20.04.2010

CO2-Strategie: Dicke Luft im Mittelstand

Von: Kirsten Bialdiga
Konzerne setzen ihre Lieferanten beim Thema CO2-Vermeidung zunehmend unter Druck
Zoom Konzerne setzen ihre Lieferanten beim Thema CO2-Vermeidung zunehmend unter Druck
© Getty Images
Klimaschutz ist bei vielen Topkonzernen fester Bestandteil der Firmenpolitik. Ihre Zulieferer dagegen gehen weniger offensiv mit dem Thema um. Ein fataler Fehler, der sie die Geschäftsbeziehung kosten kann.

Schon die Homepage ist anders. Ganz oben auf der Seite, wo sonst der Firmenname prangt, blinkt bei EBM-Papst unter der Rubrik Greentech eine Zahl auf: 387.000 Kilogramm. Das ist die Menge an C02, die der Maschinenbauer durch sein neues Werk nach eigenem Bekunden jährlich einspart. Mit der neuen Produktion in Hollenbach hat der Weltmarktführer für Ventilatoren und deren Antriebe den Schritt vom Anbieter energieeffizienter Technologien zum "grünen" Unternehmen vollzogen. Das Werk ist durch Solarzellen und Nutzung der Abwärme komplett energieautark. Sogar die Sprinkleranlage, die eine Million Liter Wasser vorhält, wird als Energiespeicher genutzt.

Der Mittelständler aus dem baden-württembergischen Mulfingen ist eine große Ausnahme. "Das CO2-Bewusstsein ist im deutschen Maschinenbau noch nicht sehr stark entwickelt", meint Daniel Mahler, Vice President bei A.T. Kearney. Die Beratungsfirma hat eine umfassende Studie zum Stellenwert des Klimaschutzes in Großkonzernen und bei ihren Zulieferern vorgelegt, die der Financial Times Deutschland (FTD) vorab exklusiv vorliegt.

Zentrales Ergebnis: Internationale Konzerne setzen ihre Lieferanten beim Thema CO2-Vermeidung zunehmend unter Druck. Weil bereits mehr als die Hälfte der weltweit 500 größten Unternehmen Programme zur CO2-Vermeidung umsetzen, erwarten sie dies auch zunehmend von ihren Zulieferern. Vorreiter sind 44 global tätige Konzerne, darunter Pepsico, IBM, SKF, Unilever und Boeing, die sich an einem US-Projekt zur CO2-Vermeidung beteiligen.

56 Prozent dieser Unternehmen wollen künftig Lieferanten keinen Zuschlag mehr erteilen, die sich nicht zum Ziel setzen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Einige der Konzerne wollen laut Umfrage sogar Verträge mit ihren Zulieferern aufsetzen, die eine Verbesserung der C02-Bilanz zur Bedingung machen. "Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend in allen Branchen verstärken wird", sagte Paul Dickinson, der das Klimaprojekt leitet.

Schwachpunkt in der Überprüfbarkeit

Die Konzerne haben laut der Studie die Erfahrung gemacht, dass sich durch konkrete Klimaziele hohe Effizienzgewinne erzielen lassen. Das Bewusstsein für den Klimaschutz ist dagegen bei vielen Zulieferern noch unterentwickelt. Zwar haben 60 Prozent der befragten 710 Unternehmen ein Vorstandsmitglied zum Klimabeauftragten benannt. Aber nur 38 Prozent verfolgen eindeutige Ziele zur CO2-Vermeidung. "Überraschend ist, dass das Bewusstsein in europäischen Unternehmen nicht stärker ausgeprägt ist als etwa in Asien", sagt Berater Mahler, einer der Autoren der Studie. Viele Unternehmen hätten einfach zu realisierende Einsparpotenziale ausgeschöpft wie etwa das Auswechseln von Glühbirnen. Auch in der Logistik sei einiges geschehen, wie Lkw-Leerfahrten zu reduzieren oder Verpackungen so zu gestalten, dass sie beim Transport weniger Platz benötigen.

Ein Schwachpunkt liege in der Überprüfbarkeit - die Messung der Emissionen sei noch so schwierig, dass laut Studie nur jedes fünfte Unternehmen dazu Angaben machen kann. Standards für regelmäßige Überprüfungen seien in der Entwicklung, so Mahler. "Es sollte Konsens werden, dass Angaben zur CO2-Bilanz ebenso unverfälschbar sind wie Geschäftszahlen."

Gefunden bei
www.ftd.de

Von regelmäßigen Kontrollen ist auch EBM-Papst weit entfernt. Immerhin folgt das Unternehmen einer klaren Leitlinie: Jeder neu entwickelte Ventilator muss in puncto Energieeffizienz besser sein als sein Vorgänger - auch das in Hannover vorgestellte neueste Modell. Wenn alle Ventilatoren in Europa auf diesem neuesten Stand der Technik wären, könnten laut Fraunhofer-Institut vier Großkraftwerke abgeschaltet werden.

Große gehen voran

Effizienz "Durch unser Programm haben wir 2008 unseren Energieverbrauch um 6,1 Prozent gesenkt - das entspricht 215.000 Tonnen C02", heißt es bei IBM.

Strategie "Der Klimawandel könnte die Bedürfnisse der Kunden entscheidend verändern - solche Veränderungen müssen wir antizipieren", begründet Pepsico das Bekenntnis zum Klimaschutz. Auch Hewlett-Packard oder die Allianz erwarten große Geschäftsvorteile.

© 2010 ftd.de

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