04.06.2010

Coworking-Spaces: Schreibtisch auf Zeit

Von: Eli Hamacher
Das "La Oficina" in Kopenhagen lädt zum Coworking ein
Zoom Das "La Oficina" in Kopenhagen lädt zum Coworking ein
© La Oficina
Das Modell bietet maximale Flexibilität zu minimalen Kosten: Selbstständige mieten tage- oder monatsweise einen Arbeitsplatz in einer Büro-WG. Ein Konzept aus dem schon große Unternehmen entstanden sind.

Wenn Ursula Vranken zur Arbeit kommt, kann es passieren, dass ihr Schreibtisch besetzt ist. Kein Problem, dann fährt sie ihren Rollcontainer eben in einen anderen Raum. "De facto brauche ich meinen Rechner und einige Ordner", sagt die 46-Jährige. Als selbstständige Unternehmensberaterin verbringt sie den größten Teil der Woche ohnehin bei Kunden vor Ort.

Benötigt sie einen Platz für sich und ihre zwei Assistentinnen oder einen Meetingraum, fährt Vranken in den Kölner Westen. Dort hat die ehemalige ZDF-Journalistin Jacqueline Boyce vor zwei Jahren "Zeiträume" eröffnet: ein 400 Quadratmeter großes Büro mit 20 Arbeitsplätzen, die an Designer, Anwälte, Ärzte, Journalisten, Softwareentwickler oder Ingenieure vermietet werden. Coworking-Spaces heißen solche Bürogemeinschaften, die Idee kommt aus den USA. Auch hierzulande werden mittlerweile viele Schreibtische auf Zeit angeboten, allein in Berlin an drei Standorten.

Ursula Vranken schätzt vor allem das Ambiente. Die Wände sind grün, rot und gelb gestrichen, Paravents trennen die 16 Arbeitsplätze im Großraum, zu denen noch vier verglaste Einzelbüros kommen. Der Empfang hält Getränke, Obst und Snacks bereit. Zwar fehlt Vranken meist die Zeit, um im Fitnessraum zu trainieren, aber sie gönnt sich ab und zu eine Massage beim Physiotherapeuten. Der residiert im Keller des Hauses und bietet auch Personal Training und Pilates an. Gleich nebenan können Eltern ihre Ein- bis Dreijährigen in der Kita abgeben, die ebenfalls zu Zeiträume gehört.

Zwischen Luxus und Minimalismus

So viel Luxus wie in Köln bieten die wenigsten Coworking-Spaces. In der Regel pflegen die Büro-WGs die Kunst des Minimalismus. Im Angebot haben sie, was Selbstständige unbedingt benötigen, und lassen weg, was nicht sein muss. So soll genau die Klientel bedient werden, die volle Flexibilität braucht, weil sie heute noch nicht weiß, wie die Aufträge morgen laufen.

Zum Standardprogramm gehören Schreibtische, Internetzugang, Telefon, Drucker, Kopierer, Scanner, Fax, Sekretariatsservice und ein Café. Ein Tagesticket für einen Schreibtisch und W-Lan-Zugang gibt es bereits für zwölf Euro.

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