Der DAX-Konzern schlägt seinen Anteilseignern für die Hauptversammlung am 25. Januar vor, dass die variable Gehaltskomponente gestrichen wird. Das geht aus der Einladung zu dem Aktionärstreffen hervor.
Die überwiegende Mehrheit der 30 DAX-Firmen bezahlt ihre Aufseher auch erfolgsabhängig. Bei 23 Konzernen beinhaltet das Gehalt eine Tantieme, die nach Analystenschätzung 2009 in vielen Fällen das Festgehalt deutlich überstiegen hat. Bei BASF etwa beträgt das Festgehalt 150.000 Euro. Die Tantieme des Chefaufsehers wird auf 300.000 Euro geschätzt.
Nach Informationen der Financial Times Deutschland diskutieren derzeit mehrere DAX-Konzerne wie die Allianz, ob sie dem Beispiel von Siemens folgen sollen. Der Konzern eröffnet die Hauptversammlungssaison. Auch die Corporate-Governance-Kommission prüft eine Änderung. Das Gremium entscheidet allerdings immer erst nach den Aktionärstreffen, also Ende Mai.
Unter der Führung von Gerhard Cromme hatte die Kommission die Empfehlung für eine erfolgsabhängige Bezahlung der Kontrolleure in den Corporate-Governance-Kodex aufgenommen. Viele Unternehmen änderten daraufhin ihre Gehaltsstruktur. Mitte 2008 gab Cromme das Amt an Commerzbank-Chefkontrolleur Klaus-Peter Müller ab. Cromme führt heute nicht nur den Aufsichtsrat von Siemens, sondern auch den von ThyssenKrupp. Der Stahlkonzern will die Aufsehervergütung derzeit nicht ändern.
Konkret senkt Siemens das Grundgehalt der Kontrolleure geringfügig von 150.000 auf 140.000 Euro. Aufsichtsratsmitglieder mit vielen Funktionen in Ausschüssen profitieren allerdings von dem Plan. Beispiel Cromme: Behält er alle Sonderposten des vergangenen Geschäftsjahrs wie etwa den Vorsitz im Finanzausschuss, kann er mit insgesamt 560.000 Euro rechnen. 2010 waren seine Bezüge um gut ein Viertel auf knapp 487.400 Euro gestiegen, weil der Konzern das Geschäftsjahr 2010 im November mit einem Rekordgewinn abschloss. Damit ist Cromme nicht nur bestbezahlter Aufsichtsratschef in der Siemens-Geschichte, sondern auch die Nummer zwei im DAX-Vergleich hinter VW-Patriarch Ferdinand Piëch.
Unter Vergütungsexperten ist heftig umstritten, ob Aufsichtsräte auch erfolgsunabhängig bezahlt werden sollen. Während die einen betonen, dass Aufsichtsräte den Vorstand in strategischen Fragen, etwa bei Firmenkäufen, beraten und deshalb am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden sollen, lehnen andere Juristen eine solche Vergütungsstruktur unter Verweis auf ein sorgsam austariertes Checks-and-Balances-System ab. Zudem können viele Vergütungsexperten die Frage nicht beantworten, wie man den Erfolg eines Aufsichtsrats sinnvoll bemisst.
Siemens nennt zur Begründung, dass "der Umfang der Arbeitsbelastung und das Haftungsrisiko der Aufsichtsratsmitglieder sich in aller Regel nicht parallel zum geschäftlichen Erfolg entwickelt". Gerade in schwierigen Zeit mit womöglich rückläufigen Ergebnissen sei das Gremium besonders gefordert. Der Konzern verweist zudem darauf, dass der Verzicht auf eine erfolgsorientierte Vergütung im Ausland anerkannte Praxis sei.
Quelle: ftd.de
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