Die Protestwelle begann wegen einer riesigen Box. Zwei Meter hoch und zwei Meter breit. Sie stand bis vor einigen Wochen im Eingangsbereich der Rostocker Universität und war gefüllt mit kostenloser Software aus dem Hause Microsoft. Studenten und Mitarbeiter der Hochschule konnten sich gratis bedienen, statt teure Lizenzprodukte kaufen zu müssen.
Die Box und auch die Plakate, die in den Gängen hängen, bringen der Uni Geld von Werbekunden ein. Studentenvertreter wettern, das junge akademische Publikum werde der Werbeindustrie ausgeliefert. Aber die Hochschulleitung sieht es als Chance: Sie will mit den neuen Einnahmen ihren Etat aufbessern.
Zwar dürfen Universitäten seit mehr als 15 Jahren Werbung auf ihrem Campus zulassen, doch sie haben diese Möglichkeit zum Geldverdienen lange nicht genutzt. Stattdessen hingen private Partyplakate über Pizzaservice-Prospekten und WG-Gesuchen, Flyer aller Art bedeckten die Böden. "Es herrschte totaler Wildwuchs", sagt Jochen Taaks, Geschäftsführer der Universität Hamburg Marketing GmbH. Die Unitochterfirma kümmert sich unter anderem um die Werbung auf dem Unigelände in der Hansestadt.
So professionell sind nur wenige Hochschulen organisiert. Viele fangen erst an, sich mit der Vermarktung ihres Campus zu beschäftigen. Bisher habe man sich nicht systematisch um die Werbung gekümmert, sagt zum Beispiel Ulrich Vetter, Sprecher der Uni Rostock. Dabei sind Studenten und wissenschaftliches Personal eine begehrte Zielgruppe. Etwa 13 Mrd. Euro haben allein die über zwei Millionen Studenten in Deutschland jährlich zur Verfügung, eine enorme Kaufkraft, höchst attraktiv für Werbetreibende.
Das will nun auch Rostock nutzen und hat die Aufgabe an eine Agentur vergeben. Die Firma Novus Marketing hat seit Ende des vergangenen Jahres den Auftrag, Werbeflächen der Uni zu vermarkten und zu pflegen. "Unsere Ressourcen reichen nicht aus, um uns selbst darum zu kümmern", sagt Vetter.
Dass die Uni ihre freien Flächen verschachern lässt, ärgert in Rostock viele. Professoren dürften nicht mehr für ihre eigenen Veranstaltungen werben, weil dies unerlaubte Reklame sei, beschweren sich Studentenvertreter. Sogar eine Strafe hätten Studentengruppen zahlen sollen, weil sie Plakate überklebt haben - früher sei das vollkommen üblich gewesen. Jetzt sei es illegal.
Quelle: ftd.de
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