als "Unfall". Schuldig fühlt er sich nicht und argumentiert, die Kirch-Gruppe sei wegen unternehmerischer Fehlentscheidungen und ihrer hohen Schulden kollabiert - nicht wegen des Interviews.
Kirch dagegen vermutet, die Bank habe ihn in die Enge treiben wollen, um anschließend am Umbau und Verkauf von Teilen des Konzerns mitzuverdienen. Aus Sicht des Geldinstituts ist das eine völlig absurde Unterstellung.
Middelhoffs Aussage dreht sich an diesem Dienstag vor Gericht vor allem um das Kanzler-Gespräch am 27. Januar 2002. Bei dem Abendessen in Hannover sei es über die ungewisse Zukunft des damals schon angeschlagenen Kirch-Konzerns gegangen. Nicht gesprochen habe man über eine mögliche Aufteilung des weit verzweigten Medienimperiums.
Quelle: ftd.de
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